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09.04.26 Förderung Wasserstoff

Wasserstoffhochlauf: Zwischen Erwartung und Realität

Was fünf Jahre Forschung und industrielle Praxis in den Reallaboren lehren (Trans4Real)

Fünf Jahre Begleitforschung, industrielle Praxis, klare Befunde – der kommende Abschlussbericht der Transferforschung der Reallabore zeigt, was noch gebraucht wird, damit der Wasserstoffhochlauf gelingt. Konstantin Brosch, Wasserstoff-Experte bei der dena, gibt ein Preview.

Gemeinsam mit dem Forschungskonsortium Trans4ReaL begleitet die dena die Reallabore der Energiewende im Bereich Wasserstoff als Partner für externe Vernetzung, Kommunikation und Wissenstransfer. Die Erkenntnisse aus der Arbeit der Reallabore zeigen Herausforderungen auf, die bei der Umsetzung im industriellen Maßstab entstehen. Was ist technisch machbar? Wo liegen Grenzen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und was sind mögliche Herausforderungen bei der Gesetzgebung? Ähnlich wie wir es in unserer Analyse zu Anreizmechanismen für Wasserstoffprojekte beschrieben haben, gilt auch hier: Die entscheidenden Fragen sind vor allem wirtschaftlicher und regulatorischer Art.

In vielen der untersuchten Projekte konnten positive finale Investitionsentscheidungen getroffen werden. Auch die ersten Elektrolyseure sind schon in Betrieb, wie im Falle von Trailblazer in Oberhausen, oder werden aktuell gebaut, wie beim Energiepark Bad Lauchstädt. Doch aus den Projekten haben wir auch gelernt, wo es noch hakt und welche Hürden dem Hochlauf entgegenstehen.

Drei Herausforderungen, ein gemeinsames Muster

Erzeugung bleibt teurer als erwartet

Strombezug, unterschätzte Investitionskosten, hohe Finanzierungsriskiken

Nachfrage ensteht nicht von allein

Fossile Alternativen bleiben günstiger, Instrumente wirken nur punktuell

Infrastruktur: Umsetzung offen

Kernnetz beschlossen, aber Timing und Dimensionierung bleiben unsicher.

Erzeugung: Der Strombezug bestimmt die Kostenrealität 

Die Herstellung von erneuerbarem Wasserstoff ist und bleibt kostenintensiv. Der Strombezug ist der dominante Kostentreiber, verstärkt durch komplexe Bezugskriterien. Dazu kommen Investitionskosten, die bei Elektrolyse-Projekten unterschätzt wurden. Weil das Risiko aus finanzieller Perspektive hoch bleibt, sind auch die Finanzierungskosten entsprechend hoch – regulatorische Unsicherheiten erhöhen sie noch weiter.

Off-take: Ohne verlässliche Nachfrage kein Hochlauf 

Die Zahlungsbereitschaft auf der Nachfrageseite ist begrenzt, solange fossile Alternativen günstiger bleiben. Instrumente wie die Treibhausgas-Quote können punktuell wirken, verlieren aber durch Preisvolatilität und Planungsunsicherheit an Wirkung. Für die Industrie existieren zwar ambitionierte Zielvorgaben zum Einsatz erneuerbarer Energien. Die politischen Instrumente, die daraus verlässliche, langfristige Abnahmeverpflichtungen machen, fehlen bisher weitgehend.

Infrastruktur: Das Kernnetz steht – theoretisch 

Mit dem Planen des Wasserstoff-Kernnetzes wurde eine wichtige Grundlage geschaffen. Gleichzeitig bleiben Unsicherheiten: Dimensionierung und Realisierungszeitplan hängen maßgeblich davon ab, wie sich H2-ready-Kraftwerkskapazitäten entwickeln. Bei der Speicherinfrastruktur liegen die Herausforderungen weniger auf der technischen als auf der wirtschaftlichen Seite. Denn die Abnahmemengen und Rahmenbedingungen sind noch zu unsicher.

Der Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft muss aktiv und vorausschauend gemanagt werden. Er erfordert kohärente, verlässliche Rahmenbedingungen, die Erzeugung, Nachfrage und Infrastruktur gemeinsam adressieren – und das gleichzeitig, nicht nacheinander.

Fünf Jahre Praxiswissen als Einladung an die Politik

Mit dem dritten und abschließenden Bericht der Transferforschung Trans4ReaL liegt bald eine übergreifende Synthese vor, gezogen aus fünf Jahren wissenschaftlichem Begleiten der Reallabore. Der Abschlussbericht schließt an die Berichte aus 2023 und 2024 an und verdichtet die Erkenntnisse zu einer konstruktiven Bilanz. Alle Berichte und mehr Informationen finden sich auf der Website des Transferprojekts.

Was Trans4ReaL gesammelt hat, ist mehr als ein Forschungsbericht. Es ist eine Einladung an Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, die richtigen Schlüsse zu ziehen – auf der Grundlage dessen, was in der Realität funktioniert hat und was nicht. Die Botschaft ist klar: Technologie allein reicht nicht. Was fehlt, sind die Rahmenbedingungen, die Investitionen erst möglich machen.

Wasserstoff: Transferprojekt Reallabore der Energiewende

Ziel: Unterstützen der Transferforschung zu den Reallaboren der Energiewende mit dem Schwerpunkt Wasserstoff durch vielfältige Vernetzungs- und Kommunikationsangebote

Themen: Erneuerbare Energien, Förderung, Geschäftsmodelle, Innovation, Wasserstoff, Energie erzeugen & verteilen

Laufzeit: seit 2021

2. Kongress der Wasserstoff-Reallabore – 12. Mai 2026

Die Ergebnisse des Abschlussberichts werden auch im Rahmen des 2. Kongresses der Wasserstoff-Reallabore am 12. Mai 2026 in der Berliner Kulturbrauerei vorgestellt und mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft diskutiert. Unter anderem wird es interaktive Workshops zu den Themen Abnahmesicherung, Finanzierung, und Zertifizierung geben. Eine ideale Gelegenheit, fünf Jahre Praxiswissen zusammen zu bringen.

  • Veranstaltung

    2. Kongress der Wasserstoff Reallabore

    Die dena lädt im Namen des BMWE zum 2. Kongress der Wasserstoff-Reallabore in Berlin ein. Im Fokus stehen die Vorreiterprojekte und zentrale Erkenntnisse aus der Projektpraxis der Reallabore,...

Den Erkenntnissen eine Stimme geben – unser Podcast

Logo mit grün-blauem H2-Symbol und Schriftzug Transferforschung Wasserstoff über Wasseroberfläche mit Wassertropfen und Text 'WISSEN SCHAFFT ENERGIE'

Viele der Fragen, die in den letzten Jahren aufkamen, haben wir im Begleitpodcast des Projekts schon in Gesprächen erkundet – mit Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis. Vom Mittelstand bis zu Häfen, von Regulierung bis zu konkreten Projekterfahrungen: Der Podcast „Wissen schafft Energie" macht die Erkenntnisse aus den Reallaboren hörbar.

Wissen schafft Energie

Der Innovationspodcast aus den Reallaboren der Energiewende – mit Gesprächen zu Wasserstoff im Mittelstand, Häfen als Infrastrukturknoten, Regulierung und mehr. Im Anschluss an den Kongress werden wir nochmal mit unseren Gästen ein Resumé aus 5 Jahren Reallaboren ziehen.

Alle Folgen auf Spotify anhören

Dieser Beitrag basiert auf den vorläufigen Erkenntnissen des Abschlussbericht der Transferforschung Trans4ReaL (Bericht 3/3). Die Berichtsserie begann mit Bericht 02/2023 und wurde mit Bericht 04/2024 fortgesetzt. 

Mehr zum Projekt: 

Portraitbild von Konstantin Brosch
Konstantin Brosch Seniorexperte Resilienz

Konstantin Brosch ist studierter Betriebswirt und hat einen Master in Public Policy. Bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) ist er seit 2021 und arbeitet aktuell als Senior Experte Wasserstoff & Resilienz. Dabei leitet er das Projekt “Reallabore der Energiewende” und verantwortet das Thema “Internationale Lieferketten und kritische Rohstoffe”. Zuvor war er unter anderem am ESADEgeo Center for Global Economy and Geopolitics tätig.