"Länderübergreifende Zusammenarbeit ist essenziell für die globale Energiewende"

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie betreibt die dena seit 2018 die Dialogplattform Urbane Energieinfrastruktur für Osteuropa und Zentralasien. Im Kurzinterview erläutert Dr. Falk Bömeke (Referatsleiter Bilaterale Energiekooperation, BMWi) die Bedeutung dieses internationalen Austauschprojekts.

Herr Bömeke, was ist der grundlegende Zweck der länderübergreifenden Dialogplattform Urbane Energieinfrastruktur?

Ganz grundlegend ist die Dialogplattform Urbane Energieinfrastruktur ein Instrument der Energieaußenpolitik. Das übergeordnete Ziel der Energieaußenpolitik wiederum ist die globale Energiewende beziehungsweise der Klimaschutz. Um den globalen Temperaturanstieg auf maximal 2 °C zu begrenzen, müssen wir international zusammenarbeiten. Wenn jedes Land sein eigenes Süppchen kocht, kommen wir nicht schnell genug voran. Länderübergreifende Zusammenarbeit ist essenziell für die globale Energiewende.

Deutschland bildet daher gemeinsam mit Ländern, die ebenfalls einen Transformationsprozess ihrer Energiesysteme anstreben, Netzwerke zur Zusammenarbeit. Und die Dialogplattform ist ein solches Netzwerk, das sich gezielt mit urbaner Energieinfrastruktur befasst. Beteiligt mit politischen und wirtschaftlichen Akteuren sind die Länder Belarus, Deutschland, Kasachstan, Russland, die Ukraine und Usbekistan. Mit Aserbaidschan als potenziellem neuem Mitglied sind wir bereits in intensivem Austausch.

Die Länderübergreifende Dialogplattform Urbane Energieinfrastruktur

Mit der Länderübergreifenden Dialogplattform Urbane Energieinfrastruktur in Osteuropa und Zentralasien fördert die dena die Zusammenarbeit zwischen politischen und wirtschaftlichen Akteuren in Kasachstan, Usbekistan, Belarus, Russland und der Ukraine. Deutsche Unternehmen werden von der dena bei der Markterschließung in diesen Ländern unterstützt.

Die urbane Energieinfrastruktur ist ein breites Feld. Worauf liegt der Fokus der Arbeit im Rahmen der Dialogplattform?

Das ist richtig. Hinzu kommt, dass die Länder beziehungsweise die jeweiligen Städte bei der Umsetzung ihrer urbanen Energiewenden teilweise vor unterschiedlichen Herausforderungen stehen. Es überwiegen aber die Gemeinsamkeiten. Erfolgreiche Konzepte lassen sich häufig übertragen. Und das macht den Austausch so wertvoll.

Im Fokus stehen sehr vielfältige Themen. Wichtige Bereiche waren von Beginn an die Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden und die Dezentralisierung der Wärmeversorgung sowie nachhaltige Abfallwirtschaft (Waste-To-Energy). Aber auch neue Finanzierungsmodelle für Modernisierungsmaßnahmen und Digitalisierung sind länderübergreifend interessant. Die dena organisiert regelmäßig Workshops und Studienreisen zu diesen ausgewählten Themen. Deutsches Know-how ist bei den beteiligten Ländern sehr gefragt. Unternehmen sowie Expertinnen und Experten können ihre Lösungen zur Modernisierung der Energieinfrastruktur regelmäßig präsentieren. Eine echte Chance zur Erschließung neuer Märkte.

Wir erleben aktuell eine besondere Dynamik in der internationalen Energie- und Klimapolitik. Führt das auch zu neuen Impulsen auf operativer Ebene?

Ja, wir haben das internationale Engagement zu Beginn des Jahres 2020 nochmals ausgeweitet. Die dena unterstützt das Wirtschaftsministerium nun dabei, Energiepartnerschaften, Energiedialoge und projektbezogene Energiekooperationen mit den Ländern Türkei, Ukraine, Russland, Belarus, Kasachstan, Usbekistan und dem Iran umzusetzen und weiterzuentwickeln. Weitere Länder können hinzukommen. Die Identifikation geeigneter Länder für neue Kooperationen und aktueller Themenschwerpunkte gehört ebenfalls zum Auftrag der dena.

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