FERALPI STAHL
Deutschlands erstes emissionsfreies Walzwerk im Scope 1
Das Projekt zeigt am Beispiel der Stahlindustrie, wie Fortschritt bei der Dekarbonisierung durch die Synergie hochinnovativer Technologien ein völlig neuartiges Gesamtkonzept erfordert. Der Pionieraufwand, von der technologischen Neukonzeption bis hin zum vollständigen Neubau der Anlage, wurde erfolgreich in die Praxis umgesetzt.
Projektbeschreibung
Die ESF Elbe-Stahlwerke Feralpi produziert am Standort Riesa mit einem Elektrostahlwerk 1 Mio. Tonnen Rohstahl pro Jahr. Dieser wird in zwei Walzwerken und einem Drahtwerk am Standort weiterverarbeitet. Bisher wurde der Stahl vor dem Walzen unter Einsatz von Erdgas auf 1.130 °C erwärmt. Im Zuge der anstehenden Modernisierung und Erweiterung der Kapazitäten (um rund 350.000 t/Jahr), wurde die strategische Entscheidung getroffen, ein komplett neues Walzwerk zu planen.
Das Stahl- und Walzwerk wurden dabei als Gesamtanlage mit einem durchgängigen Prozess betrachtet, bei der die Temperatur des Materials aus dem Stahlwerk für den direkt anschließenden Walzprozess genutzt wird. Dazu wurde der etwa 300 m lange Transportweg zwischen Stahl- und Walzwerk so gestaltet, dass die Wärmeverluste minimiert werden. Eine hohe Dichte an Sensor- und Steuerungselementen sowie eine intelligente Steuerung sichern die Prozesse und eine hohe Produktqualität. Durch die rein elektrische Nacherwärmung über Induktionswärme konnte vollständig auf Erdgas verzichtet werden.
Um ohne weitergehende Erwärmung auf das übliche Termperaturniveau des Stahls zu kommen, wurde eine innovative Walztechnologie gewählt, die mit geringeren Walztemperaturen auskommt. Die einzelnen Walzschritte und alle Einzelkomponenten, von den Walzen über die Antriebe bis zu den Fundamenten, wurden für die niedrigere Anstichtemperatur (960 °C) modifiziert. Der daraus resultierende höhere Strombedarf wurde durch die vorherigen Einsparungen vielfach überkompensiert. Ein wesentlicher Teil der Investition war die Errichtung eines eigenen Umspannwerkes.
Zum ersten Mal wurde in einem Stahlwerk eine gasisolierte Schaltanlage installiert, bei der vollständig auf den Einsatz des Treibhausgases SF6 verzichtet wurde. Durch die energieeffizienten, elektrischen Prozesse und die anteilige Nutzung grünen Stroms (inkl. Herkunftsnachweise) wurde eine CO2- sowie NOx emissionsfreie Produktion erreicht.
Die Anlage ist seit Mai 2025 in Betrieb und für die Hauptprodukte erfolgreich im Regelbetrieb. Die aktuelle Feinabstimmung des Systems für weitere spezialisierte Endprodukte wird im dritten Quartal 2026 abgeschlossen
Angaben zum Unternehmen
Unternehmensname: ESF Elbe Stahlwerke Feralpi GmbH
Land/Bundesland: Deutschland/Sachsen
Branche: Stahlindustrie
Bewertungskriterien
Energieeffizienz
- Senkung des Energiebezug: 110.000 MWh/Jahr (Erdgas)
- Zusätzlicher Strombedarf: 17.000 MWh (Induktionserwärmung und neue Walztechnik)
- Senkung des Energiebezugs (Netto): 93.000 MWh/Jahr (Bezug: aktuell übliche Technik mit Gasofen)
- Prozentuale Energiebezugssenkung: ca. 10 % bezogen auf Standort (perspektivisch bei steigender Produktion mehr)
Klimaschutz
- CO2-Einsparung: 19.190 t CO2e/Jahr (bei aktuell genutztem Strommix: Grünstrombezug 75 %)
- CO2-Einsparung: 15.430 t CO2e/Jahr (Strommix Deutschland)
Wirtschaftlichkeit
- Investitionen: 220 Mio. €
- Kalkulierte Amortisationszeit: >8 Jahre
Förderprogramme
- Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz (EEW)
- KfW-Förderung
Innovation
Erstes im Scope 1 emissionsfreie Walzwerk Deutschlands. Kern der Innovation ist die direkte Weiterverarbeitung der „Knüppel“ aus der Stahlwerkshitze. Mit allen neuesten technologischen Fortschritten setzt das Walzwerk neue Maßstäbe für Innovation und Nachhaltigkeit.
Übertragbarkeit
Die Optimierungsansätze sind auf andere Standorte übertragbar, die sowohl ein Stahl- als auch ein Walzwerk vereinen. Update/Retrofit bestehender Anlagen aufgrund der grundlegend neuen Technik kaum realisierbar. Weitergehende Übertragbarkeit des Ansatzes für industrielle Prozesse, in der Wärmenergie eines Prozessschritts im Folgeschritt genutzt werden kann.