Abschlusskongress der Wasserstoff Reallabore
Das war der Abschlusskongress der Wasserstoff Reallabore in Berlin
Am 12. Mai 2026 fand der Abschlusskongress der H2-Reallabore in der Kulturbrauerei in Berlin statt. In einem vielfältigen Programm, von Twin Interviews über Paneldiskussion bis hin zu interaktiven Fachworkshops wurde mit rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf die Erfahrungen und Erkenntnisse aus den Wasserstoff Reallaboren der Energiewende zurückgeschaut.
Der Kernauftrag ist erfüllt: Von der Theorie in die Praxis
Die Reallabore haben ihren Kernauftrag erfüllt: Wissenschaft und Industrie enger verzahnen, neue Technologien in die Anwendung bringen und praxisnahe Erkenntnisse für den Wasserstoffhochlauf gewinnen. Trotz einiger Rückschläge fällt die Gesamtbilanz positiv aus.
Die zentralen Erkenntnisse:
- Die technische Machbarkeit ist zum großen Teil nachgewiesen, von Salzkavernenspeicherung (H2Cast) bis Elektrolyse unter realen Marktbedingungen (Trailblazer)
- Regionale Ökosysteme und bestehende Infrastruktur sind entscheidende Erfolgsfaktoren, wie z.B. der Energiepark Bad Lauchstädt zeigt
- Der Übergang vom Demonstrations- in den Regelbetrieb dauert oft länger als geplant: Projekte berichten von Anlaufproblemen über mehrere Jahre nach Inbetriebnahme
- Politische Verzögerungen haben bereits mehrere „First Mover"-Projekte wirtschaftlich gefährdet. Verlässliche Rahmenbedingungen sind die Grundvoraussetzung.
- Das Format „Reallabor" hat sich bewährt: Neue Reallabore in den Bereichen Wärme und Strom sollen folgen
Marktlage: Ist das “Tal der Enttäuschungen” bereits durchschritten?
Die wissenschaftliche Begleitforschung verortete den Wasserstoffhochlauf klar: Das Tal der Enttäuschungen im Gartner Hype Cycle ist erreicht. Laut dena-Elektrolysemonitoring liegt die Gesamtkapazität der bis 2030 geplanten Projekte inzwischen noch bei etwa 5,6 GW. Viele Vorhaben sind verzögert oder liegen auf Eis. Es ist Realismus eingekehrt; und das kann durchaus positiv sein.
Was den Hochlauf bremst:
- Hohe Produktionskosten bei geringer Zahlungsbereitschaft der Abnehmer
- Hohe Netzentgelte und regulatorische Unsicherheiten (RFNBO-Kriterien, Netzentgeltbefreiung)
- Fehlende langfristige Abnahmeverträge als Voraussetzung für Projektfinanzierung
Was funktioniert:
- Starke Konsortien mit frühen Industrieabnehmern
- Pragmatisches Handeln statt Warten auf perfekte Rahmenbedingungen.
Podiumsdiskussion: Zwischen Aufbruch und langem politischem Atem
Die Podiumsdiskussion machte die Widersprüchlichkeit der aktuellen Lage greifbar: Die Zahl der Elektrolyseurprojekte im Bau ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Gleichzeitig stehen viele davon „on hold" oder haben sich erheblich verzögert. Wachstum und Stillstand existieren nebeneinander.
Einigkeit herrschte darin, dass der Hochlauf keine technische, sondern vor allem eine regulatorische und finanzielle Frage ist. Drei Stellschrauben wurden besonders hervorgehoben: die Ausgestaltung der RFNBO-Kriterien, die Netzentgeltbefreiung für Elektrolyseure und die konsequente Fortführung bestehender Gesetzgebung. Ohne Klarheit in diesen Punkten bleibt die Projektpipeline fragil.
Die Bundesregierung bekannte sich auf dem Podium klar zum Wasserstoffhochlauf und zum Infrastrukturausbau, betonte aber zugleich die Notwendigkeit, Versorgungssicherheit, Kosteneffizienz und Marktprinzipien in Einklang zu bringen. Eine Spannung, die den Hochlauf noch länger begleiten wird.
Workshop Zertifizierung
In einem Fishbowl-Format mit vier Input-Vorträgen und anschließender Diskussion, wurde das Thema H2-Zertifizierung und die relevanten Fragen rund um Governance, Zuständigkeiten, Prozessen und Hürden beleuchtet. Aktuell trifft die dynamische technische Realität auf eine starre Regulatorik, sodass es meist zu individuellen projektspezifischen Zertifizierungslösungen kommt.
Workshop Finanzierung
In einem Planspiel zur Finanzierung von Elektrolyseprojekten erlebten die Teilnehmenden, wie komplex die gleichzeitige Abstimmung zwischen Eigenkapitalgebern, Banken und Projektierern ist und wie nah alle Beteiligten an ihr Verhandlungslimit gehen müssen, um erfolgreich ein Konsortium zu bilden.
Workshop Abnahmesicherung
Auch in diesem Workshop konnten die Teilnehmenden in einem Planspiel die Bildung eines Konsortiums für Wasserstoffprojekte erleben. Der Fokus hierbei lag auf der Abnahmesicherung, also der Frage, ob und zu welchen Konditionen ein Elektrolyseprojekt Käufer für den erzeugten Wasserstoff findet.
Präsentationen der Vortragenden aus dem Hauptprogramm und den Fachworkshops
- Reallaborkonfernenz2026_FfE.pdf 1.74 MB pdf
- Presentatie_David_Smeulders.pdf 3.10 MB pdf
- 260504_Seibert_RL-Kongress_Zertifizierung__1_.pdf 512.65 KB pdf
- TNG-HydroHub_MBecker_12.05.26.pdf 942.65 KB pdf
- 260512_Input_Lueckerath_Trailblazer.pdf 375.83 KB pdf
- 260512_P3Energy_HydroPass_DE_V2.pdf 1.24 MB pdf