Energiesicherheit im Nahen Osten
Resilienz stärken durch ersten Erdgasspeicher - mit deutschem Knowhow
Im Rahmen der bilateralen Energiepartnerschaft unterstützt Deutschland Israel beim Aufbau einer nationalen Erdgasspeicherinfrastruktur. Damit wird die Energiesicherheit der gesamten Levante gestärkt.
Autoren: Nikias Wagner und Hrvoje Brlecic Layer
In Kriegen ist die Energieversorgung regelmäßig Ziel von Angriffen. Aufgrund von Kaskadeneffekten im Energiegesamtsystem ist die Erdgasinfrastruktur dabei einem besonderen Risiko ausgesetzt. Das gilt auch für Israel: Mit rund 70 Prozent dominiert Erdgas den israelischen Strommix. Die beträchtlichen israelischen Offshore Vorkommen versorgen ebenfalls die Nachbarländer Ägypten und Jordanien. Die israelische Erdgasförderung zeigt sich dabei verwundbar. Bei Luftangriffen durch Drohnen und Raketen müssen die Offshore-Anlagen des Landes regelmäßig aus Sicherheitsgründen innerhalb kürzester Zeit abgeschaltet werden. Da Israel bislang über keine Erdgasspeicher verfügt, reichen die im Leitungsnetz verbleibenden Restmengen nur für wenige Stunden.
Um die Stromversorgung aufrechtzuerhalten, greift Israel auf umfangreiche Bevorratung von CO₂-intensiven Alternativbrennstoffen wie Schweröl und Diesel zurück. Der Nachteil: Große Mengen von Reservekraftstoffen müssen gelagert werden und ihr Einsatz ist teuer sowie abhängig von Ölimporten.
Mehr Versorgungssicherheit durch ersten Untergrundspeicher Israels
Vor dem Hintergrund der angespannten Sicherheitslage im Nahen Osten hat die israelische Regierung den Aufbau einer nationalen Gasspeicherinfrastruktur zur Priorität erklärt. Mit dem Bau eines ersten unterirdischen Erdgasspeichers will das Land im Krisenfall eine stabile Versorgung mit Erdgas sicherstellen. Davon würden auch Israels Nachbarländer profitieren: Israelische Exporte decken etwa 15 Prozent des Gasbedarfs Ägyptens, dem bevölkerungsreichsten Land Nordafrikas, und sogar 90 Prozent der Nachfrage in Jordanien – durch Lieferunterbrechungen bei Angriffen sind sie regelmäßig stark betroffen.
Deutschland, das neben der Partnerschaft mit Israel auch mit Jordanien und Ägypten bilaterale Energiepartnerschaften unterhält, unterstützt die Bestrebungen nach regionaler Versorgungssicherheit. Im Rahmen der Deutsch-Israelischen Energiepartnerschaft, die die dena im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) umsetzt, begleiten deutsche Experten die Planungen für Israels ersten Erdgasspeicher.
Herausforderungen auf vielen Ebenen
Der Aufbau von Erdgasspeicherinfrastruktur bringt Herausforderung auf verschiedeneren Ebenen mit sich: Neben den zahlreichen geologischen und ingenieurstechnischen Fragen müssen regulatorische und wirtschaftliche Grundsätze geklärt werden. Oder anders gesagt: Wer kommt für die zusätzliche Versorgungssicherheit finanziell auf und wer überwacht ihre Einhaltung? Eine zentrale Frage ist außerdem das Betreibermodell, d.h. wer wird den Erdgasspeicher zukünftig betreiben und,seine Sicherheit verantworten? Weiterhin muss der Zugang zur Kapazität des Gasspeichers geregelt werden.
Deutschland verfügt nicht nur über die größten Erdgasspeicherkapazitäten in der EU, sondern aufgrund zahlreicher Salzkavernenspeicher im Nordwestdeutschen Becken über international führendes Knowhow beim Bau und Betrieb von Erdgasspeichern. Gerade diese Erfahrungen sind für Israel besonders wertvoll. Die geologischen Optionen von Porenspeichern – sei es off- oder onshore – wurden in Israel bereits umfassend untersucht. Porenspeicher wurden aufgrund einer zu geringen Ausspeiseleistung der zur Verfügung stehenden ehemaligen Erdgaslagerstätten jedoch verworfen. Mit der rund fünf Millionen Jahre alten Sedom Formation am südlichen Toten Meer verfügt Israel über eine geologische Struktur, die grundsätzlich für die Errichtung von Salzkavernenspeichern geeignet erscheint. In rund 2.000 Meter Tiefe könnten Kohlenwasserstoffe dort sicher gelagert werden – im Übrigen nicht nur Erdgas, sondern auch Erdöl, Erdölprodukte oder perspektivisch Wasserstoff.
Deutschlands Expertise im Erdgasspeichermarkt
Bereits seit drei Jahren tauschen sich im Rahmen der Deutsch-Israelischen Energiepartnerschaft Experten beider Länder zum Aufbau von Erdgasspeicherinfrastruktur aus. Zur weiteren Vertiefung der Zusammenarbeit hat eine israelische Delegation des Ministeriums für Energie und Infrastruktur, der Gasbehörde, der Fuel Authority, des Gasfernnetzbetreibers sowie des israelischen technischen Normensetzer im Juni 2026 Norddeutschland besucht. Dort besichtigten die israelischen Experten verschiedene Erdgasspeicher und dazugehörige Infrastruktur und tauschten sich mit Fachleuten deutscher Unternehmen und Technologieanbieter, des BMWE, der Bundesnetzagentur, des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie Niedersachsen und weiteren Fachexperten aus.
Der bilaterale Austausch hat maßgeblich zur Konzeption eines israelischen Modells der nationalen Erdgasspeicherinfrastruktur und der technischen Anforderungen, die diese erfüllen muss, beigetragen. Mit der Veröffentlichung der ersten Ausschreibungen für ein Finanzierungs- und Betriebsführungskonzept einer geplanten Erdgasspeicheranlage mit einer Kapazität von zwei Milliarden Kubikmeter Erdgas (bcm) durch das israelische Energie- und Infrastrukturministerium geht das Projekt in die nächste Phase - bietet deutschen Unternehmen vielversprechende Möglichkeiten für Beteiligungen.
Zur weiterführenden Lektüre lesen Sie die Pressemitteilung des Ministeriums für Energie und Infrastruktur des Staates Israel.
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© HoffotografenNikias WagnerTeamleiter MENA
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Hrvoje Brlecic LayerSeniorexperte Resilienz