Städte als Hebel für Energiewende und Klimaschutz

Nachhaltige Stadtentwicklung ist essenziell für den Klimaschutz. Über eine internationale Dialogplattform tauschen sich Länder aus Osteuropa und Zentralasien zur Modernisierung urbaner Energieinfrastruktur aus.

Das Energiekonzept des Stadtquartiers Möckernkiez verknüpft die Infrastrukturen für Strom, Wärme und Mobilität. Bild: dena

Mehr als die Hälfte aller Menschen weltweit lebt in Städten. Bis zum Jahr 2050 werden es rund zwei Drittel sein. Städte sind Ballungsräume in mehrfacher Hinsicht: hoher Energieverbrauch, hohe Emissionen, große Dichte an Infrastrukturen und eine Vielzahl von Akteuren. In dieser Verdichtung liegen Herausforderung und Chance zugleich.

Städte können wirkungsvolle Hebel für Energiewende und Klimaschutz sein. Die große Dichte an Infrastrukturen (Wärme, Verkehr, Strom) macht integrierte, übergreifende Lösungen möglich. Die Vielzahl an Akteuren vor Ort vereinfacht Wissenstransfer, Entscheidungsfindung und Zusammenarbeit.

Städtische Energieinfrastruktur in Osteuropa und Zentralasien

Die Länderübergreifende Dialogplattform Urbane Energieinfrastruktur

Mit der Länderübergreifenden Dialogplattform Urbane Energieinfrastruktur in Osteuropa und Zentralasien fördert die dena die Zusammenarbeit zwischen politischen und wirtschaftlichen Akteuren in Kasachstan, Usbekistan, Belarus, Russland und der Ukraine. Deutsche Unternehmen werden von der dena bei der Markterschließung in diesen Ländern unterstützt.

Wie Deutschland haben sich auch die Länder Osteuropas und Zentralasiens verpflichtende Klimaschutzziele gesetzt. Die Modernisierung ihrer urbanen Energieinfrastruktur stellt die Länder Belarus, Kasachstan, Russland, Ukraine, Usbekistan vor sehr ähnliche Herausforderungen.

Mit der länderübergreifenden Dialogplattform hat die dena daher ein Netzwerk aus Expertinnen und Experten aus den teilnehmenden Ländern geschaffen. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft arbeiten hier gemeinsam an der Zukunft städtischer Energieinfrastruktur. Wichtig sind insbesondere die Bereiche Energieeffizienz, nachhaltige Energiepolitik, energieneutrale Stadtplanung und erneuerbare Energien.

Studienreise nach Deutschland

Die internationalen Gäste erhalten Einblick in das Energiekonzept der Parlamentsgebäude und besichtigten die Reichstagskuppel. Bild: dena

Im März 2020 kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Dialogplattform für eine dreitägige Studienreise nach Berlin und Hamburg. Erstmals war auch Aserbaidschan vertreten. Vor Ort besuchten die Gäste elf deutsche Modernisierungsprojekte städtischer Energieinfrastruktur. Das Spektrum der besichtigten Projekte war breit: von Energieversorgung von Quartieren durch Erneuerbare über Nutzung industrieller Abwärme für Wohngebiete (Aurubis Kupferhütte in Hamburg) bis hin zur Energiegewinnung aus kommunalen Abfällen (Müllverbrennungsanlage Borsigstraße in Hamburg). 

Der Teilnehmer Jahid Mikayilov vom Ministerium für Energie der Republik Aserbaidschan bestätigt: „Das Programm zeichnete sich durch eine große Vielfalt der Besichtigungsstationen und ein hohes fachliches Niveau aus.“

Eines der besichtigten Projekte war das neue Berliner Stadtquartier Möckernkiez, ein etwa 30.000 Quadratmeter großes Areal im Stadtteil Kreuzberg. Hier realisiert die Wohnungsbaugesellschaft Möckernkiez e.G. gemeinsam mit der Naturstrom AG eine nachhaltige, sichere und kostengünstige Energieversorgung. Das integrierte Konzept verknüpft dabei die Infrastrukturen für Strom, Wärme und Mobilität. Die ausländischen Gäste besichtigten unter anderem das Herzstück der Heizzentrale, ein mit Biogas betriebenes Blockheizkraftwerk. Ihre Fragen konnten sie direkt an den verantwortlichen Projektingenieur richten.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer profitieren vom direkten Austausch. Hier im Technologiepark Adlershof in Berlin. Bild: dena

„Die Gespräche waren nicht nur rein fachlich interessant, sondern auch inspirierend. Das Bewusstsein für die Bedeutung von Energieeffizienz wurde im direkten Austausch mit den Menschen, die sie in der Praxis umsetzen, gestärkt“, so der Teilnehmer Vitaly Badmaev, Energieeffizienz-Berater aus Russland.

Neben der angewandten Technologie stieß die Finanzierung der Projekte auf besonderes Interesse. In den Teilnehmerländern müssen Modelle zur Finanzierung und die diversen Beziehungen, beispielsweise zwischen Wohnungseigentümern und Energieversorgern, noch entwickelt werden.

Eine Chance für deutsche Unternehmen

Die länderübergreifende Dialogplattform urbane Energieinfrastruktur wächst stark. Mittlerweile beteiligen sich an diesem Netzwerk etwa 300 aktive Akteure. Das Interesse der beteiligten Länder an der Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen und deren Innovationstechnologien ist sehr groß. Unternehmen beziehungsweise Expertinnen und Experten erhalten durch das Netzwerk regelmäßig die Möglichkeit, ihr Know-how und ihre Lösungen für mehr Effizienz in der urbanen Energieinfrastruktur zu präsentieren.

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