Waveco

Macht der Welle

Man könnte den pensionierten Geologen und Lehrer Inge Bakke aus dem kleinen norwegischen Städtchen Selje leicht für einen Verrückten halten. Ein freundlicher, älterer Herr, der mit 74 noch einen Beitrag zur Energiewende leisten will und eine eigene Art der Energieerzeugung erfunden hat: auf eine Art ist das schon überraschend. Überraschend ist an Bakkes Idee aber vor allen Dingen, dass sie keiner vor ihm hatte.

Inge Bakke: „Es gibt in den Ozeanen genug Energie für alle.“ Foto: Krockenmitte / Photocase.com

Bakke, der passionierter Segler ist, fiel eines Tages bei einer Fahrt durch den Fjord auf, wie viel Kraft das Meer allein durch den steilen Wellengang erzeugte. Bakke überlegte: Was, wenn man die Kraft des Meeres nutzen könnte, um Energie daraus zu gewinnen? Mit einer großen Turbine, wie bei einem Windrad, die einfach durch die Auf- und Abbewegung des Wassers angetrieben würde? Bakke googelte. Und fand: nichts. „Ich war auch überrascht, dass noch niemand auf diese Idee gekommen war“ sagt Bakke. Aber er fand auch heraus, dass er mit dieser Idee nicht ganz alleine war: Das Start-up Seabased aus dem schwedischen Lysekil will Generatoren auf dem Meeresboden verankern. Waves4Power, ebenfalls aus Schweden, entwickelt derzeit Pumpsysteme, bei denen der Wellengang Öl in einer Pumpe nach oben drückt und bei abfallendem Druck Energie erzeugt wird. Im finnischen Espoo hat das Start-up Wello Oy eine an der Wasseroberfläche herumtreibenden Schwimmkörper namens „The Penguin“ gebaut, der den Wellengang in Energie umwandelt. Und im nur wenige Kilometer von Bakkes Heimatstadt entfernten Raudeberg arbeitet das Team des Start-ups Havkraft an schwimmenden Windkraftparks. Aber auf die Idee mit der Turbine unter dem eigentlichen Wellengang, auf die war noch niemand gekommen. Bloß: Bakke wollte gar kein eigenes Start-up gründen.

„Ich bin Erfinder, kein Gründer!“ sagt er. „Außerdem bin ich dafür zu alt.“ Aber einfach aufgeben wollte Bakke auch nicht. Er sprach mit Leuten vom Fach, recherchierte, stellte sich bei Konferenzen vor, gründete schließlich doch ein Unternehmen namens Waveco und meldete die Entwicklung in Norwegen beim Patentamt an. Dann kontaktierte er einen Hersteller von Plastikröhren, mit dem er einen ersten Prototyp entwickelte. Und große norwegische Energiekonzerne und ein paar Universitäten, denen er die Entwicklung seines Projektes gerne weiterreichen würde. „Die Energiekonzerne“, sagt Bakke, „sind noch skeptisch.“ Im Frühjahr 2018 wird es an der Universität Bergen einen Kurs geben, der sich mit seiner Idee beschäftigen und Bakkes Entwurf in Wassertanks testen wird. Es sind kleine, oft anstrengende Schritte, aber die Richtung stimmt. Warum sich Bakke das in seinem Alter noch antut? Einfache Antwort: Aus Überzeugung. „Es gibt in den Ozeanen genug Energie für alle“, sagt Inge Bakke.