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28.10.26 Erneuerbare Energien Gesamtsystem Internationale Partnerschaft Global vernetzen

Blockierte Meerenge von Hormus als Risiko für Asiens Energieversorgung und die globale Weltwirtschaft

Wie asiatische Staaten auf stark steigende Öl- und Gaspreise sowie Versorgungsengpässe reagieren

Seit Februar 2026 ist die Straße von Hormus nur sehr eingeschränkt passierbar. dena-Experte Tuan Ngo analysiert, warum Asien besonders betroffen ist und mit welchen Maßnahmen nationale Regierungen die hohe Abhängigkeit von der Handelsroute reduzieren.

Vor dem US-Iran-Krieg gingen durch die Straße von Hormus rund 25 Prozent des globalen Ölhandels und 20 Prozent der weltweiten Exporte von verflüssigtem Erdgas (Liquefied Natural Gas = LNG). Seit dem 28. Februar 2026 ist die Meerenge nur eingeschränkt passierbar, alle diplomatischen Versuche einer langfristigen Feuerpause und dauerhaften Öffnung der Meerenge sind bislang gescheitert. Die Folgen: Der Ölpreis ist seit Jahresbeginn um rund 50 Prozent gestiegen, von ca. 71 US-Dollar pro Barrel auf aktuell 110 US-Dollar. Noch viel stärker ist der Preis von Erdgas gestiegen, in manchen Weltregionen ist er regelrecht explodiert, in Asien und Europa von rund 9 US-Dollar pro Million British thermal units ($/MMBtu) – der Standard-Preiseinheit für Erdgas, insbesondere für LNG – auf über 25 $/MMBtu.  Das entspricht einem Plus von mehr als 150 Prozent.

Die Sperrung der Straße von Hormus ist somit mehr als nur ein regionaler Konflikt, sondern vielmehr ein Stresstest für die globale Energieversorgung. Asien ist traditionell besonders abhängig von Öl- und Gasexporten aus der Golfregion – und damit am stärksten von der Sperrung von Hormus betroffen. Allein 75 Prozent aller Öl- und 59 Prozent aller LNG-Lieferungen, die normalerweise durch die Meerenge transportiert werden, gehen in die größten Volkswirtschaften des Kontinents: in die Volksrepublik China, nach Japan, Indien und Südkorea.  

Was passiert, wenn 80 Prozent der Energieimporte eines Landes plötzlich nicht mehr ankommen? 

Die hohe Importabhängigkeit asiatischer Staaten führt regional sowohl zu sehr hohen Benzin-, Diesel- und Gaspreisen als auch zu tatsächlichen Mangellagen. Südkoreas staatlicher Energieversorger KEPCO warnt vor möglichen Versorgungsengpässen im Winter, da die Gasspeicher nur noch begrenzt gefüllt sind. In Japan führen Anpassungsmaßnahmen dazu, dass Kraftwerke vermehrt Öl einsetzen, was die CO₂-Emissionen kurzfristig steigen lässt. Gleichzeitig kommen in wichtigen Industrien des Landes wie Automobil, Halbleiter und Stahl Produktionsanpassungen sowie vorübergehende Energieeinschränkungen vor.

Indien, das 80 Prozent seines Öls importiert, verzeichnet deutlich gestiegene Dieselpreise, was Landwirtschaft und Logistik belastet. In Pakistan führen häufigere Stromabschaltungen zu Einschränkungen im Alltag für alle. In Südostasien, besonders Indonesien, Philippinen, Thailand und Vietnam, steigen durch die erhöhten Transportkosten die Preise für Grundnahrungsmittel und Güter des täglichen Bedarfs.  

So steht die indonesische Regierung beispielsweise vor einem Dilemma: Die Treibstoffsubventionen (ca. 20 Prozent des Staatshaushalts) weiterzuführen, belastet die Staatsverschuldung. Eine Kürzung könnte soziale Spannungen auslösen. In vielen Ländern verliert die Währung massiv an Wert, während gleichzeitig die Devisenreserven schrumpfen. Es droht eine deutliche wirtschaftliche Destabilisierung einer bisherigen wichtigen Wachstumsregion, auch für deutsche Exporte.

Öl und LNG sind weltweit gehandelte Güter. Die verzweifelte Suche Asiens nach Ersatzlieferungen treibt auch die Preise an den europäischen Rohstoffbörsen auf Rekordniveaus. Beim LNG wird das besonders deutlich: Mit der Sperrung der Straße von Hormus fällt Katar als wichtiges Lieferland größtenteils weg. Die verbleibenden Kapazitäten (etwa aus den USA) sind weltweit sehr begehrt, was die Gaspreise weltweit steigen lässt. Der kumulative Effekt aus Energiemangel und weltweit steigenden Logistikkosten schlägt in Europa als massive Importinflation nieder, die die Kaufkraft gefährdet. 

Wie reagieren Staaten, die existenzielle Abhängigkeiten von einer einzigen, blockierten Handelsroute haben?  

Die asiatischen Länder haben auf die Hormus-Blockade mit einer Mischung aus Notfallmaßnahmen und langfristigen Strategien reagiert. Japan und Südkorea haben strategische Ölreserven freigegeben. Gleichzeitig beschleunigen sie den Ausbau erneuerbarer Energien und die Elektrifizierung der Industrie. Indien setzt auf alternative Lieferanten in Afrika und Lateinamerika. Währenddessen nutzt China seine eigenen strategischen Reserven und treibt gleichzeitig Investitionen in Pipeline-Projekte voran. Indonesien und die Philippinen versuchen durch Subventionsanpassungen und gezielte Unterstützung für einkommensschwache Haushalte soziale Spannungen zu vermeiden. Gleichzeitig arbeiten sie an Energieeffizienzprogrammen und am Ausbau von Solar- und Windenergie, um die Abhängigkeit von fossilen Importen zu verringern. Diese Beispiele zeigen, dass diese Situation auch eine Chance für strukturelle Veränderungen bietet.

Auf der Basis einer vertrauensvollen und langjährigen Zusammenarbeit kann Deutschland mit seinen Partnern genau jetzt gemeinsame Standards für sichere und effiziente Energiesysteme entwickeln und Lieferketten resilienter gestalten. Das Ziel: Investitionen in grüne Technologien noch stärker fördern, um die globale Abhängigkeit von fossilen Energieträgern kurz- und langfristig zu reduzieren.

Die Blockade der Straße von Hormus offenbart die Verwundbarkeit von fossilen Energien und zeigt, wie schnell geopolitische Spannungen die wirtschaftlichen Entwicklungen auf der ganzen Welt destabilisieren können. Gleichzeitig bietet die Krise die Chance für einen grundlegenden Wandel: für widerstandsfähige, diversifizierte und nachhaltige Energiesysteme.

Mehrere Flaggen verschiedener Länder wehen an Fahnenmasten vor blauem Himmel

Globalvertrag Energie

Ziel: Beratung und Projektmanagement für GIZ-Energiepartnerschaften in Ägypten, Argentinien, Äthiopien, Brasilien, China, Indien, Mexiko, Südafrika, Thailand, Uruguay, Vietnam

Themen: Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, Internationale Partnerschaft, Global vernetzen

Laufzeit: 01.10.2025 – 31.12.2026

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Portrait Tuan Ngo
Tuan Ngo Experte Stabsstelle Internationale Kooperationen

Tuan Ngo ist Seniorexperte in der Stabsstelle Internationale Kooperationen mit dem Regionalfokus Asien. Sein thematischer Schwerpunkt liegt in der internationalen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und asiatischen Staaten zu wichtigen Fragen der Energiewende. Zuvor sammelte er Erfahrungen bei der GIZ und der Münchener Sicherheitskonferenz (MSC). Sein akademischer Hintergrund umfasst einen M.A. in Internationale Studien/Friedens- und Konfliktforschung an der Goethe-Universität in Frankfurt.