dena-Netzstudien

Das Energiesystem wird zunehmend komplexer: Ein wachsender Anteil erneuerbarer Energien muss integriert werden, die Zahl an Schnittstellen zwischen den Sektoren steigt. Die dena-Netzstudien zeigen Lösungen, wie das Energiesystem der Zukunft diesen Anforderungen gerecht werden kann. Aktuell läuft die dritte dena-Netzstudie.

Das Projekt:

Die erste dena-Netzstudie aus dem Jahr 2005 entwickelte Szenarien, wie erneuerbare Energien zwischen 2015 und 2020 einen Anteil von 20 Prozent zur deutschen Stromerzeugung beitragen können. Im Fokus standen vor allem der Ausbau der Windenergie, die Modernisierung des Kraftwerksparks, notwendige Reformen beim Stromhandel und der erforderliche Ausbau der Stromnetze. An der Studie waren sowohl Stromnetzbetreiber als auch die Windenergiebranche beteiligt.

2010 folgte die dena-Netzstudie II, die Maßnahmen für die Integration von 39 Prozent erneuerbaren Energien für den Zeitraum 2020 bis 2025 entwickelte. Viel diskutiert wurde unter anderem die Prognose, dass der Ausbau rund 3.600 Kilometer neue Höchstspannungstrassen erforderlich mache. Darüber hinaus untersuchte die Studie auch Varianten, wie sich vorhandene Netze durch Innovationen besser auslasten ließen: zum Beispiel durch das so genannte Freileitungsmonitoring, also die Anpassung des Betriebs von Freilandleitungen an die Witterungsbedingungen, oder Hochtemperaturleiterseile. Auch die Bedeutung von Speichern betonte die Netzstudie II bereits.

In der Ende 2018 gestarteten Netzstudie III untersucht die dena, wie sich die Netzausbauplanung für die nächste Stufe der Energiewende anpassen lässt: Die bisher separaten Netzplanungen für die Sektoren Strom und Gas sollen zu einem integrierten Ansatz weiterentwickelt werden. Die Entwicklung geeigneter Partizipationsprozesse für Gesellschaft und Politik spielen dabei ebenfalls eine große Rolle, um die Akzeptanz für den Energieinfrastrukturausbau zu erhöhen.

Die Rolle der dena:

Bereits in den Netzstudien 2005 und 2010 legte die dena den Fokus nicht nur auf den notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien, sondern auf die Auswirkungen für das Energiesystem als Ganzes. Die Studien entstanden in enger Abstimmung mit Partnern aus Energiewirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Auch mit der Netzstudie III verfolgt die dena diesen Ansatz: Zusammen mit über 60 Stakeholdern aus Energiewirtschaft und -politik wird erörtert, wie eine künftige, integrierte Planung der Energieinfrastruktur aussehen könnte.

Die Wirkung:

Die Netzstudien I und II schufen die Grundlage für die wichtige Diskussion über den Ausbau der Stromnetze im Rahmen der Energiewende. Sie stießen damit eine Debatte an, die die folgenden Jahre prägte. Der erforderliche umfassende Wandel der Strommärkte kann dank der Studien in einem strukturierten Rahmen erörtert werden. Die Bundesregierung nahm die in der Netzstudie I aufgeführten neuen Trassen später als vordringliche Netzausbauprojekte in das Energieleitungsausbaugesetz auf. Die zweite Netzstudie schuf die Basis für die bis heute verfolgte Doppelstrategie aus Netzausbau und optimierter Netzauslastung. Zur Debatte gehörten selbstverständlich auch kritische Stimmen, die zum Beispiel den Umfang und die Strategien des Netzausbaus infrage stellten. Die grundsätzliche Notwendigkeit, dass die Energiewende einen Ausbau der Netze erfordert, stand allerdings spätestens mit der Netzstudie II auf der öffentlichen Agenda. Mit der dena-Netzstudie III soll die Idee einer vorgelagerten Systemplanung zur integrierten Entwicklung von Strom- und Gasnetzen etabliert werden.

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