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26.08.26 Infrastruktur Quartier Wärmewende Energie erzeugen & verteilen

Wie Nahwärmenetze lokale Wertschöpfung schaffen

Stärkung der Regionen, kommunaler Haushalte und lokaler Akteure

Nahwärmenetze halten Kapital in der Region, schaffen Arbeitsplätze und machen Kommunen unabhängiger. Wie das gelingt und was es dazu braucht, stellen Sirin Tezcan-Kamper und Tim Sonntag, Expertin und Experte für klimaneutrale Quartiere und lokale Transformationskonzepte bei der dena, vor. 

Anders als Strom kann Wärme nicht über weite Strecken transportiert werden. Das ist kein Nachteil, sondern eine Chance: Denn Wärme entsteht dort, wo sie gebraucht wird. Solange Kommunen bei der Wärmeversorgung auf fossile Energieträger setzen, fließt ein großer Teil der Energieausgaben ins Ausland. Deutschland gibt jährlich rund 80 Milliarden Euro für Importe fossiler Energieträger aus. Nahwärmenetze ändern das. Sie nutzen lokale Quellen wie Umgebungswärme, Solarthermie, Geothermie, Abwärme oder Biomasse. Das Kapital bleibt in der Region und stärkt kommunale Haushalte und lokale Akteure. Damit begünstigen Nahwärmenetze den Aufbau lokaler Wertschöpfungsketten.

Wie Nahwärmenetze zum Erfolg führen

In Vorgesprächen mit über 30 Kommunen, Stadtwerken, Genossenschaften, Projektierenden, Planungsbüros, Interessenverbänden und Forschungseinrichtungen im Rahmen der dena-Initiative „Stadt-Land-Region“ wurde klar: Projekte gelingen, wenn Akteurinnen und Akteure frühzeitig sowie gut moderiert zusammenarbeiten und transparent kommunizieren. Maßgeblich ist eine koordinierende Stelle, die 

  • unterschiedliche Interessen ausgleicht, 
  • Fachwissen zur Wärmeplanung und -versorgung einbringt und 
  • die lokale Wertschöpfung im Blick behält. 

Besonders erfolgreich sind Bürgerenergiegenossenschaften. Hier werden Mitglieder nicht nur finanziell beteiligt, sie entscheiden über ihr Stimmrecht mit. Dieses Engagement ist oft der eigentliche Erfolgsfaktor.

Was die Umsetzung der Nahwärmenetze bremst

Obwohl Kommunen von Nahwärmenetzen profitieren können, bilden unsichere Rahmenbedingungen, Flächenkonkurrenz und komplexe Förderanträge erhebliche Hürden.

  1. Unsichere Rahmenbedingungen: Änderungen im Förder- und Energierecht erzeugen Unsicherheit und erschweren langfristige Investitionsentscheidungen, insbesondere für wertschöpfungsstarke Betreibermodelle wie Genossenschaften. 
  2. Flächenkonkurrenz: Wärmeerzeugungsanlagen konkurrieren etwa mit Gewerbe oder Landwirtschaft um Flächen. Kommunen können Wärmenetzprojekte und somit lokale Wertschöpfung unterstützen, indem sie gezielt Flächen vorhalten.
  3. Komplexe Förderanträge: Die Beantragung von Fördermitteln bindet personelle Ressourcen. Gerade kleinere Kommunen, die besonders von Bürgerbeteiligungsmodellen profitieren würden, haben diese Kapazitäten oft nicht.

Langfristig stabile politische Rahmenbedingungen sind keine Komfortforderung. Sie sind Voraussetzung dafür, dass Kommunen überhaupt in eine zukunftssichere Wärmeinfrastruktur investieren können.

  • Nahwärmenetze bedeuten für Kommunen einen entscheidenden Standortvorteil: Lokale Wertschöpfung: Tiefbau, Rohrleitungsbau und laufende Wartung sind lokal erbringbare Leistungen, für die viel Präsenz, Koordination und Abstimmung vor Ort erforderlich ist. Auch Erfahrungen mit örtlichen Besonderheiten bei solchen Infrastrukturvorhaben sind von Vorteil. Wenn dies in den Ausschreibungen und Vergabeanforderungen berücksichtigt wird, bleibt ein erheblicher Teil der Investitionssumme in der Region. 
  • Steuereinnahmen und Stabilität: Hinzu kommen kommunale Steuereinnahmen durch neue Gewerbeansiedlungen, stabilisierte Immobilienwerte und Beschäftigungseffekte. Gerade in von Abwanderung geprägten Regionen sind diese Faktoren von großer Bedeutung.

Vorteile der Wärmenetze: Bessere Infrastruktur, wirtschaftliche Vorteile, Akzeptanz von Baumaßnahmen und Widerstandfähigkeit

Wärmenetze schaffen mehr als nur Infrastruktur und wirtschaftliche Vorteile: Das gemeinsame Planen und Umsetzen stärkt das Gemeinschaftsgefühl und erhöht die Akzeptanz für notwendige Baumaßnahmen. Kommunen wachsen im Wandel, wenn sie diesen Prozess gemeinsam gestalten. Und sie werden widerstandsfähiger: Die Energiekrise 2022 hat gezeigt, wie riskant einseitige Importabhängigkeiten sind. Eine Kombination mehrerer lokaler Wärmequellen, wie etwa Wärmepumpe als Grundlast, Solarthermie als saisonale Ergänzung und Biomasse als Backup für die Spitzenlast, schafft eine Versorgungssicherheit, die fossile Einzellösungen nicht bieten können.

Die dena vertieft diese Fragen im Rahmen der Initiative „Stadt-Land-Region“ und bringt Akteurinnen und Akteure aus Kommunen, Stadtwerken, Genossenschaften und Beratungen in den Dialog. Denn die richtigen Antworten entstehen nicht am Schreibtisch, sondern vor Ort.

Session über das Stärken lokaler Wertschöpfung auf dem dena Kongress 2026

Auf dem dena Kongress 2026 geht es in der Session Lokale Wertschöpfung stärken am 9. November 2026 (16:45 - 17:30) um Wärmewende, Versorgungssicherheit und lokale Wertschöpfung. Informieren Sie sich jetzt über das Programm und sichern Sie sich Ihr Ticket! 

  • Grafik: Drei weiße, gebogene Pfeile auf blau-orange schattiertem Hintergrund.

    dena Kongress

    Am 9./10. November 2026 findet in Berlin der dena Kongress statt.

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Portrait Sirin Tezcan-Kamper
Sirin Tezcan-Kamper Themengebietsleiterin Klimaneutrale Quartiere & lokale Transformationskonzepte

Sirin Tezcan-Kamper ist Architektin und spezialisiert auf klimaneutrales und nachhaltiges Bauen im Quartierskontext. Bei der dena – Deutsche Energie-Agentur (dena) arbeitet sie im Arbeitsgebiet Quartier & Stadt mit Fokus auf lokale Wertschöpfung im Kontext der Wärmeversorgung. Sie verfügt über mehrjährige Erfahrung in der urbanen Wärmewende, arbeitet interdisziplinär und kennt die relevanten Zusammenhänge aus verschiedenen fachlichen Perspektiven.

Portraitbild von Tim Sonntag
Tim Sonntag Experte Klimaneutrale Quartiere & lokale Transformationskonzepte

Tim Sonntag ist Geograph und arbeitet bei der dena – Deutsche Energie-Agentur im Arbeitsgebiet Quartier & Stadt an den Fokusthemen lokale Wertschöpfung im Kontext der Wärmeversorgung und Genehmigungsprozesse von Wärmetechnologien. Dabei verbindet er planerisches Fachwissen mit praktischen Lösungsansätzen für die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung.