Zum Hauptinhalt springen
21.07.26

PPAs im Licht der EEG-Novelle

Ohne Vertrauen in einen nachhaltigen Investitionsrahmen geht es nicht.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat bisher den Zubau von Wind und Photovoltaik in Deutschland getragen. Mit langen Laufzeiten, sicheren Erlösen und Anschlussvorrang wurde es nicht ohne Grund zum Liebling der Kapitalgeber und Investoren. Doch die Förderung stößt zunehmend an ihre Grenzen. Gleichzeitig fehlt eine klare Perspektive für den ungeförderten Ausbau erneuerbarer Energien. Um das Vertrauen von Finanzierern, Energiewirtschaft und Abnehmern in den Strommarkt zu erhalten, sollten sich Investitionen in Erneuerbare Energien stärker am ökonomischen Nutzen orientieren. 

Investitionsrahmen praxisnah an Geschäftsmodellen ausrichten 

Das Prinzip „so viel Markt wie möglich“ muss praktisch greifbar werden. Bei Projekten mit geringen Gestehungskosten müssen Power Purchase Agreements (PPAs) zum Mittel erster Wahl werden. Eine staatliche Förderung sollte nur dort greifen, wo der Marktpreis nicht ausreicht, etwa bei Bürgerenergie oder dem Windausbau an weniger ertragreichen Standorten im Süden. So können Markt und Förderung sich ergänzen, statt wie bisher als Gegenspieler zu agieren.

Obwohl die Marktintegration politisch von den meisten Akteuren gewollt ist, scheitert die Umsetzung ungeförderter erneuerbarer Geschäftsmodelle oft am regulatorischen Rahmen: Für Projektierer und Finanzierer ist die Förderung derzeit der sicherste Weg. In der Folge ist für Abnehmer die langfristige Preisabsicherung oft teuer, undurchsichtig oder gar nicht zugänglich. Für den Staat belasten die EEG-Ausgaben in hohem Maß den Haushalt.

Bei neuen Regelungen Wettbewerbsverzerrung vermeiden 

Entscheidend ist nicht, ob PPAs formal möglich sind, sondern ob sie praktisch attraktiv, finanzierbar und verlässlich sind. Doch die EEG-Novelle und Änderungen in der Netzregulatorik können neue Unsicherheiten schaffen und weiteres Volumen in die Förderung drängen. Das schwächt die Marktintegration erneuerbarer Energien in Deutschland. Und während Kosten wie Einspeiseentgelte in der Förderung eingepreist werden können, wird für PPA-Abnehmer anlagenbezogener Stromeinkauf teurer und die Beschaffung im Ausland attraktiver. Umso wichtiger ist es, neue Regelungen wettbewerbsneutral zu gestalten, um ungeförderte Projekte nicht zu benachteiligen.

Risikoabsicherung als Schlüsselelement

PPAs etablieren sich als Dekarbonisierungstool, auch wenn der Markt im letzten Jahr an Schwung verloren hat, wie die PPA-Marktanalyse 2025 der Marktoffensive Erneuerbare Energien zeigt.

Unternehmen nutzen sie für:

  • Bezug von „grünem“ Strom inklusive Herkunftsnachweisen,  
  • reduzierte Abhängigkeit von Energiemarktentwicklungen,
  • langfristig planbare Stromkosten,  
  • Sicherheit für Investitionen in Elektrifizierung,
  • Zugang zu Beihilfen wie z.B. der Strompreiskompensation.  

Die Umsetzung von PPA-Modellen scheitert oft nicht am Interesse der Akteure, sondern an Bankability, Bonität und Laufzeiten. Während das EEG Finanzierern eine langfristige staatliche Absicherung bietet, müssen PPAs zusätzlich das Risiko der Insolvenz des Abnehmers abbilden. Die Folge: Mittelständlern und kleinen Unternehmen haben kaum Zugang zu langfristigen Grünstromverträgen. Eine cashflowbasierte Risikoabsicherung könnte den PPA-Markt für weitere Abnehmer öffnen und private Investitionen bei effizientem Einsatz von Haushaltsmitteln aktivieren. 

Marktintegration als Lenkungsinstrument für mehr private Investitionen 

Die Signalwirkung der neuen Regulierungen reicht weit über technische Details hinaus. Das Vertrauen in die Energiewende ist gefährdet, wenn Förderbedingungen ständig schwanken und nur kurzfristig die Situation einzelner Akteure verbessern. 

Die Devise sollte daher jetzt sein:  

  • Schlechte Kompromisse und neue Pfadabhängigkeiten vermeiden.  

  • Marktintegration als Lenkungsinstrument für mehr private Investitionen, eine Preisabsicherung für Unternehmen und effizienterer Fördermitteleinsatz nutzen. 

Für eine nachhaltige Gestaltung der Energiewende braucht es Vertrauen in Regeln, Regulatorik und Finanzierungsbedingungen. PPAs können dafür in einem gut ausgestalteten Investitionsrahmen das passende Werkzeug sein. 

Porträtfoto vom dena-Mitarbeiter Nicolas Eschenbruch
Nicolas Eschenbruch Seniorexperte Erneuerbare Energien

Nicolas Eschenbruch leitet das Projekt „Marktoffensive Erneuerbare Energien“. Nach Stationen im Stromhandel und der Betriebsführung von Windenergie bearbeitet er bei der dena die Schnittstelle Energiehandel und -versorgung mit dem Ziel der Marktintegration Erneuerbarer Energien. Bereits in seinem Studium rund um „Governance“ und „Political Economy“ an Universitäten in Freiburg, Uppsala und Amsterdam hat er sich Expertise zu öffentlichen Versorgungssystemen und Energie erarbeitet.