Besuch im Hybridkraftwerk

In Prenzlau gibt es Strom in Flaschen. Und was hat die dena damit zu tun?

Die Power-to-Gas-Technologie, wie sie im Hybridkraftwerk Prenzlau erprobt wird, könnte die Lösung für eine der größten Herausforderungen der Energiewende sein: Mit ihr wird Ökostrom in Gas umgewandelt und damit speicherbar. Bei einem Besuch im Kraftwerk erfahren wir, wie diese Technologie funktioniert, welchen Wert sie für die Zukunft der Stromversorgung hat und welche Rolle die Strategieplattform der dena dabei spielt.

Wer auf den langen Straßen Brandenburgs unterwegs ist, könnte leicht übersehen, dass genau hier an der Zukunft der Energiewende gearbeitet wird. Im Vergleich zu den vielen Windkraftanlagen wirkt das Hybridkraftwerk in der Nähe von Prenzlau recht unscheinbar: eine einfache Betonhalle, drei Gastanks, zwei Silos – von der Straße aus kaum größer als ein Brandenburgischer Bauernhof. Der Schriftzug „Hybridkraftwerk“ und ein paar aufgemalte Wasserbläschen deuten aber darauf hin, dass hier tatsächlich etwas Neues passiert.

„Mit Power to Gas werden die Erneuerbaren fahrplanfähig.“

Jörg Müller, ENERTRAG

Zur Zeit seiner Inbetriebnahme im Jahr 2011 war das Kraftwerk europaweit die erste Anlage, die Wind, Wasserstoff und Biogas zu einem Verbund zusammenführte – und zwar mithilfe der sogenannten Power-to-Gas-Technologie (P2G). Dabei wird Strom aus erneuerbaren Quellen in Gas umgewandelt und damit speicherbar. Diese grüne Energie kann auch dann abgerufen werden, wenn gerade kein Wind weht oder die Sonne mal nicht scheint.


Wie das geht?

In Prenzlau scheinbar wie von Zauberhand. Das Werksgelände ist praktisch menschenleer, der Betriebsablauf ist voll automatisiert. Im Inneren des zentralen Gebäudes dröhnen laute Maschinen, unzählige Rohre verlaufen entlang der Wände. Knapp unterhalb der Decke hängt ein durchsichtiger Wassertank, von dem aus das Wasser in den sogenannten Elektrolyseur fließt: zwei Kapseln, auf denen 02 und H2 steht – also Sauerstoff und Wasserstoff.

So funktioniert das Hybridkraftwerk

Tatsächlich wird hier mithilfe von Strom, der zuvor in drei Windturbinen erzeugt wurde, durch ein Elektrolyse-Verfahren Wasser gespalten. Der dabei entstehende Wasserstoff kann gespeichert oder wieder in Strom umgewandelt werden. Außerdem lassen sich mit dem Wasserstoff auch Brennstoffzellenfahrzeuge antreiben.

Land der Potenziale

Betrieben wird das Kraftwerk vom Windkrafterzeuger ENERTRAG. Gemeinsam mit der Deutschen Energie-Agentur (dena) setzt sich das Unternehmen im Rahmen der Strategieplattform Power to Gas für die Weiterentwicklung dieser Technologie ein. Die Plattform betreibt die dena mit insgesamt 30 Partnern aus Wirtschaft, Forschung und Verbänden.

Im Zuge dieser Kooperation hat die dena einen Potenzialatlas erstellt, um gezielt die Möglichkeiten zu erforschen, die Power to Gas in den verschiedenen Regionen Deutschlands hat. Der Atlas soll dabei helfen, geeignete Standorte für ähnliche Anlagen zu finden.

Ganz einfach Wind tanken

Mit dem starken Ausbau erneuerbarer Energien gewinnt auch die Power-to-Gas-Technologie zunehmend an Bedeutung. Sie ist zentral für die zweite Phase der Energiewende, auch weil sie die Kopplung vieler unterschiedlicher Systeme bedeutet.  „Nicht alle Energie, die nun gewonnen wird, wird immer im gleichen Moment von den bisherigen Stromverbrauchern benötigt – wohl aber zeitverzögert in anderen Sektoren,“ sagt ENERTRAG-Chef Jörg Müller. „Die Aufgabe lautet deshalb: Nutzung des erneuerbar erzeugten Stroms in der Mobilität und in der Wärme. Dafür braucht es P2G. Erneuerbare Energie wird damit fahrplanfähig.“

Wie das erzeugte Gas in der Mobilität genutzt werden kann, lässt sich in Prenzlau gut beobachten. Direkt an der Zufahrtsstraße entsteht derzeit eine Anlage zur Befüllung von Gasflaschen, daneben gibt es aber bereits ein Ventil, an dem große Tanklaster mit Gas befüllt werden können. Diese bringen den Wasserstoff an die Tankstellen in Berlin und Hamburg. 120 Kubikmeter Wasserstoff kann die grüne Raffinerie hier pro Stunde liefern. Damit kann ein Auto etwa 1.200 Kilometer weit fahren. Das Gas ermöglicht so umweltfreundliche Mobilität.

„Schon heute heizen über 10.000 Kunden von Greenpeace Energy anteilig mit Wasserstoff aus der Uckermark.“

Jörg Müller, ENERTRAG

Der zweite Verwendungszweck des Wasserstoffs zeigt sich am anderen Ende der Anlage. Hier führt ein silbernes Rohr von der zentralen Halle zu einem kleinen Seitengebäude. Durch die Leitung – kaum dicker als ein gewöhnliches Heizungsrohr – wird der Wasserstoff in das bestehende Gasnetz eingespeist und kann so zur Wärmeerzeugung eingesetzt werden. „Schon heute heizen über 10.000 Kunden von Greenpeace Energy mit anteiligem Wasserstoff aus der Uckermark,“ so Jörg Müller von ENERTRAG. „Das ist ein Riesenerfolg für den Klimaschutz und zeigt den Weg auf, den wir nun verstärkt beschreiten müssen.“

Die Keimzelle einer neuen Wirtschaft

Tatsächlich kommt das Kraftwerk in Prenzlau gänzlich ohne fossile Energieträger aus und zeigt damit, dass eine konstante Versorgung durch erneuerbare Energien – speziell durch Windenergie – möglich ist. Zwar ist die Anlage ein Demonstrationskraftwerk, das Besondere aber ist, dass das Kraftwerk bereits als Geschäftsmodell funktioniert. Und zwar durch sein integratives Konzept. Das Verbundkraftwerk ist damit einzigartig in seiner Größe und Nutzungsvielfalt.

Das Innovative des Hybridkraftwerks ist die intelligente Speicherung und Nutzung von erneuerbarer Energie. Schon heute gibt es 20 ähnliche Kraftwerke in ganz Deutschland. Das Modell könnte sogar zur Keimzelle einer neuen, dezentralen Wirtschaft werden – mit der kompletten Wertschöpfungskette im eigenen Land.

Am Horizont liegt die Zukunft

Das Kraftwerk in Prenzlau ist ein Pilotprojekt, das die Funktionsfähigkeit dieser Technologie beweist. Allerdings fehlen derzeit noch die politischen Voraussetzungen zur effizienten Umsetzung der Energiewende. Genau das soll die Strategieplattform der dena ändern. "Die gute Botschaft lautet, dass eine schrittweise Dekarbonisierung der Energieerzeugung möglich ist, die nicht automatisch mit steigenden Kosten einhergeht,“ so Jörg Müller. „Im Gegenteil haben wir erfolgreich bewiesen, dass eine bedarfsgerechte Energieerzeugung auf Basis fluktuierender Energiequellen darstellbar ist.“

Besteigt man den kleinen Hügel, der sich hinter der Maschinenhalle des Kraftwerks erhebt, versteht man sofort, welche Entwicklung unsere Energieversorgung nehmen könnte. Von hier aus fällt der Blick auf eine Neubausiedlung inmitten der Felder. Auf Häuser, die bereits heute mit Energie aus dem Hybridkraftwerk beliefert werden. Es ist eine Aussicht, die zwei Dinge deutlich macht: Technisch ist die Energiewende schon heute möglich – und dort, am Horizont, liegt die Zukunft.

Weitere Informationen zu Power to Gas auf www.powertogas.info.

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