TRUMPF / ETA-Solutions
Integrierte Energiesystemplanung beim Neubau einer Produktionshalle
Ein erfolgreiches Beispiel für ein integriertes Energieeffizienzkonzept im industriellen Neubau: TRUMPF verbindet Fertigung, Gebäude und Versorgung zu einem (thermohydraulisch) vernetzten Energiesystem mit einem Schwerpunkt bei der Abwärmenutzung.
Projektbeschreibung
TRUMPF, eines der weltweit führenden Hochtechnologieunternehmen in den Bereichen Werkzeugmaschinen und Lasertechnik, erweitert am Standort Ditzingen das Produktionsquartier um das Produktionsareal 4. Der Neubau umfasst drei Werkhallen, davon Produktion, Reinraum- und Büroflächen und ist auf hohe Anforderungen der Laser- und Ultrapräzisionsfertigung ausgelegt. Strombedarf besteht bei der Montage und Inbetriebnahme der Laser und Maschinen, der Kälteerzeugung und der Raumkonditionierung für die Produktionsumgebungen.
Für die Beheizung der Reinigungsbäder und für die Trocknung der Bauteile ist Prozesswärme erforderlich. Für die integrale Energiesystemplanung zur Vernetzung von Gebäude- und Prozesstechnik im Neubau entwickelten TRUMPF und ETA Solutions in enger Zusammenarbeit individuelle Lösungen. TRUMPF hat sich das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden.
Dabei wurden die auf der energetischen Vernetzung und ganzheitliche Optimierung von Produktionsmaschinen, technischer Infrastruktur und Gebäuden beruhenden Prinzipien der ETA-Fabrik der TU Darmstadt auf das Produktionsareal übertragen. Eine zentrale Planungsprämisse und Kernbestandteil der Dekarbonisierungsstrategie am Standort war eine arealübergreifende Abwärmenutzung. Die Areale 2, 3 und 4 sind über ein Nahwärme- und auch Kältenetz verbunden und nutzen Abwärme aus insbesondere Kälte- und Druckluftprozessen systematisch durch Wärmetauscher und Wärmepumpen.
Dies ermöglicht heute bereits eine nahezu emissionsfreie Wärmeversorgung im Areal 4 (100 % Abwärmenutzung) und von 15 % des Gesamtcampus. Weitere Maßnahmen sind die Aufteilung der Kältenetze in zwei Temperaturniveaus (Prozesskälte 12 °C und für Klimakälte 6 °C) und der Einsatz hocheffizienter Kaltwassersätze sowie eine Freikühlung über Kühltürme.
Das Produktionsareal 4 wurde 2024 in Betrieb genommen und anschließend schrittweise mit den Nutzern belegt. Ergänzend sorgt ein intensives Monitoring für eine fortlaufende Betriebsoptimierung. Effizienzfahrpläne und ein Energiemanagement nach ISO 50001 sorgen für Transparenz und kontinuierliche Verbesserungen. Zusätzlich leistet selbst erzeugter Strom aus großen PV-Anlagen (5,1 MWp) einen wesentlichen Teil einer emissionsfreien Stromversorgung. Der restliche Strom wird über hochwertige Energy Attribute Certificate (ECA) und Power Purchase Agreement (PPA) ebenfalls emissionsfrei beschafft.
Angaben zum Unternehmen
Unternehmensname: TRUMPF SE + Co. KG
Land/Bundesland: Deutschland/Baden-Württemberg
Branche: Maschinenbau
Bewertungskriterien
Energieeffizienz
- Senkung des Energiebezugs: 12.539 MWh/Jahr
- Stromeinsparungen: 4.560 MWh/Jahr
- Wärmeeinsparungen: 7.979 MWh/Jahr
- Prozentuale Energiebezugssenkung: ca. 72 %, bezogen auf Referenzgebäude
Klimaschutz
- CO2-Einsparung: 4.491 t CO2e/Jahr
Wirtschaftlichkeit
- Investitionen: 9.470.000 €
- Kalkulierte Amortisationszeit: 3 bis 8 Jahre
Förderprogramme
- Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz (EEW)
Innovation
Hoher Innovationsgrad durch die systemische Übertragung der ETA-Fabrik-Prinzipien auf ein reales industrielles Produktionsquartier mit hohen Reinraum-, Klima- und Prozessanforderungen. Neuartig ist weniger die Einzel technologie als die konsequente thermohydraulische Vernetzung von Kälte, Wärme, Abwärme, Raumlufttechnik (RLT), Druckluft und Betriebsoptimierung.
Übertragbarkeit
Die energetische Quartiersplanung und -optimierung ist sehr gut auf weitere Produktionsstandorte, Neubauten und Quartiersentwicklungen mit gleichzeitigem Kälte-, Wärme- und Prozessenergiebedarf übertragbar. Besonders relevant ist der Ansatz für Maschinenbau, Elektronik-/Laserfertigung und Reinraumproduktion.