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Branchenkommentar: Neue Handelsrouten verändern den europäischen Biomethanhandel

Mit freundlicher Unterstützung von argusmedia

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Neue Handelsrouten verändern den europäischen Biomethanhandel

Der internationale Biomethanhandel entwickelt sich 2026 weiter zu einem europäischen Markt. Immer mehr Länder sind an den Gashub der Association of Issuing Bodies (AIB) angeschlossen und können Biomethan-Nachweise grenzüberschreitend handeln. Das erhöht die Liquidität und lässt die Preise einiger Produkte näher zusammenrücken. Gleichzeitig verhindern nationale Förderregelungen, Beimischungspflichten und unterschiedliche Zertifizierungssysteme weiterhin eine vollständige Marktangleichung.

Inzwischen sind 16 Länder über die AIB miteinander verbunden, wodurch Herkunftsnachweise (HKNR) für Biomethan grenzüberschreitend übertragen werden können. Seit Jahresbeginn sind Frankreich, Litauen, die Slowakei, Ungarn und Schweden dem Netzwerk beigetreten. Mehrere andere Länder arbeiten auf einen Beitritt hin. Mit jedem neuen Anschluss wächst der Kreis potenzieller Käufer und Verkäufer. Produzenten erhalten Zugang zu größeren Absatzmärkten, während Käufer aus einem breiteren Angebot an Biomethanprodukten wählen können.

Das wachsende Netzwerk verändert bereits die Handelsströme in Europa.Seit dem AIB-Beitritt Frankreichs beziehen sowohl Finnland als auch Portugal zunehmend Mengen von dort. Zuvor wurde Finnland überwiegend aus den Niederlanden und Lettland versorgt, während Portugals Biomethan-Angebot größtenteils aus Spanien stammte.

Zusätzlich entstehen neue Handelsrouten. Italien erhielt 2026 erstmals importiertes Biomethan über das AIB-System. Gleichzeitig hat Spanien seine Importe deutlich ausgeweitet, da zusätzliche Lieferquellen verfügbar wurden. Die spanischen Biomethanimporte stiegen von rund 25 GWh pro Monat zu Beginn des Jahres auf etwa 150 GWh im Juni und 186 GWh im Juli.

Preise beginnen sich anzugleichen

Die Integration größerer und liquiderer Märkte beeinflusst zunehmend die Preisbildung. Mit dem Anschluss der Niederlande im Jahr 2025 und dem Beitritt Frankreichs in 2026 sind zwei der aktivsten Biomethanmärkte Europas nun direkt über das AIB-System miteinander verbunden.

Der gemeinsame Registerrahmen erleichtert Marktteilnehmern den grenzüberschreitenden Bezug und Handel von RGGOs. Dies erhöht die Markttransparenz und verbessert die Vergleichbarkeit von Preisen zwischen einzelnen Ländern. Um dieser zunehmenden Harmonisierung Rechnung zu tragen, hat Argus am 10. September Preisnotierungen für Biomethan aus AIB-Ländern eingeführt. Diese ergänzen das bestehende europäische Preisportfolio und schaffen Transparenz in bislang wenig transparenten Märkten.

Die steigende Liquidität bei AIB-Mengen trägt zudem dazu bei, Referenzpreise für international gehandeltes Biomethan zu etablieren. Der grenzüberschreitende Handel mit AIB-basierten Nachhaltigkeitszertifikaten für abfall- und güllebasiertes Biomethan nahm 2026 deutlich zu. Nach Argus-Preisnotierungen wurden im August nicht subventionierte Herkunftsnachweise für abfallbasiertes Biomethan bei rund 45 €/MWh gehandelt, während güllebasierte Mengen mit etwa 130 €/MWh bewertet wurden. Marktteilnehmer orientieren sich bei diesen Produkten zunehmend nicht mehr nur an den nationalen Märkten, sondern nutzen internationale Transaktionen als Preisreferenz.

Die stärkere Vernetzung hat in einigen Marktsegmenten bereits zu einer deutlicheren Preisangleichung geführt. Im Januar wurde subventioniertes abfallbasiertes Biomethan aus Frankreich mit einem Abschlag von rund 6 €/MWh gegenüber vergleichbaren niederländischen Mengen gehandelt. Seit dem AIB-Beitritt Frankreichs haben sich die Preise für dieses Produkt weitgehend angeglichen. Dies spiegelt die zunehmenden Handelsaktivitäten zwischen beiden Märkten wider.

Nationale Ziele und Zertifizierung verhindern eine vollständige Marktangleichung

Die stärkere Marktintegration hat jedoch nicht zu einheitlichen Biomethanpreisen geführt. Nationale Umweltziele, die Umsetzung der RED III, Fördersysteme und Beimischungsvorgaben beeinflussen weiterhin die Nachfrage nach bestimmten Biomethanprodukten. Dadurch können erhebliche Preisaufschläge und Abschläge zwischen Produkten entstehen, die auf den ersten Blick vergleichbar erscheinen.

Die Niederlande liefern hierfür eines der deutlichsten Beispiele. Zum 1. Januar 2026 ersetzte das Land sein bisheriges HBE-System (Hernieuwbare Brandstofeenheden), das erneuerbare Kraftstoffe weitgehend nach ihrem Energiegehalt bewertete, durch das ERE-System (Emissiereductie-eenheden), das den Schwerpunkt auf Treibhausgasminderungen legt. Kraftstoffe mit niedrigeren CO₂-Intensitätswerten (CI-Werten) generieren mehr Zertifikate und erzielen einen höheren Compliance-Wert.

Von dieser Umstellung profitiert insbesondere güllebasiertes Biomethan. Gleichzeitig berücksichtigen Marktteilnehmer zunehmend die niederländische Beimischungspflicht für grünes Gas, deren Einführung für 2027 erwartet wird. Da beide Instrumente Biomethan mit hohen Treibhausgaseinsparungen begünstigen, ist die Nachfrage nach Produkten mit niedrigem CI-Wert deutlich gestiegen. Nicht subventioniertes niederländisches güllebasiertes Biomethan wird daher laut Argus-Preisnotierungen derzeit mit einem Aufschlag von rund 20 €/MWh gegenüber vergleichbaren international gehandelten AIB-Produkten gehandelt.

Deutschland verdeutlicht einen weiteren Faktor, der einer vollständigen Marktangleichung entgegensteht: Unterschiede bei den Zertifizierungsmethoden. Zwar sind die Preise für güllebasiertes Biomethan in Deutschland in diesem Jahr parallel zu den gestiegenen Erdgaspreisen gestiegen. Sie liegen jedoch weiterhin unter dem Niveau vergleichbarer niederländischer und international gehandelter AIB-Produkte. Marktteilnehmer führen einen Teil dieses Abschlags zunehmend auf unterschiedliche Ansätze bei der Berechnung von Treibhausgaseinsparungen zurück.

Die europäischen Zertifizierungssysteme unterscheiden sich bei der Erfassung und Berechnung von Treibhausgasemissionen. Das deutsche Nabisy-System ermöglicht die Aufteilung von Nachhaltigkeitsnachweisen (Proof of Sustainability, PoS), wobei die Information über den jeweiligen Rohstoff erhalten bleibt. Dadurch kann güllebasiertes Biomethan getrennt von Biomethan aus anderen Rohstoffen vermarktet werden. Andere europäische Systeme basieren dagegen häufig stärker auf aggregierten Massenbilanzansätzen.

Einige Marktteilnehmer prüfen deshalb Biomethan mit sehr niedrigen CI-Werten besonders genau, insbesondere wenn die Mengen für Compliance-Systeme wie FuelEU Maritime oder nationale Dekarbonisierungsvorgaben eingesetzt werden sollen.

Europäische Referenzpreise gewinnen an Bedeutung

Der europäische Biomethanmarkt wird damit zunehmend vernetzter, aber nicht zwangsläufig einheitlicher. Der grenzüberschreitende Handel wächst weiter, und für einige Produkte etablieren sich gemeinsame Preissignale. Gleichzeitig bleiben nationale Fördersysteme, Compliance-Märkte und Zertifizierungsmethoden wichtige Werttreiber, die erhebliche Preisaufschläge und Abschläge innerhalb Europas verursachen.

Für Marktteilnehmer wird daher ein grenzüberschreitender Blick auf die Biomethanmärkte immer wichtiger. Regulatorische Änderungen in den Niederlanden können die Preisentwicklung in Deutschland beeinflussen, während Entwicklungen in Frankreich Handelsmöglichkeiten im gesamten europäischen Markt verändern können. Neue Handelsrouten tragen zur Entstehung europäischer Preisreferenzen bei und unterstreichen zugleich die anhaltende Bedeutung nationaler regulatorischer Unterschiede.

Argus beobachtet die europäischen Biomethanmärkte und veröffentlicht Preisnotierungen, Marktdaten, Nachrichten und Analysen zu den wichtigsten Biomethanmärkten Europas. In einem Markt, der zugleich internationaler und komplexer wird, gewinnen transparente Preissignale und ein klares Verständnis nationaler Regulierungsrahmen zunehmend an Bedeutung. Weitere Informationen oder die Möglichkeit, Argus-Berichte und Marktdaten zu testen, erhalten Interessenten unter rgap@argusmedia.com.