Klimaschutz in Magdeburg

„Wir zünden jetzt die zweite Stufe“

Blick Richtung 2050: Um CO2-Einsparungen von 95 Prozent zu schaffen, müssen deutsche Kommunen vor allem den Gebäudebestand sanieren und bei allen Maßnahmen ihre Bürger mitnehmen, berichtet Rolf Warschun, Umweltamtsleiter in Magdeburg.

„Die Emissionen gehen seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr zurück. Darum brauchen wir eine neue Dynamik.“

Rolf Warschun, Leiter des Umweltamts Magdeburg

Der Klimawandel ist bei uns schon im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts angekommen: Wir hatten die Hochwasser 2002 und 2013 und dazwischen noch drei weitere. Die Meteorologen halten sich zwar sehr zurück damit, diese Hochwasser direkt auf den Klimawandel zurück zu führen. Aber natürlich wissen alle: Solche Wetterlagen werden häufiger. Das hat sicher dazu beigetragen, dass es bei der Abstimmung zum neuen Klimaschutzprogramm für die Stadt Magdeburg volle Zustimmung im Rat der Stadt gegeben hat – ohne Gegenstimme oder Enthaltung. Und auch die Zustimmung zum „Masterplan 100% Klimaschutz“ überwältigend ist.

Das Bekenntnis zum Klimaschutz ist für Magdeburg nicht neu: Schon 1992 hat die Stadt sich in der Aufbruchsstimmung nach der Wende verpflichtet, beim Klimaschutz besonders viel zu machen. Und heute sehen wir den Klimaschutz auch als Signal der Zukunftsfähigkeit, gerade an die politisch denkenden und jungen Menschen in der Stadt. Aber der Blick auf unsere CO2-Emissionen zeigt eben ganz ähnlich wie auf Bundesebene: Es passiert viel, wir haben etwa einen großen Teil der innerstädtischen Beleuchtung auf LED umgestellt, um Strom und Kosten zu sparen. Aber insgesamt gehen die Emissionen seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr zurück. Darum brauchen wir eine neue Dynamik. Wir wollen jetzt die zweite Stufe im Klimaschutz zünden.

95
Prozent CO2
wollen deutsche Kommunen bis 2050 einsparen.
1992
hat sich Magdeburg verpflichtet,
beim Klimaschutz aktiv zu sein.
2013
hat Magdeburg
ein umfassendes Energie- und Klimaschutzprogramm verabschiedet.
seit 10
Jahren
stagniert der Emissionsrückgang in Deutschland.

Ein selbsttragendes Modell

Und dazu brauchen wir auch die dena: Mit dem Modellprojekt „Energieeffizienz-Kommune“ konnten wir uns ein Managementsystem für den Klimaschutz erarbeiten, das weit über die Dauer des Projektes hinaus Kontinuität in die Arbeit bringt; mit dem wir verlässliche Emissionsbilanzen erstellen und Arbeitsgruppen etablieren. Dadurch ist hier jetzt ein selbsttragendes Modell entstanden.

Wenn man auf die Quelle der Emissionen schaut, dann ergeben sich daraus die Prioritäten unserer Arbeit: Energiebedarf in den Wohnungen, Ämtern und Büros ist ein wichtiges Thema. Unser Hauptarbeitsfeld ist der Bestand und da ist es wichtig, die Menschen in Magdeburg einzubinden. Darum machen wir Projekte mit Signalwirkung: Etwa die energetische Sanierung von Wohnungen im 5.000 Einwohner-Stadtteil Buckau. Da bekommen die Eigentümer Fördergelder vom Bund und wir haben die finanziellen Mittel, um diese Maßnahmen auch zu kommunizieren. Bei der Wärmeversorgung steht Magdeburg insgesamt nicht schlecht da: In den neunziger Jahren wurden viele Wohnungen auf Gasheizung umgerüstet und ein großer Teil der Stadt wird über ein Nahwärmenetz versorgt.

Ein Modal-Split von 1:1:1:1

In der Verkehrsentwicklung streben wir einen Modal-Split von 1:1:1:1 an – also eine gleichmäßige Verteilung der Personenkilometer auf Rad, öffentlichen Verkehr, Auto und Fußgänger. Das ist gerade für eine Automobilgeprägte Stadt wie Magdeburg eine kleine Revolution. Und ich bin gespannt, wie die Diskussion zwischen Stadtrat und Bürgerschaft verlaufen wird. Wir hatten kürzlich eine Delegation aus China zu Besuch, die uns erklärte, dass sie zur Förderung des Radverkehrs einfach die Autoparkplätze beseitigt hätten – so was können und wollen wir nicht.

Wie gestaltet sich die urbane Energiewende in chinesischen Städten? Nicole Pillen, stellvertretende Bereichsleiterin Energieeffiziente Gebäude bei der dena, berichtet über die Entwicklungen in Jingzhou.

Das Gute an dem jetzigen Masterplankonzept: Wenn man sich lediglich das Ziel setzt, bis 2050 mehr oder weniger CO2-frei zu sein, dann kann man dieses Ziel in der Tagespolitik schnell aus den Augen verlieren. Im Masterplan setzen wir uns Zwischenziele, die regelmäßig überprüft werden. So sehen wir sehr direkt, ob wir auf dem richtigen Kurs Richtung Klimaschutz sind.

Rolf Warschun ist Leiter des Umweltamtes der Stadt Magdeburg, die 2013 als dena-Energieeffizienz-Kommune zertifiziert wurde.

Dieses Interview ist ein Auszug aus unserem neuen Unternehmensmagazin „transition“.

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