Cyberabwehr und Resilienz im Fokus
Expertinnen und Experten aus Deutschland, Ukraine und Moldau arbeiten in neuem Dialogformat an der Sicherung kritischer Energieinfrastruktur
Am 26. März 2026 fand in in Chișinău, der Hauptstadt Moldaus, eine trilaterale Konferenz zum Thema Cybersicherheit und Resilienz für die Energiesysteme in Moldau, Ukraine und Deutschland statt.
Cyberabwehr und Resilienz im Fokus der Konferenz
Die Konferenz – organisiert durch die dena und die Deutsch-Ukrainische Energiepartnerschaft – hat in einem neuen Format rund 70 Expertinnen und Experten aus den drei Ländern Moldau, Ukraine und Deutschland sowie von EU-Institutionen zusammengebracht. Im Fokus der Konferenz stand der Austausch über den Schutz kritischer Energieinfrastrukturen gegenüber hybriden und physischen Angriffen.
Es ist ein hochaktuelles Thema: Erst zwei Tage vor der Konferenz führte ein russischer Angriff auf die grenzüberschreitende Stromübertragungsleitung Isaccea-Vulcănești zu Unterbrechungen der Stromversorgung in Chișinău. Die Leitung verbindet die Energiesysteme Moldaus und Rumäniens und verläuft teilweise durch die Ukraine. In den zurückliegenden Kriegsmonaten kam es wiederholt zu russischen Angriffen auf Energieinfrastrukturen auf dem Gebiet der Ukraine – teilweise mit grenzüberschreitenden Auswirkungen.
Das Beispiel zeigt: Cybersicherheit, hybride Bedrohungen sowie physische Angriffe auf Energiesysteme sind in einer zunehmend vernetzten Energielandschaft zu zentralen Herausforderungen geworden. Die Republik Moldau und die Ukraine liegen inmitten einer der sensibelsten Energierouten Europas. Die Stabilität ihrer Energiesysteme schützt die Versorgungsrouten der gesamten Region.
Jede größere Störung im Energiesektor, sei es ein Cyberangriff, ein physischer Angriff oder ein Sabotageakt, kann weit über die nationalen Grenzen hinausgehende Kettenreaktionen auslösen.
Deutschlands Energiepartnerschaften stärken Dialog und Resilienz
Diese Konferenz wurde im Rahmen der Energiepartnerschaften im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) von der dena neu konzipiert und organisiert. Die Energiepartnerschaften, die Deutschland mit mehr als 30 Partnerländern weltweit unterhält, bieten eine starke Plattform für vertrauensvollen Dialog und Austausch von Fachwissen zwischen Regierungen, Industrie und Zivilgesellschaft – auch zu den Themen Energiesicherheit und Resilienz.
So unterstützt die Deutsch-Ukrainische Energiepartnerschaft die Ukraine dabei, ihr Energiesystem zu schützen, wiederaufzubauen und zu modernisieren. Die Republik Moldau wird seit 2025 darin begleitet, ihre Energieinfrastruktur besser auf Cyberangriffe vorzubereiten und an EU-Standards anzupassen. Für Deutschland bietet sich die besondere Gelegenheit, aus den praktischen Erfahrungen der Partnerländer zu lernen und ein starkes und vertrauensvolles Netzwerk aufzubauen, über das auch deutsche Unternehmen ihre Expertise und Know-how einbringen können.
Regionale Zusammenarbeit erhöht europäische Energiesicherheit
Die Konferenz bot zudem eine europäische Perspektive. Denn die Vernetzung unserer Energiesysteme geht längst über die EU hinaus und umfasst auch die Stromnetze der Beitrittskandidaten. Seit 2022 sind die Ukraine und Moldau mit dem europäischen Verbund der Übertragungsnetzbetreiber synchronisiert. Diese Entwicklung ist eng mit einer veränderten geopolitischen Lage verbunden, in der Energieinfrastruktur zunehmend Ziel hybrider Konflikte wird. In den Gesprächen wurden sowohl die Herausforderungen als auch die Chancen dieser Integration deutlich.
Ein zentrales Ergebnis der Konferenz: Ein konsequenter Ausbau formaler und sektorenübergreifender Austauschformate zwischen Ländern ist unerlässlich. Gerade im Krisenfall sind stabile Kommunikationskanäle entscheidend, um schnell, koordiniert und wirksam reagieren zu können.
Zudem sollte die Krisenvorsorge situationsgerecht gedacht werden. Hier spielt neben physischer Sicherheit auch die emotionale Resilienz der Beschäftigten eine wichtige Rolle. Die Beiträge der ukrainischen Teilnehmenden waren dabei von besonderem Wert für den Austausch mit Deutschland und Moldau. Die Erfahrungen aus vier Jahren Krieg sind schmerzhaft gewonnen und sollten bei der Umsetzung der EU-Richtlinien NIS-2 und CER sorgfältig analysiert und genutzt werden.
Die Konferenz sendet ein klares Signal: Der gemeinsame politische Wille zur Zusammenarbeit, getragen von Vertrauen und gegenseitiger Unterstützung, ist entscheidend.