August Weckermann
Entwicklung eines nahezu klimaneutralen Energiekonzepts mit eigener Wasserstofferzeugung
Ein umfassender Gesamtansatz, der zeigt, wie ein familiengeführtes KMU-Unternehmen in einer ländlichen Region auf Basis von PV und lokal erzeugten Wasserstoff einen Eigenversorgungsgrad von bis zu 90 % des Energiebedarfs erreichen kann. Zu Erhöhung der Wirtschaftlichkeit werden Verbraucher z.T. flexibel gesteuert, hohe Einspeisepreise und negative Verbrauchpreise genutzt.
Projektbeschreibung
Die August Weckermann KG stellt im Schwarzwald Dreh- und Frästeile her sowie feinwerktechnische Komponenten und Uhrenteile und ist Spezialist für das „Diamantieren“. Die dafür erforderlichen Maschinen, Bearbeitungszentren, Vakuumpumpen, die Kälte- und Druckluftversorgung, Lüftungsanlagen sowie die Absaugtechnik müssen mit Strom versorgt werden. Im Zuge der Planungen eines neuen Produktionsstandorts wurde die strategische Entscheidung getroffen, bei der Energieversorgung nicht darauf zu setzen, bestehende Ansätze zu optimieren, sondern grundlegend neu zu denken.
Unter dem Projekttitel „AWVision23“ wurde eine vollständig nachhaltige, klimaneutrale und nahezu autarke Energieversorgung realisiert. Die Basis dafür ist der Strom aus den eigenen PV-Anlagen. Nicht direkt in Produktion, Anlagen und Gebäude verbrauchter Strom wird in einem Batteriespeicher oder über einen Elektrolyseur in Form von Wasserstoff gespeichert. Zusätzlicher Strombedarf wird über den Batteriespeicher und einer Brennstoffzelle, die den gespeicherten Wasserstoff nutzt, gedeckt. Die bei der Rückverstromung anfallende Wärme und weitere Abwärmequellen werden, z.T. über den thermischen Speicher, ebenfalls genutzt und reduzieren den Strombedarf der Wärmepumpe. Über ein intelligentes Steuerungssystem werden Erzeugung, Speicherung und Verbrauch von Strom und Wärme zusammengeführt. Dabei werden u.a. PV-Ertragsprognosen, Produktionslastprognosen, Lastspitzen und Börsenstrompreise für Bezug und Einspeisung berücksichtigt.
Die Anlage lässt sich dabei wahlweise auf maximale Autarkie oder maximale Wirtschaftlichkeit ausrichten, wobei bei hohen Strompreisen Energie verkauft und bei niedrigen Preisen zusätzliche Strommengen für Wasserstofferzeugung oder Produktion bezogen werden. Für die Optimierung des Gesamtsystems wird auch die Möglichkeit genutzt, bestimmte Verbraucher zeitlich flexibel einzusetzen. Durch die Integration der leistungsfähigen Brennstoffzelle waren allerdings die Genehmigungsprozesse und Abstimmungen mit dem Netzbetreiber besonders herausfordernd.
Das System ging im September 2025 in Betrieb und hat seitdem über 1.150 kg Wasserstoff unter Nutzung von aufbereitetem Regenwasser produziert. Inzwischen wurde eine maximale Eigenversorgung von bis zu 90 % erreicht, so dass in diesen Zeiten der Netzbezug (100 % Grünstrom) drastisch reduziert wird. Für die Zukunft wird geprüft, ob auch Nachbarunternehmen aus dem Energiesystem mit Wasserstoff und Wärme versorgt werden können.
Angaben zum Unternehmen
Unternehmensname: August Weckermann KG
Land/Bundesland: Deutschland/Baden-Württemberg
Branche: Verarbeitendes Gewerbe
Bewertungskriterien
Energieeffizienz
- Senkung des Energiebezugs: 1.400 MWh/Jahr (Strom)
- Wärmeeinsparungen: 100 MWh/Jahr
Klimaschutz
- CO2-Einsparung: 537 Tonnen CO2e/Jahr
Wirtschaftlichkeit
- Investitionen: 8 Mio. € (inkl. PV-Anlage), davon 2,5 Mio. € Fördermittel
- Kalkulierte Amortisationszeit: >8 Jahre
Förderprogramm
- Umweltministerium Baden-Württemberg, Förderprogramm „Klimaschutz und Wertschöpfung durch Wasserstoff“ (KWH2), 2,5 Mio. € Förderung als eines von 8 Leuchtturmprojekten
Innovation
Optimierte Nutzung des PV-Stroms über Batteriespeicher in Kombination mit einem thermischen Speicher und einem auf Wasserstofftechnologie basierenden Langzeitspeicher. Intelligente Steuerung von Netznutzung, Speicherung und Verbrauch zur Kostenoptimierung. Nutzung von Regenwasser für die Elektrolyse und der Wärme aus der Rückverstromung.
Übertragbarkeit
KMU haben oft bereits große PV-Anlagen oder hätten die Möglichkeit, diese zu errichten, z. B. auf Hallendächern. Langfristig verlässliche Energiekosten und Energieverfügbarkeit stellen für viele eine Herausforderung dar. Diese wird durch den dargestellten integrierten Ansatz mit dem Langzeitspeicher H2 und intelligenter Steuerung adressiert, die sowohl Strom als auch Wärme abdeckt und Verbraucher flexibel steuert.