denaMagazin #5 09/2016

Menschen

Vordenker mit Bodenhaftung

Andreas Löschel ist Professor für Energie- und Ressourcenökonomik an der Universität Münster. Der 43-jährige Volkswirt hat noch eine weitere wichtige Aufgabe: Er berät die Bundesregierung in puncto Energiewende

"Die Energiewende wird nie in einen Masterplan integrierbar sein, dafür ist sie zu vielschichtig.“ Andreas Löschel Foto: Dominik Asbach

Die schönste Harmonie entsteht durch Zusammenbringen der Gegensätze“, schrieb der griechische Philosoph Heraklit. Vielleicht ist der Mensch Andreas Löschel deshalb so spannend. Der Lebenslauf des 43-jährigen Volkswirts ist beeindruckend: 17 Forschungsaufenthalte in acht Ländern, zahlreiche Publikationen und Gutachten. Trotz dieser beachtlichen Karriere wirkt der zwei Meter große Löschel aber recht geerdet, wenn man ihm gegenübersteht. 

Seit einigen Monaten ist der gebürtige Franke aus Rothenburg ob der Tauber Professor für Mikroökonomik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. So richtig eingerichtet hat er sich in seinem Büro schräg gegenüber des Schlossplatzes aber offenbar noch nicht. Außer einem Plakat für einen Klimapolitik-Workshop in Dublin hängen keine Bilder an der Wand, dafür stehen einige Umzugskartons mit Fachbüchern in der Ecke. Löschel ist eben sehr häufig in Berlin. Seit 2011 ist er Vorsitzender der Expertenkommission zum Monitoring-Prozess „Energie der Zukunft“ der Bundesregierung.

„Ich bin eher der zurückhaltende Typ und freue mich, wenn ein anderer in die Offensive geht“

Andreas Löschel, Professor für Energie- und Ressourcenökonomik

Dazu noch eine Exzellenzprofessur in Peking: Löschel ist viel in der Welt unterwegs und außerdem hat er eine Frau und vier Kinder. In einem Zeitungsporträt stand, für ihn müsste der Tag 48 Stunden haben. Den selbstbewussten Starökonomen gibt er aber keineswegs. „Ich bin eher der zurückhaltende Typ und freue mich, wenn ein anderer in die Offensive geht“, sagt er. 

Manchmal muss er dann doch aus sich herauskommen. Dann nämlich, wenn er die Arbeit der Bundesregierung beurteilen muss. In Sachen Energiewende macht das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie jedes Jahr eine Bestandsaufnahme und ein Expertenteam um Löschel ordnet das Geleistete ein, bewertet es und übt konstruktive Kritik. „Ich habe eine sehr privilegierte Position und diese Politikberatung ist mir wichtig“, betont Löschel. Dass es dabei auch heftige Kontroversen gebe, sei gut, das bringe Deutschland weiter. „Die Qualität der Diskussionen ist deutlich gestiegen.“

Netzausbau, Offshore-Windparks, Energieeffizienz, Klimaschutz – „es gibt viele Bereiche, wo wir noch längst nicht da sind, wo wir gerne wären“, stellt er fest. „Ich finde es positiv, dass die Bundesregierung das auch so konstatiert und nichts beschönigt.“ Und das viel kritisierte Projektmanagement? „Die Energiewende wird nie in einen Masterplan integrierbar sein, dafür ist sie zu vielschichtig.“ 

Die „neuralgischen Punkte“ kennt er genau. Sicher ist, dass sich der niedrige Ölpreis schlecht mit der Energiewende verträgt, nennt Löschel ein Beispiel. „Das ist ein Problem. Denn für zukunftsfähige Technologien wie Elektromobilität brauchen wir ja auch Abnehmer.“ Die Lösung wäre eine striktere Politik. Man könnte Emissionen stärker besteuern und so Anreize setzen, neue Technologien zu nutzen. Andererseits weiß er: „Wir dürfen hier nicht zu eng denken. Wenn wir nur das machen, nützt es nichts.“ 

Klima ist eben ein globales Thema, das hat Löschel früh erkannt. Im Rahmen seiner Promotion an der Universität Mannheim hat er sich von 1998 bis 2003 mit den wirtschaftlichen Folgen der Klimapolitik rund um das Kyoto-Protokoll befasst – Abschluss mit „summa cum laude“. Ob er diese hohen Maßstäbe auch bei seinen Studenten ansetzt? Löschel grinst. Er sieht sich gar nicht als den, der den Riesenwissensvorsprung hat. 

Bevor er in Münster antrat, war Löschel von der Lehre befreit. „Nun habe ich wieder das volle Programm und das macht mir Spaß.“ Dafür verzichtet er sogar auf sein Feierabendbier in einer der Münsteraner Kneipen – abends muss er seine Vorlesungen vorbereiten. Denn auch da will Löschel besonders gut sein und seine Zuhörer fesseln. „Die Studenten haben ein Recht darauf.“ (ew)

dena Magazin

Ausgabe #5, 06/2015

Ausgabe #5, 06/2015

Um sich wohlzufühlen brauchen Hausbesitzer mehr als das passende Interieur. Moderne energetische Sanierung sorgt für hohen Wohnkomfort. Vier Beispiele.