GASAG / Gewobag / PASM
Nutzung von Rechenzentrumsabwärme im Wohngebäudekomplex Pallasseum
Das Projekt zeigt anschaulich und vorzeigbar, wie der zunehmende Energieverbrauch der Digitalisierung (Serverabwärme) als Energiequelle für die energetische Sanierung von Gebäuden genutzt werden kann. Das Pallasseum ist eines der ersten Bestandsprojekte Berlins, bei dem Rechenzentrumsabwärme dauerhaft in die Versorgung eines kompletten Wohnkomplexes eingebunden wird und Potenzial für eine Skalierung hat.
Projektbeschreibung
Das Pallasseum in Berlin-Schöneberg ist ein bekanntes Wohngebäude der Stadt. Der in den 1970er-Jahren errichtete Gebäudekomplex (mit 500 Wohnungen) weist einen gebäudetypisch hohen Wärmebedarf auf (7 GWh/a). Die Beheizung erfolgte bisher lediglich über Erdgaskessel. Für die kommunale Eigentümerin Gewobag bestand die Herausforderung, die im Gebäudeenergiegesetz geforderte Dekarbonisierung sozialverträglich umzusetzen – trotz der denkmal-geschützten Gebäudehülle und begrenzter baulicher Möglichkeiten.
Durch partnerschaftliche Kontakte zur PASM Power and Air Condition Solution Management GmbH (Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom) entstand die Idee, die Abwärme des PASM-Rechenzentrums zur Versorgung des Pallasseum zu nutzen. Auch die Gewobag als Gebäudebetreiber war schnell von den Möglichkeiten einer solchen Lösung überzeugt. Das über 50 Jahre alte Gebäude benötigt hohe Vorlauftemperaturen, während die verfügbare Abwärme aus dem Rechenzentrum nur ein deutlich niedrigeres Temperaturniveau aufweist. Erschwerend kam hinzu, dass die gebäudeseitige Heizungsverteilung nur teilweise modernisiert ist und somit nicht optimal auf die neuen Anforderungen ausgelegt war. Die komplexe Ausgangssituation konnte durch eine pragmatische Zusammenarbeit und die Entwicklung eines maßgeschneiderten Konzepts erfolgreich bewältigt werden.
Die Wärmelieferung beginnt im Rechenzentrum: Dort wird die anfallende Abwärme zunächst mithilfe von Wasser-Wasser-Wärmepumpen auf 70 bis 75 Grad Celsius angehoben und bis an die Grundstücksgrenze geleitet. Dort übergibt ein neu installierter Wärmetauscher die Wärme an die GASAG Solution Plus. Über eine rund 140 Meter lange Wärmetrasse wird die Wärme zum Wohnkomplex Pallasseum transportiert, wo GASAG Solution Plus sie hydraulisch in die modernisierte Heizungsanlage einspeist.
Seit November 2025 versorgt die GASAG Solution Plus das Pallasseum mit dem innovativen Wärmekonzept, das die Abwärme eines benachbarten Rechenzentrums für die Wärmeversorgung des Gebäudes nutzt. Rund 65 % des Wärmebedarfs werden dabei durch die Nutzung dieser Abwärme gedeckt.
Das Projekt ist finanziert durch die Europäische Union — NextGenerationEU. Die geäußerten Ansichten und Meinungen sind ausschließlich die des Autors/der Autoren und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Europäischen Union oder der Europäischen Kommission wieder. Weder die Europäische Union noch die Europäische Kommission können für sie verantwortlich gemacht werden.
Angaben zum Unternehmen
Unternehmensname: GASAG Solution Plus GmbH
Land/Bundesland: Deutschland/Berlin
Branche: Energiedienstleistung
Bewertungskriterien
Energieeffizienz
- Senkung des Energiebezugs: 4.885 MWh/Jahr (Erdgas)
- Zusätzlicher Strombedarf (Wärmepumpen, Umwälzpumpen): nicht beziffert, Schätzung: 1.300 MWh
- Prozentuale Energiebezugssenkung: ca. 65 % bezogen auf den Erdgasbedarf
Klimaschutz
- CO2-Einsparung: 833 Tonnen CO2e/Jahr
Wirtschaftlichkeit
- Investitionen: 2 Mio. €
- Kalkulierte Amortisationszeit: >8 Jahre, Lieferverträge: 10 Jahre
- Für die Mieterinnen und Mieter erfolgt die Umstellung kostenneutral
Förderprogramme
- Das Projekt wurde aus Bundesmitteln aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.
- Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW)
Innovation
Mit dem Projekt wird in Berlin erstmals im großen Maßstab die Abwärme eines Rechenzentrums für die Wärmeversorgung eines Wohnquartiers genutzt. Damit wurde eine bislang ungenutzte lokale Energiequelle für die Wärmewende erschlossen. Gleichzeitig handelt es sich um das erste Abwärmeprojekt dieser Art der Deutschen Telekom bzw. PASM.
Übertragbarkeit
Das Konzept ist grundsätzlich überall dort übertragbar, wo Rechenzentren und geeignete Wärmeabnehmer in räumlicher Nähe vorhanden sind (auch industrielle Anwendungen). Aufgrund der positiven Erfahrungen prüfen oder verfolgen die Akteure bereits weitere Projekte zur Nutzung von Rechenzentrumsabwärme.