Zum Hauptinhalt springen
14.10.26 Digitalisierung Gesamtsystem Digitalisierung & Innovation vorantreiben

Energiedatenraum 2032: Eine digitale Infrastruktur als Erfolgsfaktor für die Energiewende

dena-Studie zeigt Leitbild und Transformationspfad für einen akteurs- und branchenübergreifenden Datenaustausch auf. Energiedatenraum als Voraussetzung für Versorgungssicherheit, Wettbewerb und Innovation.

Der Stromsektor befindet sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel, der Marktprozesse und die Anforderungen an digitale Infrastrukturen grundlegend verändert. Dezentrale Anlagen, flexible Verbraucher, digitale Dienste und neue Marktrollen müssen in Markt- und Netzprozesse eingebunden werden. Die heute von der dena - Deutsche Energie-Agentur veröffentlichte Studie „Zukunftsfähiger Datenaustausch über den Energiedatenraum – Konzept, Umsetzung und Bewertung am Anwendungsfall variabler Stromnetzentgelte“ zeigt ein Leitbild und Transformationspfad bis zum Regelbetrieb einer föderierten digitalen Infrastruktur für den effizienten, interoperablen und souveränen Datenaustausch. Die Studie wurde im Auftrag der dena durch c.con Management Consulting und das Fraunhofer IEE erstellt.

Corinna Enders, Vorsitzende der Geschäftsleitung der dena, sagt: „Datenaustausch im Energiesystem ist eine Voraussetzung für Versorgungssicherheit, Wettbewerb und Innovation. Mit dem Leitbild des Energiedatenraums 2032 zeigt unsere Studie erstmals einen konkreten Entwicklungspfad auf. Was es jetzt braucht, ist eine gemeinsame strategische Richtungsentscheidung von Politik und Branche und den Weg in Richtung operative Umsetzung. Wichtig ist dabei eine tragfähige Anreiz- und Finanzierungslogik für Übergang und langfristigen Betrieb“.

Verpassen Sie keine Information für die Presse!

Melden Sie sich für unseren Presseverteiler an.

Philipp Richard, Bereichsleiter Digitale Technologien & Start-up Ökosystem der dena, erläutert: „Die Überführung zentraler Datenaustausch- und Prozessmechanismen in eine datenraumgestützte, föderierte und skalierungsfähige Infrastruktur ist ein komplexes Transformationsvorhaben. Der Übergang erfolgt daher nicht in einem Schritt. Der Transformationspfad in der Studie skizziert kontrollierte Erprobung, Parallelbetrieb, selektive Migration und belastbare Freigaben, um die Stabilität des Markt- und Netzbetriebs nicht zu gefährden.“

Die bisherige Marktkommunikation im Stromsystem stößt bereits jetzt an strukturelle Grenzen: begrenzte Skalierbarkeit, hohe Integrations- und Testaufwände, inkonsistente Datenstände mit entsprechendem Clearing-Aufwand sowie hohe Einstiegshürden für neue Akteure.

Die Studie zeigt an dem konkreten Anwendungsfall variabler Netzentgelte, dass ein Energiedatenraum nicht nur die Anforderungen an den Datenaustausch erfüllt, sondern die heutige Marktkommunikation gezielt entlasten kann. Zentrales Ergebnis: ein datenraumbasierter Ansatz ermöglicht spürbare Verbesserungen. Diese werden insbesondere bei Durchsatz, Automatisierung, Interoperabilität und Skalierbarkeit sichtbar.

Der zukünftige Energiedatenraum 2032 verändert, wie Daten im Energiesystem bereitgestellt, genutzt und betrieblich eingebunden werden. Er organisiert Datenaustausch stärker über gemeinsame Regeln, Standards, Schnittstellen und Dienste. Daten werden so für berechtigte Marktakteure besser nutzbar, ohne Zuständigkeiten und Datenhoheit aufzugeben. Verantwortliche Akteure behalten die Kontrolle über und die Verantwortung für ihre Daten.

Die Studie konkretisiert in fünf Zieldimensionen das Leitbild für Aufbau, Betrieb und Weiterentwicklung des Energiedatenraums 2032:

  • Vertrauen, Sicherheit, digitale Souveränität und Compliance by Design: Datennutzung, Zugriffe und Regelanwendungen müssen so angelegt sein, dass sie sicher und prüfbar bleiben.
  • Interoperabilität und Zukunftssicherheit durch offene Standards: Damit Daten organisationsübergreifend genutzt werden können, müssen zentrale Datenmodelle, Schnittstellen und semantische Regeln einheitlich beschrieben sein.
  • Hochverfügbarkeit und klarer Betrieb in föderierter Verantwortung: Gemeinsame Basisdienste müssen auch bei hoher Kritikalität verlässlich funktionieren. Dazu braucht es klare Zuständigkeiten, geregelte Servicelevels, Monitoring und belastbare Eskalationswege.
  • Prozessintelligenz statt Datentransfer: Fachliche Prüfungen, Statusführung und Validierungen sollen stärker in die Prozessausführung integriert werden.
  • Innovation auf gemeinsamer Datenbasis: Kontrollierte Datennutzung ermöglicht neue Dienste, Analysen und datengetriebene Geschäftsmodelle.

Der Transformationspfad des Energiedatenraums in den Realbetrieb bis 2032

Die Studie zeigt den Weg auf, wie der Energiedatenraum in den operativen Betrieb geführt wird. Mit dem Transformationspfad empfiehlt sie einen fachlich begrenzten Einstieg in die Nutzung des Datenraums anhand ausgewählter Anwendungsfälle. Der Start muss für die Branche direkt einen erfahrbaren Mehrwert bieten. Dafür braucht es schnell Klarheit über Verantwortung, Finanzierung und den Pfad der Weiterentwicklung des Datenraumes bis zum Regelbetrieb.

Weitere Informationen

Mit dem Future Energy Lab hat die dena im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) einen Raum geschaffen, der Digital- und Energiewirtschaft in der konkreten Erprobung digitaler Energie- und Klimatechnologien vereint. Im Auftrag des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) entwickelte das Future Energy Lab „Re4DE“ - das Referenzsystem für Datenaustausch im Energiesektor - als anschlussfähige Infrastruktur für Energiedatenräume.