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07.04.26

Contracting im Quartier: Großes Potenzial, nur wie gelingt's?

Wie kann die öffentliche Hand mittels Contracting Wärmeversorgungslösungen in Quartieren umsetzen? Wie können öffentliche Gebäude in Quartiersprojekten als ‚Keimzelle‘ wirken? Die Deutsche Energie-Agentur (dena) lud im März Expertinnen und Experten nach Berlin zum Fachaustausch ein, um einen gemeinsamen Prozess zu entwickeln. Fazit: Wenn der Projekteinstieg geschafft ist, kann es ganz schnell gehen.

In den Wärmeplänen vieler Städte sind große Gebiete als „Prüfgebiete“ ausgewiesen, in denen noch unklar ist, wie die Wärmeversorgung am besten gelingt. Eigentümer und Eigentümerinnen sind häufig ratlos, was sie tun sollen. Dort, aber auch in verdichteten Innenstadtbereichen, können Quartierslösungen der Schlüssel sein. 

dena-Expertinnen und Experten des Kompetenzzentrums Contracting, vom Team Quartier & Stadt und des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende diskutierten mit Contractoren, Experten von Planungs- und Beratungsbüros, Fachleuten von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz, der Landesenergieagentur Hessen sowie Juristinnen und Juristen. Vertretende der Senatsverwaltung Berlin und der Stadtverwaltung Köln schilderten die Handlungs- und Umsetzungsmöglichkeiten für ihre Städte.

Die Teilnehmenden waren sich einig: Sowohl die Angebots- als auch Nachfrageseite betrachtet Quartiersprojekte mit öffentlichen Gebäuden und Flächen als ‚Keimzelle' als zentral und unerlässlich für die Umsetzung der Wärmewende. An Standorten, wo akzeptable Wärmepreise realisierbar sind, sei dann die technische Umsetzung kein Problem. Vielmehr benötigt die Startphase mehr Struktur: Wie gelingt die Initiierung, Planung und Vergabe eines Projekts? Wie können viele Beteiligte zeitgleich eingebunden und von Zielen und Vorteilen überzeugt werden? Welche Regularien rund um Genehmigungen, Freigaben und im Vergabeprozess sollten flexibler sein? 

Kommunen in Schlüsselrolle 

Die lokale Wärmewende im Quartier funktioniert mit all ihren Akteuren nur als Gemeinschaftsaufgabe. Viele Teilnehmende sehen deshalb die Kommunen – beispielsweise Hand in Hand mit Bürgerenergiegenossenschaften und Dienstleistern – in der Verantwortung, als Plattform und zentrale Ansprechpartner zu agieren. Sie können gezielt die Voraussetzungen für Wärme- und Contracting-Projekte verbessern, Daten zur Verfügung stellen, Akteure begleiten und beraten oder selbst, ausgehend von öffentlichen Flächen, sogenannte Keimzellen initiieren. Neue Rollen sind dafür nötig, die, vergleichbar mit Klimaschutzmanagerinnen und -managern, diese Aufgaben in der Verwaltung übernehmen. Dazu braucht es Unterstützung, denn gerade in kleinen Kommunen fehlt es oft an Personal und Fachwissen. 

Besser erklären und Leistungspakete schnüren 

Eine Säule stellt die Kommunikation und Information dar. Helfen könnten leicht verständliche, praxisnahe Leitfäden zur Initiierung von Projekten, Ausschreibungsmuster und -tools sowie Antworten zu rechtlichen Fragestellungen, welche schon im Vorfeld Klarheit schaffen. Informationen müssen klar aufzeigen, wie Contracting zur Zielerreichung dienen kann, etwa in Form von anwendungsspezifischen Leistungspaketen.

Anreize setzen, Barrieren abbauen

Damit es gelingt, sollten Engagierte neben Informationen weitere Unterstützung erhalten: finanziell, organisatorisch, aber auch regulatorisch. Viel Austausch zwischen den Akteuren ist notwendig. Und: Die Politik ist gefordert. „Kommunen, Länder und Bund können Anreize setzen für ein Miteinander”, sagt Dr. Jonathan Flesch, Teamleiter des Kompetenzzentrums Contracting. Regularien gilt es aufzuweiten, Barrieren abzubauen, um besser voranzukommen. Dann kann es in Quartieren schnell vorangehen mit der Wärmewende vor Ort. 

Gruppenfoto von den Teilnehmenden in Berlin am EUREF-Campus vor dem Gasometer Schöneberg
Fachaustausch auf dem Berliner EUREF-Campus mit: (vorne, v.l.n.r.) Thomas Heydenbluth (EGS-plan), Dr. Martin Handschuh (eco2nomy), Dr. Jonathan Flesch (dena), Udo Schlopnies (Senatsverwaltung Berlin), Yannik Beermann (dena), Mika Hasselbring (dena), Dr. Julius Asmus Nebel (RA Brahms Nebel), Frederike Steddin (DENEFF EDL_Hub), Stefan Scherz (empact), Robert Schmidt (GETEC), Axel Popp (ENGIE), Michael Pietzner (E1), Steffen Haller (ENGIE), (hintere Reihe, v.l.n.r.) Patrick Eichelmann (LEA Hessen), Ursel Weißleder (dena), Jan-Malte Thiele (dena), Petra Zeltinger (Stadt Köln), Juliane Willert (RA Günther), Susanne Schmelcher (dena), Florian Hewelt (Senatsverwaltung Berlin), Stefan Losch (dena), Peter Okrei (enercity Contracting), Barbara von Gayling-Westphal (RA Becker Büttner Held)