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Schritt für Schritt zum sanierten Haus

Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) kann helfen, Hauseigentümer für eine energetische Modernisierung zu gewinnen. Die ersten Erfahrungen mit dem neuen Instrument der Energieberatung sind positiv.

Undichte Fenster, Fassade und Dach ohne Dämmung, im Keller eine alte Ölheizung: Für Energieberater Lutz Badelt war das in die Jahre gekommene Einfamilienhaus ein klarer Fall – aus energetischer Sicht stand eine Komplettsanierung an. Für den Eigentümer, einen Rentner, kam das nicht infrage. Aufwand, Stress und hohe Kosten wollte er sich in seinem Alter nicht antun. Badelt empfahl seinem Kunden deshalb ein besonderes Instrument: den individuellen Sanierungsfahrplan, kurz iSFP. „Ein solcher Plan listet die möglichen Verbesserungsmaßnahmen auf und fasst sie zu Paketen zusammen, die zeitlich aufeinander abgestimmt sind. Außerdem enthält er erste Einschätzungen zu möglichen Energieeinsparungen und Kosten. Die Hausbesitzer können dann entscheiden, ob sie alles in einem Rutsch umsetzen oder nach und nach“, erklärt der Energieberater aus Altlandsberg bei Berlin.

Der individuelle Sanierungsfahrplan ermöglicht ein schrittweises Vorgehen bei der energetischen Sanierung. Foto: dena/Sönnecken

Wie bei jeder Energieberatung nehmen die Experten beim individuellen Sanierungsfahrplan das gesamte Haus ins Visier, vom Keller bis zum Dach und von der Gebäudehülle bis zur Anlagentechnik. Der wesentliche Unterschied ist, dass der iSFP ein schrittweises Vorgehen ermöglicht, die Ergebnisse sind zudem anschaulich aufbereitet. „Das nimmt den Immobilienbesitzern die Angst vor der Sanierung“, weiß Badelt.
Am Anfang der Beratung steht immer ein ausführliches Gespräch mit den Eigentümern der Immobilie, bei dem der Energieberater grundlegende Fragen klärt: Was soll das Ziel der Sanierung sein – steht die Energieeinsparung im Vordergrund oder sind weitere Umbauten geplant, etwa ein neues Bad? Wer nutzt die Immobilie und wie sieht der Tagesrhythmus der Bewohner aus? Welches Budget steht zur Verfügung? Der Experte macht sich zudem ein genaues Bild vor Ort. Auf dieser Basis entsteht dann der Sanierungsfahrplan, der passgenau auf die Bedürfnisse und Verhältnisse vor Ort zugeschnitten ist.

Seit 2017
ist der iSFP als neues Instrument der Energieberatung
bundeseinheitlich verfügbar.
Ca. 33 %
der vom BAFA geförderten Energieberatungen
entfällt aktuell auf individuelle Sanierungsfahrpläne.
Max. 1300
Euro bezahlt der Staat als Förderung für die Kosten
von Energieberatungen von Ein- und Zweifamilienhäusern.
Max. 1700
Euro bezahlt der Staat als Förderung für die Kosten
von Energieberatungen von Mehrfamilienhäusern.

Orientierung für Hauseigentümer

Seit 2017 ist der iSFP als neues Instrument der Energieberatung bundeseinheitlich verfügbar, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert die Erstellung. Die Methodik und die Vorlagen für den Beratungsbericht entwickelte die dena in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut ifeu und dem Passivhaus Institut im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums. „Mit dem iSFP eröffnet sich Hauseigentümerinnen und -eigentümern eine Sanierungsperspektive, an der sie sich langfristig orientieren können“, erklärt dena-Expertin Katharina Bensmann. Im Fokus der Beratung stehe immer ein Gesamtkonzept für das Gebäude. „Diese ganzheitliche Betrachtung stärkt die Qualität der Energieberatungen“, betont die dena-Expertin.

Grundlegende Fragen bei der Energieberatung

Welches Budget steht zur Verfügung?

Wie sieht der Tagesrhythmus der Bewohner aus?

Wer nutzt die Immobilie?

Was soll das Ziel der Sanierung sein?

Energieberater Lutz Badelt arbeitet schon länger erfolgreich mit individuellen Ansätzen bei der Energieberatung. Er brachte seine Erfahrungen bei der Entwicklung des iSFP mit ein. Verständlichkeit für die Bauherren und hohe Nutzerfreundlichkeit für die Energieberater waren dabei entscheidend. So hebt Badelt die vielfältigen Arbeits- und Hilfsmittel hervor, auf die Energieberater online zugreifen können, wenn sie einen iSFP erstellen.

„Mit dem iSFP eröffnet sich Hauseigentümerinnen und -eigentümern eine Sanierungsperspektive, an der sie sich langfristig orientieren können.“

Katharina Bensmann, Leiterin Planung und Beratung Energieeffiziente Gebäude bei der dena

„Die Grafiken geben den Eigentümerinnen und Eigentümern einen Überblick über Kosten und Nutzen der einzelnen Maßnahmen. Wer es genauer wissen will, kann sich in der Umsetzungshilfe mit den detaillierten Beschreibungen ausführlich informieren“, erklärt der Experte. Die Praxis zeige, dass Hauseigentümer eine übersichtliche und kompakte Darstellung sehr schätzten.

Motivierender Ansatz

Die Zwischenbilanz nach rund zwei Jahren iSFP in der Praxis fällt positiv aus. „Unser Ziel war, ein Instrument zu entwickeln, das Eigentümerinnen und Eigentümer motiviert“, sagt Katharina Bensmann: „Die Rückmeldungen der Beraterinnen und Berater zeigen, dass dies gelungen ist.“ Etwa ein Drittel der vom BAFA geförderten Energieberatungen entfalle aktuell auf individuelle Sanierungsfahrpläne – Tendenz steigend.
Auch für den Rentner mit dem sanierungsbedürftigen Einfamilienhaus war der modulare Ansatz des iSFP genau das Richtige, berichtet Energieberater Badelt. „Er schreibt mir jedes Jahr einen handschriftlichen Brief, in dem er stolz berichtet, welche Maßnahmen aus dem Sanierungsfahrplan er in den vergangenen Monaten umgesetzt hat“, erzählt Badelt schmunzelnd: „Zuletzt schrieb er mir, dass er nicht nur Energie spart, sondern dass auch seine Rückenschmerzen verschwunden sind – weil es jetzt nicht mehr zieht, wenn er in seinem Lesesessel sitzt.“

 

Individueller Sanierungsfahrplan (iSFP)

Die Ergebnisse einer Energieberatung, anschaulich und leicht verständlich – das bietet der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP). Seit Juli 2017 ist das neue Instrument der Energieberatung bundeseinheitlich verfügbar. Mithilfe eines Onlinetools können Energieberater auf standardisierte Vorlagen zurückgreifen, die ihnen die Arbeit erleichtern: „Mein Sanierungsfahrplan“ fasst alle wichtigen Informationen einer Beratung für die Kunden kompakt zusammen, die Umsetzungshilfe enthält vertiefende Erläuterungen.

Das Fachportal Energieeffizientes Bauen und Sanieren (FEBS) bietet für Energieberater eine Reihe von Checklisten, eine Kurzanleitung und ein Handbuch zum iSFP an. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bezuschusst die Erstellung von iSFPs im Rahmen seines Förderprogramms für Wohngebäude-Energieberatungen: Bei Ein- und Zweifamilienhäusern übernimmt der Staat bis zu sechzig Prozent der förderfähigen Beratungskosten, maximal 1.300 Euro. Bei Mehrfamilienhäusern liegt die Fördersumme bei bis zu 1.700 Euro.

Quelle Headerbild: getty Images

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Projekt

FEBS – Fachportal Energieeffizientes Bauen und Sanieren

Das FEBS – Fachportal Energieeffizientes Bauen und Sanieren stellt ein breites Angebot für Profis aus Energieberatung, Architektur, Ingenieurwesen und Handwerk bereit, die im Bereich des energetischen Bauens und Sanierens tätig sind. Im Auftrag des BAFA bietet die dena Experten ein Gesamtpaket aus Webangebot, Publikationen und Dialog und zielt darauf ab, die Qualität energetischen Bauens und Sanierens zu stärken.

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