Cyberübungen sind essenziell für ein resilientes Energiesystem
Cyberübungen: So bereitet sich die Energiewirtschaft auf Angriffe vor.
Cyberübungen bereiten Unternehmen auf den Ernstfall vor – mit nachhaltigem Lerneffekt für technisches Personal und Management. Marius Dechand, Experte für Cybersicherheit, berichtet über Erfahrungen und Formate aus der Praxis.
Cyberangriffe gehören mittlerweile zum Alltag in der Energiewirtschaft. Der Großteil dieser Angriffe kann vereitelt werden, ohne dass der normale Betrieb beeinträchtigt wird. Ein paar wenige dieser Angriffe können die Sicherheitsmechanismen umgehen und große Schäden anrichten.
Um dies zu vermeiden, müssen Schlüsselpersonen des Unternehmens zusammenfinden und schnell und koordiniert agieren. Dafür gibt es in der Regel Notfallpläne, die in chaotischen Situationen Struktur bieten sollen.
Doch selbst wenn (und das ist ein großes “wenn”) Pläne gepflegt und aktuell sind, bleibt die Umsetzung der definierten Prozesse in einer solchen Situation eine große Herausforderung. Je besser diese verinnerlicht sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch bei erhöhtem Puls und schwitzigen Händen funktionieren.
Warum Cyberübungen den Unterschied machen
Bei einer Cyberübung reagieren Teams auf einen simulierten Angriff, nicht selten über mehrere Tage. Jede neue Herausforderung, die den Teilnehmenden dort begegnet, ist im Ernstfall ein bekanntes Muster. Kommunikationswege werden getestet, Zuständigkeiten geklärt, Schwachstellen sichtbar. Genau diese Schwachstellen sind wertvoll. Lieber in der Übung stolpern als im echten Störungsfall.
Aus diesem Grund bietet die dena Cyberübungen für die Energiewirtschaft an. Unsere Erfahrungen aus fünf Cyberübungen in unterschiedlichen Konstellationen zeigen, dass meistens die Kommunikation zwischen den Teams ein echtes Problem darstellt:
- Krisenstabssitzungen wurden nicht wahrgenommen.
- Relevante Informationen wurden nicht von irrelevanten getrennt, auch weil es keine Vorgaben gab, was der Krisenstab wirklich braucht.
- Für Updates wurden Systeme vom Netz genommen, ohne die Leitwarte zu informieren.
- Zu selten wird das Telefon in die Hand genommen.
Realitätsnahe Drills und Table-Top-Übungen
Cyberübungen sind vielseitig einsetzbar entlang der Prozessphasen. Sie können den Rahmen für Workshops bieten, um zum Beispiel Prozesse zu definieren oder zu optimieren. Diese Prozesse können in einem Training getestet und erlernt werden. In Drills gehen optimierte Prozesse schließlich in Fleisch und Blut über.
Die Formate richten sich meist nach der Zielgruppe. Technische Simulationen, eingebettet in Nachbildungen von Produktivsystemen, eignen sich für Personen, die diese Systeme auch verwenden – also das technische Personal. Analoge Table-Top-Übungen mit Figuren und Karten sind oftmals besser für das Management geeignet.
Darin liegt die Stärke von Übungen. Sie sind vielseitig einsetzbar und machen erlebbar, was gelernt werden soll. Situationen bleiben im Gedächtnis. Die Menschen sind aktiviert und aufnahmefähig. Es entstehen Geschichten, Kontakte und Emotionen. Dinge, an die man sich gerne und vor allem besser erinnert. Auch im Ernstfall.
Mehr über die Cyberübungsreihe „EnerCise“ der dena erfahren Sie hier: https://future-energy-lab.de/projects/cyberlab/.