Serielles Sanieren: Markt mit Milliardenpotenzial
Chancen für Wertschöpfung und Beschäftigung durch serielles Sanieren
Das serielle Sanieren entwickelt sich rasant vom Pilotansatz zum industriellen Markt. Nico Gorsler, dena-Experte auf diesem Gebiet, ordnet ein, wie aus der seriellen Sanierung ein Wirtschaftszweig mit Chancen für Wertschöpfung und Beschäftigung entsteht.
Dass der Markt für serielle Sanierung gerade jetzt so einen Aufwind erfährt, ist alles andere als ein Zufall. Sanierungsdruck und politische Förderinstrumente geben sich die Klinke in die Hand: Auf der einen Seite besteht ein hoher Bedarf an Sanierungen. Denn nach wie vor schlummert im Gebäudebestand ein enormes Potenzial, um die Wärmewende in Deutschland voranzutreiben. Rund 30 Prozent aller Gebäude im Bestand eignen sich für das serielle Sanieren. Auf der anderen Seite schafft die Politik günstige Rahmenbedingungen, etwa durch die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Damit zahlt das serielle Sanieren nicht nur auf den Klimaschutz ein, sondern wirkt auch als Wachstumsmotor für Bauwirtschaft und regionale Wertschöpfung in Deutschland.
Serielles Sanieren: Vom Pilotprojekt zum skalierbaren Markt
Die Dynamik am Markt ist deutlich sichtbar: 260 Bauvorhaben befinden sich derzeit im Bau oder wurden bereits fertig gestellt. Perspektivisch werden so 5.050 Wohneinheiten und 40 Nichtwohngebäude seriell saniert sein. Darüber hinaus sind weitere 300 Bauvorhaben in Planung, durch die weitere 16.800 Wohneinheiten und 70 Nichtwohngebäude seriell saniert werden sollen. Von einem Nischenmarkt kann damit längst nicht mehr die Rede sein. Es bildet sich ein eigener Wirtschaftszweig und der birgt ein großes Marktvolumen: bislang wurden durch die serielle Sanierung rund 2 Mrd. Euro ausgelöst; bis 2045 könnten es bis zu 500 Mrd. Euro sein.
Daneben steigt die Geschwindigkeit, mit der die Bauvorhaben umgesetzt werden. Industrielle Fertigung und Skalierungseffekte führen dazu, dass Fassaden immer schneller seriell saniert werden können. In einer Auswertung aus Oktober 2025 konnte das Kompetenzzentrum Serielles Sanieren/ Energiesprong DE zeigen, dass aus den anfänglichen 120 m2 Fassade pro Tag mittlerweile 200 bis 300 m2 Fassade pro Tag seriell saniert werden können. Vereinzelt wurden auch schon bis zu 500m² montierte Fassadenfläche pro Tag erreicht. Das unterstreicht nochmals das Entwicklungspotenzial des seriellen Sanierens.
Serielles Sanieren als Wachstumstreiber für Regionen
Mit der Skalierung entsteht neue Wertschöpfung. Deutschlandweit sind über 550 Akteure aus der Bauwirtschaft beteiligt, die Planung und Ausführung koordinieren. Gemeinsam entwickelten sie bereits viele innovative Lösungen für das Marktsegment. Daneben entstanden in jüngster Vergangenheit neue Produktionsstätten wie Fassadenmodul-Fabriken in Brandenburg (Frankfurt/Oder), Thüringen (Heilbad Heiligenstadt), Nordrhein-Westfalen (Billerbeck), Baden-Württemberg (Öpfingen) und Bayern (Lichtenau). Durch den wachsenden Markt für serielle Sanierung entwickelt sich auch der Arbeitsmarkt: neue Qualifikationen sind gefragt, neue Jobs entstehen, der Mittelstand und ganze Regionen können davon profitieren.
Vor allem entwickelt sich Nordrhein-Westfalen zu einem Hotspot der seriellen Sanierung. Das liegt zum einen an der hohen Wohnraumdichte und den geeigneten Gebäuden aus den 1950er, 60er und 70er Jahren. Zum anderen gibt es hier besonders gute Rahmenbedingungen: Man denke etwa an die Novellierungen der Landesbauordnung oder die Wohnraumförderung NRW. Ein Beispiel für diese positive Entwicklung zeigt die Stadt Münster und die in der Region ansässige Unternehmensgruppe Ueding: Münster hat sich überaus ambitionierte Klimaziele gesetzt. Ueding sanierte im Münsterland bereits mehrere Wohngebäude seriell und widmet sich nun auf kommunaler Ebene dem seriellen Sanieren von Schulgebäuden. Das serielle Sanieren entwickelt sich dort zu einem stark wachsenden Marktsegment mit regionaler Wertschöpfung.
Damit zeigt sich: Serielles Sanieren verbindet Klimaschutz und wirtschaftliches Wachstum. Der Markt entwickelt sich rasant und regt entlang der Wertschöpfungskette weiteres Wachstum an. Was als innovative Lösung für Einzelprojekte begann, hat nun Vorbildcharakter für eine Wirtschaft der Zukunft – in der Klimaschutz, Energieeffizienz und das Wiederverwenden von Ressourcen zentriert sind.
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Auf dem dena-Kongress 2026 geht es in der Session „Serielle Sanierung: Wachstum und Transformation beschleunigen“ (9.11.2026, 15:30–16:15 Uhr) um die Skalierung durch Marktstrukturen und Nachfrage.
Und: Beim Energiesprong-Festival 2026 dreht sich alles um innovative Lösungen und Best Practices für die serielle Sanierung.