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30.09.26 Gebäude Kommunen Quartier Gebäude & Räume umbauen

Warum Hitzeschutz und Kälteplanung zusammengedacht werden müssen

Erfordernisse einer integrierten Betrachtung für eine nachhaltige Quartiersentwicklung

Inwiefern die Novelle des Wärmeplanungsgesetzes (WPG) einen guten ersten Schritt für eine integrierte Betrachtung von Klimaanpassung, Hitzeschutz und Kälteversorgung für eine nachhaltige Quartiersentwicklung darstellt, erklärt Clara Rieken, dena-Expertin für klimaneutrale Quartiere.

Nachhaltige und resiliente Quartiere entstehen nicht durch einzelne Maßnahmen. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Hitzeperioden ist es entscheidend, Hitzeschutzmaßnahmen im öffentlichen Raum, das Anpassen von Gebäuden und die technische Kälteversorgung als zusammenhängende Aufgaben zu betrachten.

Beim baulichen und technischen Hitzeschutz von Gebäuden wird das besonders deutlich: Das Mikroklima im Quartier beeinflusst die thermische Belastung von Gebäuden und Innenräumen unmittelbar. Aufgeheizte Straßen, öffentliche Räume und Gebäude verstärken sich bei hohen Temperaturen gegenseitig. Vor diesem Hintergrund bedarf es integrierter Strategien und Maßnahmen, die Synergien zwischen dem öffentlichen Raum sowie konkreten Gebäuden herstellen.

Hitzeschutz und Kälteplanung integriert denken

Auf Ebene von Kommune und Quartier stellen Hitzeaktionspläne und Klimaanpassungskonzepte wichtige strategische Instrumente für einen ganzheitlichen Hitzeschutz dar. Ein wesentliches Handlungsfeld ist dabei die Kühlung öffentlicher Räume durch Klimaanpassungsmaßnahmen, die zugleich die Temperaturen in angrenzenden Gebäuden beeinflussen können. 

Die geplante Einführung des Verfahrens zur Planung der Kälteversorgung im Wärmeplanungsgesetz (WPG) befasst sich inhaltlich zunächst mit dem Ermitteln des aktuellen sowie perspektivisch zu erwartenden Kälte- und Kühlungsbedarfs von Gebäuden. Dieser soll zukünftig über Kältenetze oder integrierte Wärme- und Kältenetze gewährleistet werden. Werden die Wirkungen der Maßnahmen im Außenraum bereits jetzt berücksichtigt, lassen sich dadurch Synergien für eine nachhaltige Quartiersentwicklung nutzen. 

Die Instrumente des Städtebaurechts bieten die Grundlage für die räumliche Verankerung von Klimaanpassungsmaßnahmen. In der geplanten Novelle des Baugesetzbuchs (BauGB) wird die Bedeutung der Klimaanpassung weiter gestärkt, unter anderem in der Bauleitplanung und im besonderen Städtebaurecht. Die geplante Einführung des Verfahrens zur Planung der Kälteversorgung im Wärmeplanungsgesetz (WPG) bietet einen weiteren wichtigen Anknüpfungspunkt, um den Kühlbedarf von Gebäuden gemeinsam mit den Wirkungen von Klimaanpassungsmaßnahmen im öffentlichen Raum zu betrachten.

Entwurf der WPG-Novelle setzt einen Impuls

Das Bundeskabinett hat am 27.05.2026 den Entwurf zur Novellierung des Wärmeplanungsgesetzes (WPG) beschlossen, der bis Ende des Jahres 2026 in Kraft treten soll. Mit dem § 21a WPG wird die Pflicht für Kommunen mit 45.000 oder mehr Einwohnenden zur Planung der Kälteversorgung eingeführt. Grundlage der Änderungen ist die Umsetzung der Vorgaben aus der EU-Energieeffizienzrichtlinie (Artikel 25 Abs. 6 EED). Mit § 21a WPG wird das Verfahren zum Planen der Kälteversorgung geregelt. In Kommunen soll es erstmals mit der Fortschreibung des Kommunalen Wärmeplans berücksichtigt werden. 

In der Begründung zum Kabinettsentwurf der WPG-Novelle vom 22.06.26 wird darauf verwiesen, dass beim Planen der Kälteversorgung Erkenntnisse zur Hitzebelastung des beplanten Gebiets insbesondere aus Klimaanpassungskonzepten und Hitzebelastungskarten zu berücksichtigen sind. Weiterhin sollen bereits beschlossene, naturbasierte städtebauliche Maßnahmen mit kühlender Wirkung aus Klimaanpassungskonzepten oder Hitzeaktionsplänen bei der Bedarfsermittlung einkalkuliert werden. Dadurch wird die integrierte Perspektive zwischen öffentlichen Räumen und Gebäuden unterstrichen.

Jetzt handeln für klimaresiliente Quartiere

Eine konsequente Umsetzung der oben genannten Maßnahmen kann die Hitzebelastung in Quartieren langfristig reduzieren. Zugleich können Aufenthalts- und Wohnqualität verbessert werden. Blau-grüne Infrastruktur, Verschattung und Entsiegelung beeinflussen das Mikroklima und können die Aufheizung von Gebäuden mindern. In Verbindung mit baulichen Maßnahmen und einer bedarfsgerechten aktiven Gebäudekühlung entsteht so eine Grundlage für nachhaltige und klimaresiliente Quartiere. Angesichts der zunehmenden Hitzeperioden gilt es nun, entschlossen zu handeln.

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Portraitbild von Clara Rieken
Clara Rieken Expertin Klimaneutrale Quartiere & lokale Transformationskonzepte

Clara Rieken arbeitet bei der dena als Expertin im Team Klimaneutrale Quartiere. Dort beschäftigt sie sich mit Themen der Stadtplanung, Wärmewende, Klimaschutz und Klimaanpassung auf der Quartiersebene. Während ihres Studiums der Raumplanung (TU Dortmund) und Stadt- und Regionalplanung (TU Berlin) sammelte sie Erfahrungen im Betreuen von Städtenetzwerken sowie in internationalen Projekten der nachhaltigen Stadtentwicklung in China und Indien.