Start Up Energy Transition Award gestartet

Ein Globus voller Innovationen

Auf der COP 23 in Bonn starten dena und World Energy Council die Bewerbungsrunde für den Start Up Energy Transition Award. Wie im Vorjahr erwarten die Initiatoren eine Teilnahme von jungen Unternehmen aus der ganzen Welt.

Die begehbare Erdkugel im Bonner Climate Planet. Foto: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) / Matzke Foto

Mitten über den Zuhörern schwebt ein übergroßer Erdball in der schwarzen Kuppel des Climate Planet: eine riesige begehbare Erdkugel. Auf dem Planeten im Planeten geht die Welt auf Zeitreise: Von der unförmigen Lavamasse der Ur-Erde über die Bildung der Ozeane bis zu den Kontinenten, wie wir sie heute kennen. Die Gäste, die den Raum betreten, bleiben einen Moment staunend stehen. Das globusförmige Zelt in den Bonner Rheinauen am Rande der COP 23 ist ein unkonventioneller Rahmen für ein unkonventionelles Projekt.

„Wir haben inzwischen eine Art ‚Moore’s law‘ mit den erneuerbaren Energien: Alle vier bis fünf Jahre verdoppelt sich die Innovation.“

Nick Nuttall, Kommunikationschef des UNFCCC

„Diese Idee von der dena ist genau das, was die Welt jetzt braucht“, sagt Nick Nuttall, Sprecher der UN Framework Convention on Climate Change (UNFCCC). Die Idee, von der Nuttall spricht, ist der Start Up Energy Transition Award (SET-Award), bei der sich zeigt, wie viele junge Unternehmen aus aller Welt an der Lösung der Klimafragen mitarbeiten wollen. Die Technologie, die Konzepte sind da, so Nuttall. Was es brauche, seien politische Handlungssicherheit und Investoren, die auf die neuen Ideen von Start-ups aufmerksam gemacht werden. Die Verbindung aus Ökologie, Ökonomie und Politik. 

Die Zweidrittelkluft füllen

Während andernorts auf der Weltklimakonferenz Politikerinnen und Politiker um länderübergreifende Einigung ringen, treffen im abgedunkelten Inneren des Climate Planet Menschen aufeinander, die an ganz konkreten Lösungen arbeiten. Die heutige Herausforderung benennt der Kanadische Botschafter in Berlin, Stéphane Dion: „Das Pariser Abkommen sorgt nur für ein Drittel der Einsparungen die notwendig sind, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen.“ Sein Land unterstützt darum den SET-Award als offizielles Partnerland. „Diese Kluft müssen wir füllen. Jedes einzelne Element, das die Menschheit in die richtige Richtung bringt, ist ein Gewinn.“ Die Energie- und Klima-Start-ups spielen dabei eine wichtige Rolle.

Neben Klima und Jungunternehmern profitieren auch deren Investoren und Business-Angel: „Wir sind da auch etwas opportunistisch“, gibt Stefan Ramesohl, Head of Innovation bei E-ON, in der Panel-Diskussion zu. Die Zusammenarbeit mit der Start-up-Szene helfe dem Konzern, sich zu verjüngen und neue Ideen zu entwickeln. „Wir können diese kreativen Lernplattformen selbst nicht bereitstellen, aber wir brauchen sie.“

Auch die Start-ups haben große Vorteile durch diesen direkten Austausch. Die Teilnahme beim SET-Award bringt zudem Aufmerksamkeit: „Wir sind mit Akteuren zusammengekommen, von denen wir nicht einmal ahnten, dass sie Interesse an uns haben könnten“, schwärmt Hannes Kirchhoff, Chief Technology Officer bei MESolShare, einem Gewinner des ersten SET-Awards. MESolShare schließt Solarpaneelen in Bangladesch zu „Micro-Grids“ zusammen und hebt so die Gesamtleistung der Nutzerinnen und Nutzer. Hierdurch wird einerseits der Stromhandel unter den Nutzern möglich, andererseits entsteht das Potenzial, in den Mobilitätssektor zu expandieren: So können E-Rikschas auch Gebiete jenseits des bisherigen Stromnetzes erschließen.

Von solchen Netzwerkeffekten will auch Frédéric Perron-Welch, Sustainable Development Director des kanadischen Start-ups Earth Alive, profitieren: „Wir werden uns auf jeden Fall dieses Jahr um den Award bewerben“, versichert er, nachdem Dutzende Visitenkarten die Hände gewechselt haben. Earth Alive hat eine Art Mikroorganismen-Impfstoff entwickelt, um den Pestizideinsatz auf Feldern und die Staubemissionen in Minen zu verringern. „Die Kontakte helfen uns bestimmt, in den europäischen Agrarmarkt einzusteigen“, hofft Perron-Welch. Wie Earth Alive werden auch dieses Jahr wieder Hunderte Unternehmen aus der ganzen Welt an der Ausschreibung teilnehmen. Diese Internationalität sei einzigartig unter Start-up-Wettbewerben, betonen Investoren, Partner und Entrepreneure gleichermaßen.

„Wir müssen das Innovati-onspotential nur sichtbar machen.“

Andreas Kuhlmann, Vorsit-zender der dena-Geschäftsführung

Die Dynamik ist da – bloß noch nicht sichtbar

Die Erweiterung der vorhandenen Preiskategorien um den Sektor „Energy, Water & Food“ wird noch mehr Start-ups zur Teilnahme motivieren, erwarten die Initiatoren – im letzten Jahr waren es schon über 500. „Speicher sind dabei das nächste große Thema“, antwortet Christoph Wolff, Managing Director der European Climate Foundation auf die Frage, welcher Sektor in der kommenden Ausschreibung am ehesten zum Zuge kommen könnte. „Wenn ich mich auf eins festlegen müsste, wäre es das.“ Der Initiator und Vorsitzende der dena-Geschäftsführung Andreas Kuhlmann ist sich da noch nicht so sicher. „Ich lasse mich da gerne überraschen!“, sagt er. Innovation und Dynamik fänden sich schließlich in allen zur Wahl stehenden Kategorien. „Wir wollen dieses Innovationspotenzial sichtbar machen – damit es realisiert werden kann und Politik die Rahmenbedingungen entsprechend anpassen kann.“

Als der offizielle Launch vorbei ist, treffen sich Start-up-Unternehmer und Finanziers rund um den Climate Planet, um sich über zukünftige Projekte zu unterhalten. Der kanadische Botschafter musste sich schon früher verabschieden, es gibt viele wichtige Termine bei der COP. Das Sicherheitspersonal schließt die Türen. Zurück bleibt nur der langsam rotierende, über allem schwebende Erdball.

Im Frühjahr 2018, wenn die Gewinner des zweiten SET-Awards feststehen, werden wir wissen, welche neuen Ideen die Welt bewegen.

Weitere Informationen zum SET-Award