Elektrolysekapazitäten in Deutschland
Hochlaufpfad, Finanzierung und Förderung
Wasserstoff ist für eine erfolgreiche Energiewende von zentraler Bedeutung - gerade für den Industriestandort Deutschland. Ausreichende Mengen an Wasserstoff werden vor allem dort bereitgestellt werden müssen, wo eine direkte Elektrifizierung wirtschaftlich nicht sinnvoll oder technisch schwer möglich ist. Der gezielte Ausbau der heimischen Elektrolysekapazitäten parallel zur Sicherung kostengünstiger Importe von Wasserstoff und dessen Derivaten aus dem Ausland bietet diverse Vorteile: Durch den Bau der Elektrolyseanlagen wird heimische Wertschöpfung generiert und grüner Wasserstoff kann verbrauchsnah und systemdienlich erzeugt werden. Auch trägt die heimische Produktion zur Versorgungssicherheit bei.
Wie ist der Status quo in Bezug auf den Ausbau der Elektrolysekapazitäten in Deutschland? Wo liegen Herausforderungen? Was sind die Schlüssel zur Marktentwicklung?
Die dena unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) bei der Umsetzung von Maßnahmen zum Ausbau der deutschen Elektrolysekapazitäten, unter anderem durch den Aufbau und die kontinuierliche Aktualisierung einer umfassenden Projektdatenbank. Dazu werden Daten zu geplanten und bereits umgesetzten Elektrolyseprojekten in Deutschland bis zum Jahr 2040 erfasst. Die Erhebung erfolgt auf Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen sowie Angaben, die durch die Projektakteure bereitgestellt werden. Damit wurde eine fundierte Datenbasis geschaffen, die es möglich macht, eine detaillierte Bestandsaufnahme vorzunehmen und den Fortschritt des Ausbaus von Elektrolysekapazitäten abzuschätzen. Die hier dargestellten Ergebnisse basieren auf einer Auswertung der Daten mit Stand April 2026.
Die Fortsetzung der Analyse zur regionalen Verteilung, Kernnetzanbindung und Technologieauswahl der Projekte sowie zu Elektrolyse-Herstellermärkten beruht auf derselben Datenbasis.
Status quo: Ausbau nimmt nach langsamer Dynamik der letzten Jahre an Fahrt auf
Bereits heute sind rund 193 Megawatt (MW) Elektrolysekapazität in Deutschland in Betrieb. Weitere Projekte mit einer Gesamtkapazität von 1,2 Gigawatt (GW, entspr. 1.200 MW) befinden sich derzeit im Bau. Laut Angaben der Projektierer sollen hiervon 329 MW noch in diesem Jahr in Betrieb genommen werden (Stand April 2026). Seit der Veröffentlichung der Nationalen Wasserstoffstrategie im Jahr 2020 hat sich die Elektrolysekapazität in Deutschland fast verfünffacht. Zwischen 2020 und 2023 stieg die Kapazität von knapp 32 auf 65 MW an. Bis Ende 2024 waren rund 118 MW installiert. Der Elektrolysemarkt befindet sich aktuell in einer Übergangsphase. Bisher wurden vor allem Elektrolyseure mit geringen Kapazitäten in Betrieb genommen. In den kommenden Jahren werden vermehrt Elektrolyseure mit Kapazitäten im zwei- bis dreistelligen MW-Bereich in Betrieb gehen: Im März 2025 wurde durch ein einzelnes Elektrolyseprojekt an einem Chemiestandort eine weitere Elektrolysekapazität von 54 MW in Betrieb genommen.
Viele angekündigte Projekte, aber die Finanzierung ist eine Herausforderung
Die Summe der Elektrolysekapazität aller Projekte in der dena-Datenbank, die planen, bis 2030 in Betrieb zu gehen, beträgt insgesamt 5,5 GW. Aufgrund des frühen Marktstadiums sind jedoch Verzögerungen oder Absagen eines Teils der geplanten Projekte sehr wahrscheinlich. Bis 2030 befinden sich lediglich 2,4 GW Elektrolysekapazität in der FFED-Phase oder darüber hinaus. Mehr als die Hälfte (3 GW) der geplanten Kapazität befindet sich noch in der Pre-FEED-Phase oder ist weniger weit fortgeschritten. Der entscheidende Faktor für eine hohe Realisierungswahrscheinlichkeit ist eine gesicherte Finanzierung zumindest für einen erheblichen Teil der Kosten. Dies kann sich etwa durch eine getroffene positive finale Investitionsentscheidung (FID), einen erteilten Förderbescheid oder andere finanzielle Absicherungen ausdrücken. Aktuell trifft das auf Projekte mit einer Gesamtkapazität von 2,1 GW zu.
Für eine gesicherte Finanzierung ist entscheidend, dass die Risiken für Elektrolyseprojekte nachweislich reduziert werden: Aus Gesprächen mit Elektrolyseprojektierern, die die dena ergänzend zur Auswertung der aggregierten Projektdaten geführt hat, geht hervor, dass die Sicherung einer verlässlichen Nachfrage nach Wasserstoff über langfristige Abnahmeverträge für die Realisierung von Elektrolyseprojekten von zentraler Bedeutung ist. Nach Aussage von Produzenten wären Laufzeiten der Lieferverträge zwischen 10 und 15 Jahren für Investitionsentscheidungen ideal. Die Projektierer haben sich daher unter anderem für Anreize zur Stärkung der Wasserstoffnachfrage durch die Umsetzung der überarbeiteten Erneuerbaren-Energien-Richtlinie (RED III) in nationales Recht ausgesprochen. Dem ist der Gesetzgeber nachgekommen: Zur Erfüllung der Zielvorgaben der REDIII für den Einsatz von erneuerbarem Wasserstoff und dessen Derivaten im Verkehrssektor, inkl. Raffinerien, wurde in Deutschland eine gesetzliche RFNBO-Unterquote eingeführt. Diese beginnt im Jahr 2026 bei 0,1 % des gesamten Endenergiebedarfs im Verkehr und steigt bis 2040 schrittweise auf 10 % an. Auch hohe Produktionskosten stellen eine Herausforderung für die Nachfragesicherung und somit für die Finanzierung dar. Projektierer weisen darauf hin, dass die strengen Anforderungen an erneuerbaren Wasserstoff durch die EU die Produktionskosten erhöhen und sich dadurch negativ auf die Projekte auswirken würden. Für Sommer 2026 hat die EU-Kommission eine Überprüfung der Produktionsregeln für erneuerbaren Wasserstoff angekündigt.
Förderprogramme für Elektrolyseprojekte: Schlüssel zur Marktentwicklung
Aktuell können kaum Elektrolyseprojekte ohne öffentliche Förderung realisiert werden. Die Auswertung verdeutlicht: 90 % der sich bereits in Betrieb befindlichen oder bis Ende 2026 geplanten Anlagen werden durch öffentliche Fördermittel unterstützt. Dazu zählen Vorhaben, die im Rahmen des “Important Project of Common European Interest (IPCEI) Wasserstoff” und der “Reallabore der Energiewende” gefördert werden. Diese machen rund 54 % der installierten Kapazität aus. Der Anteil der über die Reallabore geförderten Projekte ist 2025 noch signifikant, sinkt jedoch bis 2030 deutlich, da diese vor allem der Erprobung neuer Technologien in kleineren Projekten dienen.
Für die meisten bis zum Jahr 2030 geplanten Projekte wurde noch keine abschließende Investitionsentscheidung (FID) getroffen. Rund ein Drittel der bis 2030 insgesamt geplanten Elektrolysekapazitäten hat sich bislang finanzielle Unterstützung über ein Förderprogramm auf nationaler oder europäischer Ebene gesichert. Ein Grund für die verbleibende Lücke sind begrenzte Haushalts- bzw. Fördermittel sowie, dass viele Projekte in wettbewerblichen Verfahren miteinander konkurrieren. Ein Beispiel ist die erste Auktionsrunde der Europäischen Wasserstoffbank (EHB). Vorhaben aus Deutschland konnten sich gegenüber Projekten in anderen europäischen Ländern aufgrund höherer Gebotspreise nicht durchsetzen. In der zweiten Ausschreibungsrunde erhielten zwar drei deutsche Projekte einen Zuschlag bzw. rückten nach, alle drei zogen ihre Gebote jedoch später vor der Ausarbeitung der verbindlichen Fördervereinbarung zurück. In der dritten Auktionsrunde wurden zwei deutsche Unternehmen für die EHB-Förderung ausgewählt. Die Unterzeichnung von verbindlichen Förderbescheiden ist aber noch nicht erfolgt. Antragsteller von staatlichen Förderungen klagen im Allgemeinen häufig über einen hohen bürokratischen Aufwand und die lange Dauer von Bewilligungen, auch aufgrund der einzuhaltenden beihilferechtlichen Voraussetzungen.
Nationale Projekte könnten mit zunehmender Marktreife und flankiert durch Impulse von der Nachfrageseite graduell wettbewerbsfähiger in Förderausschreibungen werden. Die Unternehmen geben an, dass spezifische Förderprogramme für Wasserstoffvorhaben weiterhin benötigt werden, um den Markthochlauf zu unterstützen.
Auch wenn der Ausbau langsamer voranschreitet als zunächst erwartet, kann der Markthochlauf der Wasserstoff-Elektrolyse weiter an Fahrt gewinnen. Die dena wird den Ausbau, u. a. mit dem detaillierten Monitoring der Projektpipeline, weiterhin eng begleiten und unterstützen.
Was wird in der dena-Datenbank erfasst?
Die Datenbank umfasst über 260 Projekte (Stand: April 2026), deren realisierte und geplante Inbetriebnahmen sich über den Zeitraum von 2007 bis 2040 erstrecken. Für jedes Projekt wird eine Reihe von geografischen, betriebswirtschaftlichen und technischen Indikatoren erfasst. In die Datenvisualisierung sind ausschließlich Projekte eingeflossen, für die sowohl der Standort und die Elektrolysekapazität als auch das geplante Jahr der Inbetriebnahme bekannt sind.
Rückfragen zu der Projektdatenbank und den dargestellten Ergebnissen der Auswertung können an ELMonitoring(at)dena.de gerichtet werden.
Zuständig für die Erhebung und Auswertung der Daten im Auftrag des BMWE sind bei der dena Friederike Altgelt, Eirin Becker, Felix Maaß und Sinja Rostalski.