Energetische Sanierung in der Ukraine

Über die eigenen vier Wände hinaus

Wie überzeugt man die Eigentümergemeinschaften von 20 Mehrfamilienhäusern in der Ukraine von einer umfassenden Sanierung? Wie räumt man Bedenken in puncto Finanzierung oder Umsetzung der Baumaßnahmen aus?

Der Eigentümer dieses Mehrfamilienhauses nimmt am dena-Modellvorhaben teil Foto: Quelle: Deutsche Energie-Agentur

Diese Fragen standen im Fokus eines zweitägigen Seminars, das die dena gemeinsam mit ihren Projektpartnern Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa (IWO) e. V. und dem Kompetenzzentrum Großsiedlungen e. V. Mitte März in Kiew veranstaltete. Erstmals trafen die Vorsitzenden der Eigentümergemeinschaften der 20 am Modellvorhaben „Deutsch-Ukrainische Effizienzhäuser“ teilnehmenden Häuser, zuständige Vertreter der Kommunen, technische Fachleute und weitere Stakeholder des Projekts aufeinander, um sich auszutauschen und zu vernetzen. Die dena nutzte das Seminar, um ihnen den Weg zu einer energetischen Sanierung zu erläutern und sie auf die weitere Arbeit mit den Bewohnern der Häuser vorzubereiten.

Besondere Eigentümerstruktur in der Ukraine

Das dena-Modellvorhaben in der Ukraine sieht vor, 20 Mehrfamilienhäuser umfassend energetisch zu modernisieren. Die Bestandsaufnahme der Häuser ist abgeschlossen, ein Großteil der Sanierungskonzepte erstellt – die wichtigste Rolle in der jetzigen Projektphase spielen die Bewohner der Mehrfamilienhäuser. Denn die Eigentümerstrukturen in der Ukraine sind mit denen in Deutschland nicht vergleichbar: Nach dem politischen Umbruch wurden Anfang der 1990er-Jahre in einer Privatisierungswelle die meisten Wohnungen fast kostenfrei an die Bewohner übergeben. Sie wurden somit zu neuen Eigentümern und fühlten sich zwar für ihre Wohnung verantwortlich, nicht aber für das Gemeinschaftseigentum wie Keller oder Dächer. So investierten sie, wenn überhaupt, in Einzelmaßnahmen wie die Dämmung der zu ihren Wohnungen gehörenden Außenwände oder in eine eigene Heizung. Als Teilnehmer am Modellvorhaben sollen die Eigentümer jetzt die Verantwortung für ihre Häuser übernehmen und sich mehrheitlich für eine umfassende Sanierung aussprechen – keine einfache Entscheidung.

Im Fokus: Kommunikation mit Bewohnern und Best Practice-Beispiele

Wie können die Eigentümergemeinschaften die Bewohner zu einer Sanierung motivieren? Das war das Schlüsselthema der Veranstaltung. Die Referenten – neben Vertretern der dena und des IWO auch einige Fachexperten – konnten nicht nur auf erfolgreiche Beispiele der Plattenbausanierung aus Ostdeutschland verweisen. Die Erfolgsgeschichten von zwei teilweise sanierten Mehrfamilienhäusern in der Ukraine zeigten den Teilnehmern, was mit Engagement und Gestaltungswillen bereits heute in der Ukraine möglich ist: Die beiden Vertreter der Wohnungseigentümergemeinschaften hatten selbst Kredite aufgenommen und erste Sanierungsmaßnahmen erfolgreich umgesetzt. Vor diesem Hintergrund wurde klar, dass die Sanierungskonzepte der dena für die Teilnehmer des Modellvorhabens zwar ambitioniert, aber realistisch sind. Die dena stellte eins davon beispielhaft vor.

Während des zweitägigen Seminars erläuterte die dena den Teilnehmern den Weg zur energetischen Sanierung Foto: Quelle: Deutsche Energie-Agentur

Modellvorhaben Deutsch-Ukrainische Effizienzhäuser Ein von der dena, der Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa (IWO) und dem Kompetenzzentrum Großsiedlungen organisiertes Gebäudesanierungsprojekt in der Ukraine stößt auf große Resonanz. Im Mittelpunkt stehen 20 Modellvorhaben zur energetischen Sanierung von Mehrfamilienhäusern in der Ukraine.

Die Finanzierung bleibt eine Herausforderung

Die vorgeschlagenen Effizienzmaßnahmen und die damit verbundenen Einsparmöglichkeiten gehen über die übliche Praxis in der Ukraine weit hinaus und stießen auf großes Interesse – auch wenn bislang ein nationales Förderprogramm für energieeffiziente Sanierung fehlt. Vertreter aus vier Städten gaben Einblick in die Finanzierungsmöglichkeiten auf kommunaler Ebene. Ihre Vorträge machten einmal mehr deutlich, dass es vielerorts ein ausgeprägtes Problembewusstsein und Initiativen gibt, ein übergreifender Ansatz aber fehlt. Die dena wird hierfür Vorschläge erarbeiten.

Die nächsten Schritte im Modellvorhaben

Nach dem Seminar haben die Vorsitzenden der Eigentümergemeinschaften wertvolle Tipps und Erfolgsgeschichten im Gepäck, um die Bewohner ihrer Häuser von den Sanierungskonzepten zu überzeugen und sie dazu zu bringen, sich für eine Sanierung zu entscheiden. Auch hierbei unterstützen die dena und die Projektpartner die Teilnehmer.