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11.06.26 Wärmewende Energie erzeugen & verteilen

Wärmepumpe und PV kombinieren

Chancen und Grenzen im Überblick

Wärmepumpe und Photovoltaik gelten als ideale Kombination für mehr Unabhängigkeit und niedrigere Energiekosten. Doch wie gut funktioniert das Zusammenspiel in der Praxis? Johannes Kretzschmar, Experte für Monitoring und Wärmepumpensysteme bei der dena, ordnet Potenziale und Grenzen ein.

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Spätestens seit der Debatte um das Gebäudemodernisierungsgesetz wird intensiv darüber diskutiert, wie sich die Wärmewende im Gebäudebestand wirtschaftlich umsetzen lässt. Für Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer sowie die Wohnungswirtschaft ist die Transformation des Gebäudebestands nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance: für mehr Unabhängigkeit von schwankenden Energiepreisen, regionale Wertschöpfung und eine bürgernahe Energiewende. Die Kombination aus Wärmepumpe und Photovoltaik bietet dafür eine vielversprechende Lösung. 
 

Wärmepumpen und Photovoltaik (PV) können sowohl in Ein- als auch Mehrfamiliengebäuden sinnvoll kombiniert werden. Wie hoch der Anteil des selbst erzeugten Stroms ausfällt, hängt vor allem von der verfügbaren Dachfläche, dem Wärmebedarf sowie von der Nutzung von Wärme- und Batteriespeichern ab. Da einer geringen Sonneneinstrahlung im Winter ein hoher Wärmebedarf gegenübersteht, ist eine vollständige Deckung des Strombedarfs selbst mit Speichern jedoch nicht möglich. Feldtests des Instituts für Wohnen und Umwelt (IWU, 2025) zeigen dennoch Deckungsanteile von bis zu 39 Prozent in Einfamilienhäusern. Im Mehrfamilienhaus erschweren vor allem Platzbedarf, Netzanschlüsse sowie komplexe Eigentums- und Abstimmungsverhältnisse in Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) das Erreichen hoher Deckungsanteile.

Effizienz und Wirtschaftlichkeit durch gute Planung

Damit das Zusammenspiel von Wärmepumpe und Photovoltaik optimal funktioniert, sind gutes Planen, intelligente Regelung und ein kontinuierliches Monitoring entscheidend. Der Wärmepumpen-Kompass des Gebäudeforums klimaneutral bietet hierfür praxisnahe Orientierung. Er zeigt, welche Faktoren die Effizienz, Leistungsfähigkeit und Lebensdauer einer Wärmepumpe beeinflussen. Wärmespeicher, Batteriespeicher und die thermische Masse des Gebäudes spielen dabei eine wichtige Rolle, um überschüssigen PV-Strom nutzbar zu machen. Gerade die Speichermasse des Gebäudes kann durch eine leichte Überhöhung der Raumtemperatur gut als Speicher für Zeiten mit hohem PV-Ertrag genutzt werden und bietet häufig deutlich mehr Potential als ein konventioneller Pufferspeicher. Im Sommer können zusätzlich Trinkwarmwasser- und Batteriespeicher zu hohen Deckungsanteilen beitragen. Damit sie ihr Potenzial ausschöpfen können, müssen die Speicherkomponenten sorgfältig geplant und ausgelegt werden.

Die Wirtschaftlichkeit der Kombination entsteht vor allem dadurch, dass weniger Strom aus dem Netz bezogen werden muss. Selbst wenn die Wärmepumpe nicht vollständig mit Solarstrom betrieben werden kann, senkt jede Kilowattstunde, die direkt aus der eigenen Photovoltaikanlage genutzt wird, die Heizkosten. Gleichzeitig erhöht die Wärmepumpe den Eigenverbrauch des selbst erzeugten Stroms und verbessert damit die Wirtschaftlichkeit der PV-Anlage. Wie sich unterschiedliche Maßnahmen auf Energieverbrauch, Kosten und CO₂-Emissionen auswirken, zeigt auch unser digitaler Gebäudedemonstrator DEEP.digital. Der Demonstrator macht die Auswirkungen verschiedener Effizienzmaßnahmen anschaulich und hilft, wirtschaftlich sinnvolle Sanierungsstrategien besser zu verstehen.
 

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Fazit

Auch wenn der Strom aus Sonnenenergie im Winter den Wärmebedarf eines Gebäudes nicht decken kann, ergänzen sich Wärmepumpe und Photovoltaik hervorragend, besonders in Herbst und Frühling. Die PV-Anlage produziert günstigen Strom für die Wärmepumpe, während die Wärmepumpe den Eigenverbrauch der PV-Anlage erhöht und so deren Wirtschaftlichkeit verbessert. Besonders interessant ist die Nutzung der Gebäudemasse als Wärmespeicher, da in bestehenden Stein- oder Betongebäuden im Vergleich zu einem thermischen Pufferspeicher deutlich mehr Masse als Energiespeicher genutzt werden kann. Das Fazit bleibt eindeutig: Jedes zusätzliche PV-Modul, auch bei kleineren Anlagen, reduziert den Netzstrombezug der Wärmepumpe und senkt die Heizkosten. 

Portraitbild von Johannes Kretzschmar
Johannes Kretzschmar Experte Monitoring & Wärmepumpensysteme

Johannes Kretzschmar arbeitet im dena Fachbereich Klimaneutrale Gebäude und beschäftigt sich damit, wie der Markt und die Fachakteure bei Beratung, Planung bis zum Betrieb von Wärmepumpen durch Information, Standardisierung und Vernetzung unterstützt werden können. Während seines Studiums zu erneuerbaren Energien an der Universität Stuttgart und der HTW Berlin hat er einen ganzheitlichen Blick auf die Energiewende im Gebäudesektor erworben.