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16.09.26 Erneuerbare Energien Förderung Energie erzeugen & verteilen Marktdesign

Gezielt stärken: Herkunftsnachweise als Wertkomponente

Wie Deutschland das Marktpotenzial von Herkunftsnachweisen nutzen kann

Herkunftsnachweise können den marktlichen Ausbau erneuerbarer Energien stärken. dena-Experte Jannis Moss erklärt, warum dafür Qualität, Transparenz und ein stärkeres heimisches Angebot entscheidend sind. 

Herkunftsnachweise fristen in der Energiedebatte oft ein Schattendasein. Zu Unrecht: Sie machen die erneuerbare Herkunft von Strom überprüfbar und sind für viele Unternehmen längst ein fester Bestandteil ihrer Dekarbonisierungs-Strategie. 

Unsere Analyse zeigt aber auch ein strukturelles Problem. Deutschland entwertete 2025 Herkunftsnachweise für rund 224 Millionen Megawattstunden. Nur rund 46 Millionen davon wurden hierzulande ausgestellt – gut ein Fünftel. 

Ausgestellte, importierte und entwertete Herkunftsnachweise in Deutschland.

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Deutschland nutzt sein Marktpotenzial kaum

Die Lücke wird vor allem durch Importe geschlossen. 2025 kamen rund 218 Millionen Herkunftsnachweise aus dem Ausland. Wasserkraft stellte 67 Prozent der Importe dar, was in etwa dem Anteil norwegischer Nachweise entspricht.   

Das ist bilanziell zulässig, bringt aber kaum Geld in neue deutsche Erneuerbare-Energien-Projekte. Bei einem angenommenen Wert von etwa 1,50 € pro Herkunftsnachweis sind damit etwa 330 Millionen Euro möglicher Investitionsanreize nicht für deutsche Projekte genutzt worden. Viele norwegische Wasserkraftwerke, Hauptlieferanten für Importe, sind hingegen seit Langem abgeschrieben. Ihr zusätzlicher Beitrag zum Ausbau ist daher begrenzt. 

Aus meiner Sicht sollten wir Herkunftsnachweise deshalb nicht nur danach bewerten, ob sie formal gültig sind. Entscheidend ist auch ihre Qualität: Wo und wann wurde der Strom erzeugt? Aus welcher Technologie und welcher Anlage stammt er?

  • Donnerstag 15.10.26 14:00 Uhr
    &
    Freitag 16.10.26 09:00 Uhr
    Veranstaltung

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PPAs verbinden Nachweis und reale Beschaffung

Besonders sichtbar wird der Wert hochwertiger Nachweise bei Power Purchase Agreements, kurz PPAs. Diese langfristigen Stromlieferverträge sichern Erzeugern Erlöse und Unternehmen Preise. Der Herkunftsnachweis dokumentiert dabei die grüne Eigenschaft jeder Megawattstunde. 

Ein PPA allein beweist nicht automatisch die erneuerbare Herkunft. Umgekehrt belegt ein separat gekaufter Herkunftsnachweis keine physische Lieferung. Erst eine sauber geregelte Kombination schafft eine belastbare Verbindung zwischen Anlage, Strommenge und Abnehmer. 

Für neue, ungeförderte Anlagen werden Herkunftsnachweise so zu einer zusätzlichen Erlössäule. Gerade bei knappen Margen kann diese Wertkomponente Investitionen erleichtern. Deutschland nutzt dieses Potenzial bislang nur unzureichend.

FAQ zu Herkunftsnachweisen

Qualität muss im Markt sichtbar werden

Transparenz in der Stromkennzeichnung ist wesentlich, um die Qualität und Herkunft des Stromes sichtbar zu machen. Der oft diskutierte Vorwurf des Greenwashings entsteht, wenn ein günstiger Nachweis aus einer alten Anlage als Beleg für eine ambitionierte Beschaffungsstrategie dient, ohne dass dieser Unterschied aufgezeigt wird. Kurz gesagt: Der Claim muss zur Qualität der Herkunftsnachweise passen – und hier gibt es bei der Verwendung viel Potenzial nach oben. 

Unsere Szenarioanalyse zeigt: Der Wert von Herkunftsnachweisen hängt maßgeblich von den politischen Regeln ab. Granularität, Lieferfähigkeitsanforderungen oder Quoten können ihn stärken. Eine pauschale Ausweitung des Angebots könnte ihn dagegen deutlich mindern. 

Wir brauchen deshalb ein System, das Qualitätsunterschiede sichtbar und handelbar macht. Zeitlich und regional genauere Nachweise können Erzeugung und Verbrauch enger zusammenführen. Das stärkt die Glaubwürdigkeit und kann Anreize für eine flexible Nachfrage setzen. 

Auch das Doppelvermarktungsverbot für neue geförderte Anlagen sollten wir differenziert prüfen. Mehr deutsche Nachweise wären sinnvoll. Die Reform darf aber ungeförderte Projekte und den PPA-Markt nicht schwächen. 

Herkunftsnachweise sind kein Nebenschauplatz mehr. Mit klaren Qualitätsmerkmalen, digitalen Registern und verlässlichen Regeln können sie Transparenz schaffen und zusätzliche Erlöse für erneuerbare Energien mobilisieren. Genau daran sollten wir sie messen.

  • 14.09.26 Publikation

    Herkunftsnachweise als Wertkomponente

    Die Analyse zeigt, wie Herkunftsnachweise (HKN) unter passenden Rahmenbedingungen zum strategischen Hebel für die marktbasierte Energiewende werden können.

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Portraitbild von Jannis Moss
Jannis Moss Seniorexperte Energie- & Klimapolitik

Jannis Moss ist Politikwissenschaftler und hat einen Masterabschluss in Public Policy. Bei der dena – Deutsche Energie-Agentur ist er seit September 2023 in der Stabsstelle Politik, Strategie und Grundsatzfragen als Senior-Experte tätig und arbeitet im Projekt „Marktoffensive Erneuerbare Energien“. Zuvor war er unter anderem als Projektleiter beim Bundesverband Windenergie tätig sowie in einer Bürgerenergiegenossenschaft aktiv.