Zum Hauptinhalt springen

Eine traditionsreiche Mälzerei setzt auf digitales Energiemanagement

Praxisbeispiel zur EEW im Modul 3

Die Mälzerei von BestMalz in Kreimbach von außen.

Seit drei Generationen steht die Palatia Malz GmbH unter der Marke BESTMALZ für Qualität und Tradition in der Herstellung von Basis-, Spezial-, Craft- und Röstmalzen. Mit Sitz in Heidelberg und Produktionsstandorten in Kreimbach-Kaulbach und Wallertheim produziert das familiengeführte Unternehmen mit knapp 90 Beschäftigten Malze aus verschiedenen Getreidearten – national und international gefragt. 

Familiengeführtes Unternehmen setzt auf Energieeffizienz

Tradition und Moderne gehen hier Hand in Hand: Angesichts steigender Energiepreise, wachsender Nachhaltigkeitsanforderungen und eines zunehmend kompetitiven Marktumfelds setzt das Unternehmen auf eine zukunftsweisende Lösung. Basis dafür: die Einführung einer neuen Energiemanagement-Software inklusive Steuerungs- und Regelungstechnik. Als höchst energieintensiver Betrieb ist das Unternehmen bereits seit etwa 15 Jahren nach DIN ISO 50001 zertifiziert. Aufgrund der hohen Energieintensität ist das Unternehmen aus Umwelt-, Klima-, aber auch aus ökonomischen Gründen angehalten, die Energieeffizienz kontinuierlich zu verbessern. Ziel des digitalen Energiemanagements ist es daher, den Energieverbrauch und die Betriebskosten zu senken, die ökologische Bilanz zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.

„Die Energiemanagement-Software gibt uns nicht nur Transparenz über unseren Energieverbrauch, sondern zeigt uns konkrete Optimierungspotenziale auf – das ist ein echter Wettbewerbsvorteil.“
Dr. Axel Göhler, Geschäftsführer, Palatia Malz GmbH
Der Geschäftsführer der Palatia Malz GmbH, Dr. Axel Goehler.

Ausgangslage: Energieintensive Produktion im Wandel

Die Lebensmittel- und Mälzereibranche ist durch energieintensive Prozesse wie Weichen, Keimen und Darren (Trocknung) geprägt. Obwohl das Unternehmen bereits moderne Anlagen nutzt, bot die Erneuerung der Anlagensteuerung und die Erweiterung der Energiedatenerfassung weiteres Potenzial, den Energieverbrauch systematisch zu reduzieren und Prozessstabilität zu steigern. Die Motivation war klar: Kosteneinsparungen realisieren, CO₂-Emissionen reduzieren und regulatorische Anforderungen erfüllen.

Aufgrund der hohen Investitionskosten für das umfangreiche Projekt entschied sich das Unternehmen für eine Förderung im Rahmen der Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW).

Technische Maßnahme: Intelligentes Energiemanagement als Schlüssel

Ein Mitarbeiter überwacht an einem Terminal den Malzvorgang in einer Mälzerei.

Im Projekt wurde eine neue, zertifizierte Energiemanagement-Software implementiert, die nach DIN EN ISO 50001 messtechnische Daten erfasst, analysiert und visualisiert. Die alte Software konnte nur die absoluten Energieverbräuche ausgeben. Mit der neuen Steuerungssoftware von der Firma Schmid Automation kann die Erfassung und Auswertung der Verbräuche in jedem einzelnen Prozessschritt erfolgen. Die Energieverbräuche können somit gezielter einzelnen Produkten zugeordnet werden. Dies erleichtert dem Controlling die Kalkulation und trägt zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit, als auch der Identifizierung von weiteren Verbesserungspotenzialen bei.

Die erhobenen Daten werden automatisch verarbeitet und in der Visualisierungssoftware QLIK dargestellt. Die Steuerungs- und Regelungstechnik basiert auf AutomationX Version 5 (aX5), einem skalierbaren und modularen Distributed Control System (DCS), das Steuerungslogik, Visualisierung und Datenmanagement vereint. 

Konzipiert und umgesetzt wurde das Projekt gemeinsam mit der Firma SCHMID AUTOMATION GmbH, die seit langem in der Branche tätig ist und damit die spezifischen Bedarfe kennt. Die neue Steuerung soll Prozesse optimieren sowie Leerlaufzeiten von Transportwegen ausfindig machen und reduzieren. Dadurch kann der Stromverbrauch gesenkt werden. Durch die Schulung des Personals konnte das Team die neuen Möglichkeiten direkt nutzen – von der energieorientierten Produktionsplanung bis zur automatisierten Energieberichterstattung.

EEW-Förderung

Die Maßnahme wurde im Rahmen der EEW-Förderung im Modul 3 für Mess-, Steuer- und Regelungstechnik (MSR), Sensorik und Energiemanagement-Software gefördert. 

Geförderte Komponenten:

  • Erneuerung der Steuerung in Zusammenhang mit der QLIK-Anwendung als Ergänzung zur bestehenden Energiemanagement-Software von ECON Solutions für die Erfassung der relevanten Strom- und Gaszähler
  • Integration der Steuerungs- und Regelungstechnik
  • Personalschulungen

Detaillierte Förderbedingungen befinden sich auf den entsprechenden Modul-Merkblättern von BAFA und KfW.

Etwas mehr als ein Drittel der Gesamtkosten der Palatia Malz GmbH wurden gefördert. 

Zahlen & Daten im Überblick

  • Investitionssumme: rund 112.000 Euro, davon 44.000 Euro gefördert
  • Eingesparte Energie pro Jahr: rund 20.000 kWh Strom pro Jahr allein im Bereich der Förderwege
  • CO₂-Reduktion pro Jahr: 0,075 t
  • Kosteneinsparung pro Jahr: ca. 4.000 €
  • Umsetzungsdauer: 9 Monate von Auftrag bis Abnahme

Übertragbarkeit für die Branche

Die Erfahrungen sind besonders für mittelständische Betriebe mit energieintensiven Prozessen relevant – sei es in der Lebensmittelindustrie, der Getreideverarbeitung oder anderen produzierenden Branchen. Voraussetzung ist, dass eine gewisse technische Infrastruktur vorhanden ist. Die Energiemanagement-Software ermöglicht:

  • eine transparente Erfassung und Analyse aller Energieströme,
  • eine zielgerichtete Energieberichterstattung und Controlling-Unterstützung und
  • die Identifikation von Einsparpotenzialen in jedem Prozessschritt.

Empfehlungen für andere Unternehmen

  • Frühzeitige Einbindung aller relevanten Abteilungen: Insbesondere frühzeitige Einbindung der späteren Bedienerinnen und Bediener, da diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Anlagen und Prozesse am besten kennen und später auch damit arbeiten müssen
  • Datenqualität sichern: Eine solide Mess- und Sensortechnik ist essenziell, um die Datenqualität zu sichern.
  • Praktische Schulungen: Geschultes Personal nutzt die Energiemanagement-Software heute aktiv für die Produktionssteuerung.

Das Projekt beweist: Durch gezielte Investitionen in digitale Lösungen lassen sich Prozesse optimieren, Leerlaufzeiten reduzieren und die Lieferfähigkeit sichern – bei gleichzeitiger Verbesserung der Umweltbilanz.

Ein Sack mit Malz in einer Abpackungsanlage.

Förderprüfung EEW: Energieeffizienz nachweisbar umgesetzt

Die Palatia Malz GmbH wurde zufällig für die EEW-Förderprüfungen ausgewählt. Im März 2025 fand die Prüfung durch einen Fachprüfer statt. Im Prüfprozess wurde kontrolliert, ob die installierte Technik den Fördervorgaben/ Förderrichtlinien entspricht und die relevanten Energiekennzahlen korrekt erfasst und gespeichert werden. 

Die Prüfung konzentrierte sich auf:

  • Die fachgerechte Installation der neuen Komponenten, dazu gehört die Anbindung und Funktionalität der Mess-, Steuerungs-, Regelungs- und Sensortechnik an die Energiemanagement-Software: Es wurde überprüft, ob die geförderten Geräte an der korrekten Position installiert und verkabelt worden sind und die Wirkung der neuen Steuerungen und Regelungen in der Energiemanagement-Software erfasst wird.
  • Die korrekte Datenerfassung und -verarbeitung durch die Software: Es wurde geprüft, ob die Sensor-Kennzahlen - wie zum Beispiel die Stromstärke oder der Füllstand relevanter Anlagen - an die neue Software übermittelt werden.
  • Visualisierung der Energiedaten in QLIK: Die Darstellung der Daten wurde anhand mehrerer Beispiele in der Visualisierungssoftware QLIK festgestellt.
  • Korrekte Rechnungsstellung: Es wurde kontrolliert, ob die Rechnungen und Zahlungen den eingereichten Unterlagen des Verwendungsnachweises entsprechen. 

Die Begehung dauerte nur drei Stunden – ein Beleg für die gute Vorbereitung und Kooperation des Unternehmens.

“Die Prüfung lief gut strukturiert ab. Der Prüfer machte einen sehr kompetenten Eindruck. Die Zusammenarbeit war immer angenehm. Es war eine sehr entspannte Atmosphäre und wir konnten die relevanten Themen konstruktiv und vertrauensvoll miteinander besprechen.”
Dr. Axel Göhler, Geschäftsführer, Palatia Malz GmbH
Der Geschäftsführer der Palatia Malz GmbH, Dr. Axel Goehler.

Ergebnis der Förderprüfung EEW

Die Prüfung bestätigte die vollständige und fachgerechte Umsetzung. Die Prüfung wurde ohne Nachforderungen positiv abgeschlossen – ein Zeichen für die sorgfältige Planung und Umsetzung. Die Vor-Ort-Begehung bestätigte: Die Energiemanagement-Software erfasst und speichert Energiekennzahlen zuverlässig, die neuen Geräte sind korrekt installiert und verkabelt, und die Software wird fleißig von den Mitarbeitenden genutzt. 

Herausforderungen und Lessons Learned der Förderprüfung EEW

Die Implementierung einer Energiemanagement-Software in einem traditionellen Industriezweig ist komplex.  Für den Fachprüfer war es herausfordernd, den Mehrwert der Software nachzuweisen, ohne Einblicke in die Programmierebene zu erhalten. Durch enge Abstimmung zwischen den Prüfenden, den Vertretern des Unternehmens und durch die Einbindung des Automatisierungspartners Schmid Automation konnten die relevanten Effekte jedoch klar nachvollzogen werden.

Erfolgsfaktoren der Förderprüfung EEW

Folgende Faktoren stellen sicher, dass die Prüfung reibungslos abläuft:

  • Transparenz: vollständige Dokumentation des Projektes und der Antragstellung an einem zentralen Ablageort.
  • Gute Vorbereitung: sich vorab gezielt mit dem Projekt befassen und angefragte Dokumente griffbereit halten.
  • Einbindung relevanter Projektbeteiligte: Die Anwesenheit des Projektleiters sowie externer Dienstleister, die bei der Umsetzung involviert waren, beschleunigt die Prüfung.