Klimaresilienz: So schützen wir Gebäude und Quartiere
In einem Interview erklären Marco Heymann und Andreas Koch, mit welchen Maßnahmen Gebäude und Quartiere klimaresilienter werden.
Mit Rekordtemperaturen vielerorts und langen Hitzeperioden war der Sommer 2026 der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes. In der Folge wurde intensiv über Hitzeschutz diskutiert. Wie können Menschen in ihren Häusern und Wohnung vor hohen Temperaturen geschützt werden?
Marco Heymann: Der diesjährige Sommer mit seinen extremen Hitzewellen hat uns wieder einmal eindringlich vor Augen geführt, wie wichtig wirksamer Hitzeschutz in Deutschland ist. Dabei braucht es ein Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen. Ein zentraler Baustein sind passive Lösungen. Sie können dazu beitragen, Gebäude auch bei hohen Außentemperaturen möglichst lange angenehm kühl zu halten und den Energiebedarf für die Kühlung zu begrenzen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kann auch aktive Kühlung erforderlich sein. Das gilt insbesondere dort, wo vulnerable Gruppen besonders geschützt werden müssen, etwa in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Schulen.
Welche anderen Maßnahmen schützen Gebäude am besten vor Hitze?
Marco Heymann: Am besten ist es, die Wärme gar nicht erst eindringen zu lassen. Dagegen helfen begrünte Fassaden und Dächer, Bäume sowie andere schattenspendende Bepflanzung, außenliegender Sonnenschutz, spezielle Fensterbeschichtungen, eine gute Dämmung der Außenwand sowie geschlossene Fenster über den Tag. Ist die Wärme einmal im Gebäude, sind hitzespeichernde Materialien wie Beton im Innenraum und Nachtlüftung das A und O – so wird die Hitze tagsüber gespeichert und nachts abgeführt.
Andreas Koch: Beim Thema Hitzeschutz denken viele zuerst an überhitzte Büros oder Wohnungen, die über Nacht nicht mehr auskühlen. Auch die Temperaturen in der Stadt und im Quartier haben unmittelbaren Einfluss darauf. Zum einen können sich die Gebäude nicht abkühlen, wenn die Umgebung aufgeheizt bleibt. Zum anderen müssen wir in heißen Sommern auch stärker auf die direkte Hitzebelastung für Menschen im Außenbereich achten. Für beide Aspekte ist es wichtig, auch Maßnahmen im Quartier umzusetzen.
Welche Maßnahmen im Quartier sind das?
Andreas Koch: Als wichtige Maßnahmen zur Klimaanpassung werden oft blaue und grüne Infrastrukturen genannt, also Grün- und Wasserflächen. Denn diese wirken sich positiv auf das Mikroklima aus. Beispiel Stadtbäume: Sie kühlen die Umgebung, weil sie mit ihrem Blätterdach Schatten spenden. Gleichzeitig verdunsten sie über die Blätter Wasser, das der Luft Wärme entzieht. Bäume verbessern somit auch die Aufenthaltsqualität in Straßen oder auf Plätzen bei Hitze. Das Beispiel der Gartenstadt Drewitz zeigt, wie energetische Maßnahmen mit Maßnahmen der Klimaanpassung zusammengedacht werden können.
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Hitzeschutz ist ein großes Thema in den Medien. Doch welche anderen Auswirkungen hat der Klimawandel auf Gebäude und Quartiere?
Marco Heymann: Hitze ist tatsächlich nur ein Teil des Problems. Durch den Klimawandel nehmen auch andere Wetterextreme in Deutschland zu. Zukünftig werden uns in Deutschland Starkregen, Sturmböen und Hagel herausfordern. Unsere Gebäude und Quartiere sollten deshalb auf mehreren Ebenen resilienter werden. Ganz konkret: Ein wichtiger Ansatz ist dabei das Schwammstadt-Prinzip: Städte werden so gestaltet, dass sie Regenwasser möglichst vor Ort aufnehmen, speichern und wieder verdunsten können.
Andreas Koch: Die Entsiegelung von Außenflächen hilft, den Versickerungsanteil zu erhöhen. Im Rahmen des Regenwassermanagements sollten neben der Versickerung auch Möglichkeiten der Retention – also der Zwischenspeicherung – und Verdunstung geprüft werden. Je nach Eignung des Quartiers können unterirdische Wasserspeicher oder mit Pflanzen bewachsene Mulden sinnvolle Maßnahmen darstellen.
Was muss sich in der Planung ändern, damit Klimaanpassung von Anfang an berücksichtigt wird?
Andreas Koch: Mit der Novelle des Wärmeplanungsgesetzes (WPG) soll für Kommunen mit mehr als 45.000 Einwohnern die Kälteplanung eingeführt werden. Die Kälteplanung sollten die Kommunen zum Anlass nehmen, Klimaschutz und Klimaanpassung zusammenzudenken. Derzeit erschweren dies unterschiedliche Zuständigkeiten in den Kommunen aber auch auf Landes- oder Bundesebene. Daher haben wir uns im Rahmen der Plattform integrierte Planung gute Praxis-Beispiele angesehen. Im Modellquartier Dürerstraße erprobt die Stadt Bielefeld beispielsweise, wie der Ausbau der Fernwärme genutzt wird, um weitere Infrastrukturmaßnahmen im Tiefbau koordiniert mitzudenken. So wurde in der Planung gezielt auf den Schutz und Erhalt von Stadtgrün und die Starkregenvorsorge geachtet.
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