Vom Abriss zur Ressource
Wie Kreislaufwirtschaft Wertschöpfung stärkt
Wie kann der Gebäudebestand in Deutschland zur wirtschaftlichen Ressource werden? dena-Experte José Mercado und dena-Expertin Petra van der Wielen zeigen, wie Kreislaufwirtschaft und serielle Sanierung regionale Wertschöpfung stärken und Wachstum neu denken.
Die Bauwirtschaft steht unter Druck: Klimaziele, steigende Kosten, Rohstoffabhängigkeit und Fachkräftemangel erfordern neue Strategien. Gleichzeitig liegen im deutschen Gebäudebestand über 20 Gigatonnen Materialien – ein riesiges „urbanes Rohstofflager“. Mehr als 50 Prozent des gesamten Aufkommens an Abfall und rund die Hälfte des Rohstoffverbrauchs entfallen auf Bau, Nutzung und Rückbau von Gebäuden. Wie kann daraus echte Wertschöpfung entstehen? Die Antwort liegt im intelligenten Nutzen des Gebäudebestands sowie im Wieder- und Weiterverwenden von Materialien als neue Ressource.
Kreislauffähigkeit als Motor für wirtschaftliche Modernisierung
Sanieren statt Abriss und Neubau kann bis zu 70 Prozent Emissionen einsparen und Mengen an Material im Bestand erhalten. In unserem dena-Bericht “Kreislauffähigkeit des deutschen Gebäudesektor” zeigen wir wissenschaftlich fundiert auf, dass das Wieder- und Weiterverwenden von Baustoffen und Bauteilen zunehmend eine wirtschafts- und industriepolitische Bedeutung hat: Rückbauorientiertes Planen schafft neue Sekundärmärkte. Digitale Materialpässe sorgen für mehr Transparenz und Planbarkeit. Kreislaufwirtschaft ist ein zentraler Hebel für neue Geschäftsmodelle, Ressourcensicherung und mehr Unabhängigkeit von Primärrohstoffen und damit die Grundlage für eine zukunftsfähige Bauwirtschaft.
Serielles Sanieren: Skalierung trifft Kreislauffähigkeit
Serielles Sanieren nach dem Energiesprong-Prinzip ermöglicht durch standardisierte und industrielle Prozesse schnelles, skalierbares Sanieren des Gebäudebestands. Gleichzeitig entstehen neue regionale Produktions- und Lieferstrukturen für vorgefertigte Bauelemente. Serielles Sanieren entfaltet ihr volles Potenzial, wenn Kreislauffähigkeit von Anfang an mitgedacht wird. Das umfasst Planung, Materialwahl, Konstruktion sowie die Rückbau- und Wiederverwendbarkeit. So entsteht ein doppelter Hebel: Industrielles Skalieren und langfristiger Werterhalt von Materialien.
Wie serielles Sanieren und Kreislauffähigkeit zusammenwirken können, zeigt der Film „Zirkularität in Serie – Impulse für kreislaufgerechte Sanierungslösungen“. Zukunftsweisende Bauprojekte wie EFH Tentzerow oder Mall of BR sprechen für sich. Konkrete Handlungsempfehlungen bietet unser Leitfaden „Kreislauffähigkeit in der seriellen Sanierung“.
Regionale Wertschöpfung aktiv gestalten
Kreislaufwirtschaft entfaltet ihre Wirkung besonders auf regionaler Ebene. Hier entstehen entlang neuer Wertschöpfungsketten Märkte für Produktion, Rückbau und Aufbereiten von Materialien. Lokale Handwerksbetriebe und Produktionsstrukturen werden gestärkt. Gleichzeitig eröffnen nachwachsende Rohstoffe wie Hanf, Miscanthus oder Stroh neue Perspektiven für die Zusammenarbeit von Bauwirtschaft und Landwirtschaft. Kurze Transportwege reduzieren Emissionen und erhöhen die Versorgungssicherheit. Es entstehen Arbeitsplätze und Importabhängigkeiten sinken.
Fazit: Wandel als Chance
Kreislaufwirtschaft im Gebäudesektor ist kein Randthema, sondern die Grundlage einer zukunftsfähigen Bauwirtschaft. Sie muss zum neuen Standard werden. Nur so lassen sich Ressourcen sichern, Emissionen reduzieren und regionale Wertschöpfung stärken. Serielles Sanieren kann diesen Wandel beschleunigen, indem es kreislauffähige Prinzipien in die breite und schnelle Anwendung bringt.