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Nanno Janssen

Elektrifizierung der Speditionsflotte und Errichtung der Ladeinfrastruktur

Das Projekt zeigt anschaulich, wie der traditionell wenig klimafreundliche Güterstraßenverkehr auch in kleineren Speditionen schrittweise elektrifiziert und damit die CO2-Emssionen drastisch reduziert werden können. 

Eine Reihe von Ladestationen für Speditionsfahrzeuge sind zu sehen.
Ladestationen für Speditionsfahrzeuge

Projektbeschreibung

Die ostfriesische Speditionsfirma Nanno Janssen ist ein Familienbetrieb in vierter und fünfter Generation und transportiert vor allem Güter aus dem Automobilbereich, Stahlteile, Baustoffe, Siloladungen, Altpapier sowie Gefahrgut. Das Geschäftsgebiet erstreckt sich über Deutschland und weite Teile Europas. Hohe Dieselpreise und das unkalkulierbare Kostenrisiko steigender CO₂-Preise veranlassten das Unternehmen, die Flotte langfristig zukunftssicher und klimaneutraler aufzustellen. 

Mit dem Motto „einfach mal machen“ und unter Verwendung der Förderung aus der KsNI-Richtlinie (Klimaschonende Nutzfahrzeuge und Infrastruktur) begann Nanno Janssen im Frühjahr 2024 mit der schrittweisen Umstellung auf elektrische Lkw.

Mittlerweile wurden ca. 60 und damit mehr als zwei Drittel der Dieselfahrzeuge durch E-Lkw ersetzt, von 3,5-Tonnen-Fahrzeugen bis hin zu 40-Tonnen-Sattelzugmaschinen verschiedenster Hersteller (Mercedes-Benz, DAF, Scania, Volvo, Iveco, MAN und BAX-Isuzu). Je nach Fahrzeugkonfiguration verfügen die Fahrzeuge über Leistungen von bis zu 1.069 PS und Reichweiten von etwa 350 bis 650 km, wodurch ein breites Spektrum an Zielorten abgedeckt werden kann. 

Um einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen und sich zumindest teilweise von den Strompreisen zu entkoppeln, wurden zusätzlich auch eine PV-Anlage (erreichter Autarkiegrad ca. 20 %), zehn Schnellladesäulen mit je zwei Ladepunkten sowie ein Batteriespeicher auf dem Betriebshof errichtet. Der Netzanschluss wurde auf 4 MW erweitert, um das gleichzeitige Laden von bis zu 20 E-Lkw zu ermöglichen. Das zusätzlich implementierte Lastmanagementsystem ermöglicht es, alle Energieströme in Echtzeit zu überwachen, die Ladevorgänge dynamisch an die aktuellen Strompreise und Erzeugungsmengen aus der PV-Anlage anzupassen und Lastspitzen zu vermeiden.  

Nanno Janssen GmbH plant, die Elektrifizierung konsequent weiterzuentwickeln. Geplant sind eine Erweiterung des firmeneigenen Ladeparks, der weitere Ausbau der regenerativen Energieerzeugung sowie die Errichtung zusätzlicher firmeneigener Ladestandorte außerhalb des Hauptstandorts. Langfristiges Ziel ist die vollständige Umstellung der Fahrzeugflotte auf vollelektrische Antriebe, sobald alle Transportaufgaben technisch und wirtschaftlich emissionsfrei abgebildet werden können.

Angaben zum Unternehmen 

Unternehmensname: Nanno Janssen GmbH

Land/Bundesland: Deutschland/Niedersachsen

Branche: Straßengüterverkehr

Bewertungskriterien

Energieeffizienz                    

  • Gesamte Reduktion Dieselbezug: ca. 4.900 MWh/Jahr 
  • Zusätzlicher Stromverbrauch der E-Lkw: ca. 2.500 MWh/Jahr 
  • Senkung des Energiebezugs: ca. 3.760 MWh/Jahr (Diesel)1 
  • Prozentuale Energiebezugssenkung: ca. 10 %2 

Klimaschutz 

  • CO2-Einsparung: 1.328 Tonnen CO2e/Jahr (2026)
  • CO2-Einsparung: 3.045 Tonnen CO2e/Jahr (Perspektive)

Wirtschaftlichkeit 

  • Investitionen: 21 Mio. €
  • Kalkulierte Amortisationszeit: 3 bis 8 Jahre
  • Für die PV-Anlage: Investitionssumme ca. 2 Mio. € und eine Amortisationsdauer von ca. 5 Jahren

Förderprogramm

  • KsNI-Richtlinie des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV): Übernahme von 80 % der Mehrkosten für die ersten 20 E-Lkw und Förderung der Errichtung der Ladeinfrastruktur

Innovation 

E-Mobilität im Straßengüterverkehr ist in Deutschland wenig verbreitet, der Anteil der E-Lkw an Neuzulassungen von schweren Lkw liegt derzeit bei ca. 4,5 %. Allerdings ist die technische Hemmschwelle eher gering, Hauptgründe gegen die Implementierung sind höhere Anschaffungskosten und die zum Teil fehlende Ladeinfrastruktur.

Übertragbarkeit 

Der Einsatz von E-Lkw im deutschen Straßengüterverkehr ist sehr gut übertragbar. Eine Erhöhung des Anteils von E-Lkw an den Neuzulassungen würde außerdem die Anreize für den beschleunigten Ausbau der Ladeinfrastruktur weiter erhöhen, was die Attraktivität des elektrifizierten Lastverkehres für andere Marktteilnehmer zusätzlich steigert.


1 bei Wachstum der Transportleistung um 60 %

2  bezogen auf die gesamte Flotte