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Fliesen-Produzent senkt Kosten durch energieeffiziente Drucklufttechnik

Praxisbeispiel zur EEW im Modul 1

Sehen Sie im Video, wie die Prüfung vor Ort im Unternehmen ablief.

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Sehen Sie im Video, wie die Prüfung der geförderten Maßnahme bei Porcelaingres ablief.

Hochwertige Keramikoberflächen aus Vetschau: italienischer Stil trifft deutsche Produktion

Porcelaingres produziert seit mehr als 20 Jahren hochwertige Keramikoberflächen für Architektur und Design. Das Unternehmen hat seinen Sitz im brandenburgischen Vetschau und gehört zur italienischen Iris Ceramica Group. In den Werken in Castellarano (Italien) und Vetschau entstehen Feinsteinzeug-Oberflächen, die bei hohen Temperaturen in einem speziellen Verfahren gebrannt werden. Rund 200 Mitarbeitende fertigen am Standort Vetschau Standard- und Großformate sowie kundenspezifische Sonderanfertigungen.

Energieeffizienz spielte im Werk Vetschau von Beginn an eine zentrale Rolle. Die Herstellung von Feinsteinzeug ist energieintensiv und bietet zugleich große Einsparmöglichkeiten. Für Porcelaingres war klar: Wer dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben und eigene Klimaziele erreichen will, muss den Energieverbrauch senken.

„Die EEW-Förderung hat uns geholfen, die CO2-Emissionen zu reduzieren und damit unsere Energiesparziele zu erreichen.“
Nicola Degli Esposti, Produktmanager, Porcelaingres GmbH

Ausgangslage: Druckluft als Stromtreiber

Besonders im Fokus stand die Druckluftversorgung. Sie verursachte mehr als fünf Prozent des gesamten Stromverbrauchs des Werks. Vor der Modernisierung erzeugten drei ältere Kompressoren die benötigte Druckluft. Sie liefen dauerhaft mit voller Leistung, unabhängig vom tatsächlichen Bedarf. Das passte nicht zu den stark schwankenden Anforderungen in der Produktion. Druckluft wird nahezu überall eingesetzt – für Werkzeuge, Reinigungsprozesse und die Ventilsteuerung –, jedoch nie konstant in gleicher Menge.

Technische Maßnahme: Effiziente Kompressoren mit zentraler Steuerung

Zwei Druckluftkompressoren, die in einer Werkhalle angeschlossen sind.
Zwei Kompressoren, die das Werk von Porcelaingres in Vetschau mit Druckluft versorgen.

Porcelaingres ersetzte die Altanlagen durch zwei neue Schraubenkompressoren von Atlas Copco und ergänzte sie um eine übergeordnete Steuerung. Die Kompressoren arbeiten mit einem maximalen Druck von 8,5 bar und nehmen jeweils 182 kW Leistung auf. Eine Fluideinspritzung im Verdichtungsraum sowie die Drehzahlregelung sorgen dafür, dass die Anlagen ihre Leistung laufend an den tatsächlichen Druckluftbedarf anpassen. Die zentrale Steuerung misst diesen Bedarf kontinuierlich und koordiniert den Betrieb beider Maschinen.

Technische Daten im Überblick:

  • Höchstdruck von 8,5 bar
  • Leistungsaufnahme: 181,98 kW
  • Mittlere spezifische Leistungswert: 6,37 kW/m³/min

Förderung über die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft

Ein Teil der Investition wurde über die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW, Modul 1: Querschnittstechnologien) finanziert. Gefördert wurden: 

  • die beiden neuen Drucklufterzeuger sowie
  • die übergeordnete Steuerung. 

Von den Gesamtkosten in Höhe von 200.000 Euro wurden durch die Förderung 30 Prozent, also 60.000 Euro, übernommen.

Ergebnisse: 45 Prozent weniger Energieverbrauch pro Kubikmeter Druckluft

Die Umstellung zeigt klare Wirkung. Der spezifische Energieverbrauch sank von 0,16 kWh/m³ auf 0,09 kWh/m³ – eine Reduktion von rund 45 Prozent. Pro Jahr spart das Werk etwa 250.000 kWh Strom ein. Neben niedrigeren Energiekosten profitiert Porcelaingres von stabileren Prozessen, weniger Wartungsaufwand und geringeren CO₂-Emissionen.

Zahlen & Daten im Überblick

  • Investitionssumme: 200.000 Euro
  • Energieeinsparung pro Jahr: 250.000 kWh
  • Spezifischer Verbrauch:
    • vorher: 0,16 kWh/m3
    • danach: 0,09 kWh/m3
  • CO₂-Reduktion pro Jahr: 108,75 t CO2-Emissionen/Jahr
  • Kosteneinsparung pro Jahr: 37.500 Euro
  • Amortisationszeit: 5,5 Jahre
  • Umsetzungsdauer: 1 Jahr von der ersten Idee bis zur Umsetzung

Energieeffiziente Kompressoren sind ein übertragbares Erfolgsmodell auch für andere Branchen

Das Beispiel zeigt, dass moderne Drucklufttechnik mit bedarfsgerechter Steuerung erhebliche Einsparungen ermöglicht – ohne Einschränkungen in der Produktion. Besonders Betriebe mit hohem Automatisierungsgrad können davon profitieren. In vielen Branchen laufen Druckluftanlagen noch mit festen Leistungsstufen und verbrauchen unnötig Strom. Der Ansatz von Porcelaingres lässt sich daher weit über die keramische Industrie hinaus anwenden.

Die Umsetzung ist einfach und verlief reibungslos: Von der ersten Idee bis zur Inbetriebnahme vergingen etwa zwölf Monate – inklusive Planung, Lieferantenauswahl und Förderantrag. 

Fünf Personen in Sicherheitskleidung stehen vor einer Trocknungsanlage in einer Werkhalle und unterhalten sich.

Förderprüfung EEW: Korrekte Implementierung der Drucklufterzeuger

Die Prüfung der geförderten Maßnahme fand am 12.10.2025 statt. In der Begehung wurde u.a. geprüft, ob die neuen Kompressoren und die übergeordnete Steuerung gemäß der Förderrichtlinien installiert wurden.

Die Prüfung konzentrierte sich auf:

  • Maximaldruck und mittlerer spezifischer Leistungswert der Drucklufterzeuger
  • Global Warming Potential des Kältemittels zur Kühlung des zugehörigen Trockners
  • Energieoptimale Deckung des Druckluftbedarfes bei der Betriebsweise der übergeordneten Steuerung
  • Relevante Rechnungen, Nachweise und Dokumente der Fördermaßnahme 

Schwerpunkte der Vor-Ort-Begehung:

  • Neue Drucklufterzeuger
  • Prozesse mit dem höchsten Druckluftverbrauch im Herstellungsverfahren
  • Steuerung der Drucklufterzeuger

Die Begehung des Werkes und die Sichtung der Unterlagen dauerte insgesamt knapp vier Stunden. 

„Der Prüftag war gut strukturiert und dank der Agenda konnten wir uns gut vorbereiten. Die Prüfung verlief dank unserer Dokumentation reibungslos.“
Enrico Nüske, Abteilungsleiter Einkauf, Porcelaingres GmbH

Ergebnis der EEW-Prüfung

Die Maßnahme erfüllte alle Vorgaben der Förderrichtlinie. Die Kompressoren weisen die korrekten technischen Kennzahlen auf und die übergeordnete Steuerung passt die Leistung der Kompressoren entsprechend des Druckluftbedarfes an. 

Erfolgsfaktoren der EEW-Prüfung

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Prüfung war die saubere Dokumentation. Porcelaingres hatte frühzeitig einen eigenen Auftrag für die Fördermaßnahme angelegt und alle relevanten Unterlagen unter dieser Auftragsnummer gesammelt. Das erleichterte die Prüfung deutlich.