Pressemitteilung, Berlin

Statement von Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, zur Wasserstoffdebatte in Deutschland

„Die aktuelle McKinsey-Studie zeigt wie weltweite Marktentwicklung und so ausgelöste Investitionsdynamiken zeitnah zu einem regen Wettbewerb für grünen Wasserstoff führen können. Dies belegt zugleich: Der Bedarf an grünem Wasserstoff in Deutschland lässt sich nur im Rahmen eines globalen Marktes decken und dieser Markt kann perspektivisch wettbewerbsfähige Kosten erzielen. Außerdem deutet die Studie darauf hin, dass regionale und dezentrale Potenziale nicht zu vernachlässigen sind. Im Gegenteil: Ein Industrieland wie Deutschland, mit einer auf fluktuierenden Energien basierenden Energieversorgung, hat hier enorme Möglichkeiten und Bedarfe, und es gibt bereits eine Reihe spannender Projekte. Die dena will diese Projekte in einer Stakeholder-Plattform zusammenbringen und diese integrierten und dezentralen Einsatzmöglichkeiten stärker auf ihre Potenziale beleuchten, um die dezentrale Nutzung von Wasserstoff in Deutschland stärker in den Fokus zu bringen.

Analysen im Rahmen der kommenden dena Leitstudie zeigen auch, dass Wasserstoff-Importe aus der EU deutlich niedriger ausfallen könnten als erhofft. Ein Grund dafür: Viele EU-Länder haben erkannt, dass Energiewende und Klimaschutz ohne Wasserstoff nicht zu schaffen sind. Es werden sich vielfältige Absatzmärkte und ein industriepolitischer Wettbewerb bilden. Das bietet Chancen für deutsche Unternehmen, die in der gesamten Wertschöpfungskette aktiv sind, hat aber auch Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff in den kommenden fünf bis zehn Jahren.

Und dies ist die größte Herausforderung: Wie stellen wir bis zum Jahr 2030 ausreichende Mengen an grünem Wasserstoff bereit und welche Anforderungen stellt das beispielsweise an die Infrastrukturplanung und das Voranbringen ergänzender Technologien. Voraussichtlich wird in den 2030er Jahren ausreichender und günstiger grüner, blauer und vielleicht sogar türkiser Wasserstoff zur Verfügung stehen. Deshalb bedarf es einer Planung, die wenigstens die kommenden zwei Jahrzehnte berücksichtigt. Alles das diskutieren wir ebenfalls im Rahmen der dena Leitstudie Aufbruch Klimaneutralität. Ein Kernpunkt ist die Gasnetzinfrastruktur Deutschlands, insbesondere im Gasverteilnetz. Es zeichnet sich eine schwierige Übergangsphase in dieser Dekade ab, aus dem großer Nutzen für die Zeit danach entstehen kann. Viele dezentral verteilte Industrieunternehmen werden auf eine Infrastruktur, die den günstigen Transport von Wasserstoff sicherstellt, angewiesen sein. Auch der angestrebte klimaneutrale Gebäudebestand wird ohne Moleküle nicht erreichbar sein. Dies sind komplizierte planerische Herausforderungen für die Infrastruktur. Damit verbunden sind regulatorische Fragen, die neue Ansätze und eine langfristige Antwort brauchen, weit in die 2030er Jahre hinein. Die gegenwärtige Diskussion bildet das nicht ausreichend ab. Das führt zu Risiken und zu Investitions-Attentismus. Wir befinden uns in einer schwierigen Debatte, der wir nur mit einer deutlich größeren Offenheit für die realen Fragen und Herausforderungen begegnen können.“

Pressekontakt