SolShare

Tausche Sonne gegen Geld

Private Solaranlagen sind eine großartige Erfindung, haben aber einen Nachteil: Rund 30 Prozent des erwirtschafteten Stroms gehen in der Regel einfach verloren. Dass man mit dem Drittel etwas sehr Sinnvolles anstellen kann, zeigt das Unternehmen ME SolShare, das Ende 2015 in Bangladesch an den Markt gegangen ist.

Mit der SolBox können Eigentümer einer Solaranlage überschüssigen Strom an Nachbarn verkaufen. Das so erwirtschaftete Geld wird sofort in einer Bezahl-App auf dem Smartphone gutgeschrieben, deren Guthaben man für Mobile Payments nutzen kann, einem in Bangladesch weit verbreiteten System. Andererseits bezieht man Strom vom Privatanbieter, indem man in derselben App Prepaid-Guthaben lädt. Ständig ist man in beiden Fällen per App über das Guthaben informiert.

Mit der SolBox von SolShare können Eigentümer einer Solaranlage überschüssigen Strom an Nachbarn verkaufen. Foto: wagner-solar.com

Gründer Sebastian Groh hat seine Doktorarbeit über die Rolle von Energie in Entwicklungsprozessen mit Schwerpunkt auf ländlichen Gegenden verfasst und sich im Rahmen der Forschung mit verschiedenen Modellen beschäftigt. Schnell kam er auf Bangladesch als interessanten Markt: „Dort gab es schon damals drei Millionen Solar-Home-Anlagen, weltweit waren es sechs Millionen – ein echter Ausreißer.“ Als er seine Idee bei einem Entrepreneur-Programm der Stanford University vor Geldgebern pitchte, „meinten sie: ‚Ganz nett, aber ihr seid einfach nicht authentisch – keiner von euch lebt in Bangladesch!‘“ Also musste Groh ran. Noch während er die Doktorarbeit schrieb, mietete er in der Hauptstadt Dhaka schon die Büroräume an. Er ging nur noch zur Verteidigung nach Deutschland, Bangladesch war schnell Lebensmittelpunkt.

Ende 2014 kamen zwei Kollegen nach, die sich mit ihm um die Verfeinerung des Modells und der Bezahl-plattform kümmerten, die erst noch geschaffen werden musste. Mittlerweile steht die Skalierung an: Ein Investor aus dem Nachbarland Indien hat SolShare in einen Accelerator gebracht, in dem Start-ups für eine bestimmte Zeit in ihrer Entwicklung unterstützt werden. Wenn alles gut geht, so Groh, beginnt das Start-up-Coaching-Programm schon 2018. Der Riesenmarkt Indien dürfte gleichermaßen eine echte Probe sein und gewaltige Chancen mit sich bringen. Außerdem beobachtete Groh, dass sich mittlerweile andere mit seinem System derart intensiv beschäftigen, dass man es schon kopieren nennen muss: „Ein Unternehmen in Kambodscha und eines in Tansania, das ist sehr ähnlich.“ Er lacht: „Aber das zeigt ja auch, dass die Idee so schlecht nicht sein kann.“