Schwarzbräu / encentive in Kooperation mit Bayernwerk Netz
KI-basierte Energiesteuerung
Ein repräsentatives Projekt für digitale Energieeffizienz und netzdienliche Flexibilisierung in einer mittelständischen Brauerei. KI-gestützte Software steuert viele kleinteilige Verbraucher prozesssicher, reduziert Lastspitzen im Hochlastzeitfenster und erhöht den PV-Eigenverbrauch.
Projektbeschreibung
Die Familienbrauerei Schwarzbräu GmbH aus Zusmarshausen ist eine traditionsreiche bayerische Brauerei mit eigener Mälzerei. Die Bierproduktion ist durch energieintensive Kühl-, Lager- und Abfüllprozesse geprägt und erfordert zugleich hohe Prozess- und Qualitätssicherheit. Die Schwarzbräu verfolgt das Ziel, den spezifischen Energieverbrauch kontinuierlich zu senken. Konkret soll der Energieeinsatz pro produziertem Hektoliter Bier jährlich um 5 % reduziert werden. Durch Investitionen in Energieeffizienz, erneuerbare Energien und intelligente Energiesteuerung wird dieses Ziel konsequent verfolgt.
Seit Mai 2025 wird mit dem Energieportal Business von Bayernwerk und der Software flexOn von encentive ein datenbasiertes Lastmanagement aufgebaut. Nach Analyse der Lastprofile werden zahlreiche Verbraucher automatisiert innerhalb definierter Prozessgrenzen gesteuert, darunter Mantelkühlungen der Gär- und Lagertanks, Gebläse und Rührwerke, Lager- und Kühlräume, Lufttrockner und Ladeinfrastruktur. Die KI-basierte Verbrauchssteuerung berücksichtigt Hochlastzeitfenster, Netzauslastung, Wetter- und Lastprognosen sowie die Erzeugung der PV-Anlage. Auf Basis von Prognosen und historischen Daten erstellt der KI-Algorithmus automatisch Fahrpläne, um die Anlagen optimiert zu steuern.
Dabei nutzt das System thermische Speicher sowie andere Flexibilitäten. So werden Verbräuche in günstigere Zeitfenster verschoben, Lastspitzen unter dem Schwellenwert für atypische Netznutzung gehalten und der Eigenverbrauch erneuerbarer Energie erhöht. Besonders anspruchsvoll war die Einbindung vieler kleinteiliger Verbraucher, die klassische Energiemanagementsysteme häufig nicht ausreichend erfassen. Die KI-gestützte Software greift nicht in kritische Brauprozesse ein, sondern moduliert Nebenprozesse innerhalb zulässiger Temperatur- und Prozessfenster.
Die jährlichen Einsparungen betragen 145 MWh Strom bzw. 49 t CO₂e, bereits im Winter 2025/2026 wurden fünfstellige Kosteneinsparungen erzielt. Die Optimierungsfunktionen werden kontinuierlich erweitert, insbesondere durch die Integration der Photovoltaikanlage sowie die Vorbereitung einer marktbasierten Strompreisoptimierung auf Basis dynamischer Stromtarife.
Angaben zum Unternehmen
Unternehmensname: Schwarzbräu GmbH
Land/Bundesland: Deutschland/Bayern
Branche: Brauerei
Bewertungskriterien
Energieeffizienz
- Stromeinsparung Energiemanagement + PV: 435 MWh
- Stromeinsparung Energiemanagement: 68 MWh
- Stromeinsparung PV: 367 MWh
- Prozentuale Energiebezugssenkung: ca. 26 % (Strombezug, geschätzt)
Klimaschutz
- CO2-Einsparung: 189 Tonnen CO2e/Jahr
Wirtschaftlichkeit
- Investitionen: 20.700 € (Software, PV keine Angabe)
- Kalkulierte Amortisationszeit: 0 bis ≤ 3 Jahre (Software)
Förderprogramme
- Keine Angabe
Innovation
Einführung eines KI-gestütztes Lastmanagements auf eine Brauerei mit vielen kleinteiligen, prozesssensiblen Verbrauchern.
Übertragbarkeit
Sehr gut übertragbar auf Brauereien, Lebensmittelbetriebe und weitere Standorte mit thermischen Speichern, Kühlung, PV und flexiblen Nebenverbrauchern. Voraussetzung sind digitale Messdaten, definierte Prozessgrenzen und eine technische Anbindung steuerbarer Verbraucher.