Steag Iqony Group / TRIMET
Fernwärmeversorgung durch Einbindung von Abwärme aus einer Aluminiumhütte
Das Projekt verbindet gleich zwei wichtige Themen: Die Integration von erneuerbarem Strom durch Einsatz elektrischer Verfahren und Flexibilisierung (in der Aluminiumproduktion) sowie die Nutzung nicht vermeidbarer Abwärme für eine Dekarbonisierung der Fernwärme. Das Projekt zeigt, wie Industrie und Energieversorger in Kooperation einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten können.
Projektbeschreibung
Die TRIMET Aluminium SE stellt in ihrem Standort in Essen bis zu 300.000 t/Jahr Leichtmetallprodukte aus Aluminium her. Das Rohmaterial wird in Elektrolyseöfen behandelt. Die Aluminium-Elektrolyse wurde so umgerüstet, dass sie an die schwankende Erzeugung von Wind- und Solarenergie angepasst ist. Diese innovative Maßnahme ermöglicht es, den Energiebedarf der Öfen von rund 14 MWh pro Tonne mit klimaneutralem Strom zu decken.
Aluminium wird in einem elektrochemischen Prozess erzeugt. Bei dieser Schmelzflusselektrolyse1 entsteht flüssiges Aluminium von über 900 °C. Aus diesem Produktionsprozess entsteht Abwärme, die bisher an die Umgebung abgegeben wurde. Aus einer langjährigen vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen entstand das gemeinsame Ziel, industrielle Wärmepotenziale zu erschließen, um die Energieeffizienz zu steigern und CO2-Emissionen zu sparen.
Gemeinsam haben TRIMET und Iqony die technische Lösung entwickelt, die erforderlichen Investitionen getragen und die Infrastruktur umgesetzt. Zuerst wurden vier Rohrbündelwärmetauscher (2 × 2,6 MWth, 2 × 1,3 MWth) in einer neuen Bypassstrecke des Abluftsystems der Elektrolyse installiert, um die Abwärme des Produktionsprozesses einzufangen.
Die zurückgewonnene Abluftwärme wird zur Erwärmung des werksinternen Wärmenetzes genutzt. Das auf 130 °C erhitzte Wasser gelangt unter hohem Druck über ein Rohrsystem zur Energiezentrale, wo es seine Wärme an das Wasser des Fernwärmenetzes überträgt. Die Einspeisung in das hydraulisch getrennte Fernwärme-Verbundsystem erfolgt über einen Plattenwärmetauscher mit 9,4 MWth Auslegungsleistung. TRIMET hat dafür auf dem Werksgelände ein 1,6 Kilometer langes Rohrsystem angelegt. Iqony hat einen rund 700 Meter langen Leitungsanschluss verlegt, der die Energiezentrale mit dem Einbindepunkt außerhalb des Werksgeländes verbindet.
Seit März 2026 speist die TRIMET diese Abwärme in das Fernwärmenetz des lokalen Energieversorgers Iqony ein. Jährlich sollen so rund 31.000 MWh Abwärme nutzbar gemacht und mehr als 5.500 Haushalte versorgt werden.
Angaben zum Unternehmen
Unternehmensname: Steag Iqony Group
Land/Bundesland: Deutschland/Nordrhein-Westfalen
Branche: Energie
Bewertungskriterien
Energieeffizienz
- Senkung des Energiebezugs: 33.000 MWh/Jahr (Nutzung bisher ungenutzter Abwärme1). Dies entspricht ca. 2 % der gesamten Wärmeerzeugung (Fernwärme).
Klimaschutz
- CO2-Einsparung: 9.240 t CO2e/Jahr (Schätzung, Ansatz: 33.000 MWh x 0,280 tCO2/MWh)
- Die Fernwärme wird zum großen Teil aus Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt, PE-Faktor 0,24
Wirtschaftlichkeit
- Investitionen: 9,6 Mio. €
- Kalkulierte Amortisationszeit: >8 Jahre (geschätzt)
Förderprogramme
- Iqony Fernwärme: Bundesförderung effiziente Wärmenetze, Modul 3 von maximal 40 % (steht noch aus)
- TRIMET Förderung: Nationaler Förderwettbewerb, Mittel aus Klima- und Transformationsfond
Innovation
Flexibilität der Aluminium-Elektrolyse, die an die Energieerzeugung von Wind- und Solarstrom angepasst ist. Die außerbetrieblicher Abwärmenutzung ist für viele Unternehmen noch Neuland.
Übertragbarkeit
Dieser Kooperationsansatz ist für viele Unternehmen unter Betrachtung der individuellen technischen Voraussetzungen übertragbar.
1 keine Senkung des Gesamtenergiebezugs bei Iqony