Tado

Schön aufdrehen

Ein bisschen klingt es schon wie ein Märchen: Abends in einem angenehm gelüfteten Zimmer einschlafen, morgens in einem dezent geheizten Zimmer aufwachen, das sich tagsüber von selbst runterregelt – und dadurch auch noch Kosten sparen und die Umwelt schonen.

Smart Home: Mit App und Sensorik die Raumtemperatur im Griff. Foto: Shutterstock / Stanisic Vladimir

Was Christian Deilmann und sein Mitgründer Johannes Schwarz mit ihrem Münchner Start-up Tado seit mittlerweile sechs Jahren anbieten, klingt für viele nach Zauberei – noch. „Die Kunden müssen tatsächlich erst einmal die Vorteile von intelligenten Thermostaten verstehen – höherer Komfort, Einsparungen bis zu einem Drittel und deutlich mehr Transparenz bei den Kosten“ sagt Deilmann über die smarte Heizungssteuerung seiner Firma. Technisch funktioniert das so, dass Kunden digitale und mit Wärmesensoren ausgestattete Thermostate an ihren Heizkörpern und Fußbodenheizungen anbringen, die Wärme unter Berücksichtigung der Wettervorhersage über eine App regeln und die Kosten im Blick behalten können.

Auch wenn die Vorteile klar sind, die Entwicklung in Deutschland geht bislang noch langsam voran – oder zumindest nicht so schnell, wie sie sein könnte. Immerhin wächst Tado rasant, mehr als 100 Prozent Wachstum pro Jahr sind möglich. „Unsere größte Herausforderung über die letzten Jahre war es, eine komplett neue Produktkategorie zu entwickeln und damit einen ganz neuen Markt zu etablieren“, sagt Deilmann. Seit aber Google 2014 den amerikanischen Tado-Konkurrenten Nest für 3,2 Milliarden Dollar gekauft hat, ist Bewegung in den Markt gekommen. Und Deilmann ist optimistisch: Während in den Niederlanden schon bis zu 15 Prozent der Haushalte ihre Heizungen smart steuern, sind es in Deutschland noch unter einem Prozent. Derzeit konzentriert sich Tado mit knapp 150 Mitarbeitern auf den Markt in Westeuropa, Deutschland, Großbritannien, Benelux, aber auch Frankreich, Italien und Spanien. Spätestens seit aber im Frühjahr 2016 der tschechische Energiekonzern Čez durch einen Venture-Capital-Fond 20 Millionen Euro in Tado investierte, steht auch Osteuropa auf dem Plan der Münchner. Europäischer Marktführer ist Deilmanns Unternehmen bereits. Aber es ist immer noch viel Luft nach oben. Luft, die die dank Tado genau die richtige Temperatur haben wird.