Deutschlandreise

Know-how-Transfer für Effizienzmarkt in Russland

Dass Energieeffizienz und architektonische Raffinesse nicht im Widerspruch zueinander stehen, wie ein ganzes Plattenbaugebiet saniert wird und wie ein Wohnquartier mit regenerativer Fernwärme beheizt wird – Erfahrungen einer russischen Delegation bei ihrem fünftägigen Besuch in Deutschland.

Wie energetische Sanierung auch bei Baudenkmälern gelingen kann, erfuhr die Delegation in Essen bei ihrem Besuch des Industriedenkmals Zeche Zollverein. Foto: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)

Sieben Vertreter aus russischen Städten reisten mit dena-Experten durch Deutschland, um zu lernen, wie Gebäude hierzulande fit für die Zukunft gemacht werden. Die Visite setzte den Fachdialog fort, den deutsche Experten bereits im September 2016 in Russland geführt hatten. Das Programm bestand aus Vorträgen, Expertengesprächen und Besichtigungen. Zur russischen Delegation gehörten neben Dmitry Terentjev, dem Leiter der Abteilung für Energie der russischen Hauptstadt Moskau, weitere hochrangige Vertreter aus Moskau und anderen Städten. Yury Vlasov, dena-Projektleiter Internationale Kooperationen, begleitete die Delegation gemeinsam mit mehreren Fachmitarbeitern.

Energieeffizient bauen und sanieren in Deutschland und Russland

Die Rahmenbedingungen für energieeffizientes Bauen und Sanieren in Deutschland und Russland unterscheiden sich grundlegend. Gemeinsam mit Spezialisten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), der dena, des Fraunhofer Instituts und der KfW diskutierten die russischen Teilnehmer daher zunächst

  • politische Zielvorgaben
  • Förderinstrumentarien für Neubau- und Sanierungsvorhaben sowie
  • geltende Standards und Normen.

Fragen der Qualitätssicherung im Bau sowie technische Lösungen waren für die russischen Kommunalvertreter besonders wichtig, gerade im Hinblick auf zentrale und dezentrale Wärmeversorgung im Zusammenhang mit der Energieeffizienzsteigerung in Gebäuden.

Expertengespräche und Besichtigungen: Berlin, Essen und Bottrop

Den Wohngebäudebestand zu modernisieren,  ist auch in Russland ein wichtiges Thema. Anregungen, wie die Sanierung von Plattenbauten in großem Maßstab gelingen kann, erhielten die Delegationsteilnehmer in Berlin-Hellersdorf. Dort führte der Leiter des Kompetenzzentrums Großsiedlungen durch ein Plattenbaugebiet aus DDR-Zeiten, das inzwischen aufwändig saniert wurde - auch energetisch.

Wie energetische Sanierung auch bei Baudenkmälern gelingen kann, erfuhr die Delegation in Essen. Dort besuchten die Teilnehmer ein Wahrzeichen des Ruhrgebiets: das Architektur- und Industriedenkmal Zeche Zollverein. Das Gelände ist Teil des UNESCO-Welterbes und wurde in den 2000er Jahren komplett umgestaltet.

Die Rolle der Kommunen bei der Steigerung der Energieeffizienz stand im Mittelpunkt des Fachtermins in Bottrop, bei dem Oberbürgermeister  Bernd Tischler mit seinen russischen Kollegen ins Fachsimpeln kam. Mit dem Konzept InnovationCityRuhr will die Stadt Bottrop die CO2-Emissionen um die Hälfte senken und die Lebensqualität der Einwohner erhöhen. Der klimagerechte Stadtumbau soll so umgesetzt werden, dass der Industriestandort Bottrop gesichert und für die Wirtschaft noch attraktiver wird. Er umfasst alle Bereiche: von der Energieerzeugung über die Gebäudeenergieeffizienz bis zum Verkehr.

Kooperation zwischen Russland und Deutschland beim Thema Energieeffizienz Die dena arbeitet seit vielen Jahren eng mit dem russischen Energieministerium (Minenergo) und der Russischen Energieagentur (REA) zusammen. Sie unterstützt Russland vor allem bei der Verbesserung der Energieeffizienz im Gebäudebereich.

Highlight: höchste Effizienzstandards im Stadttor Düsseldorf

Dass Energieeffizienz und architektonische Raffinesse kein Widerspruch sind, davon überzeugte sich die Delegation bei der Besichtigung des Stadttors Düsseldorf. Das Bürohochhaus ist Amtssitz der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der Besuch war für die Gruppe ein besonderes Highlight. Nicht nur, weil die Gebäudeleittechnik so vernetzt ist, dass sich die Klimatechnik – die aus Sonnenschutz, natürlicher und mechanischer Be- und Entlüftung sowie Heiz- und Kühldecken besteht - jeder Wetterlage anpassen kann. Beeindruckt waren die russischen Kommunalvertreter auch davon, dass das Gebäude bereits 1997 saniert wurde, also vor 20 Jahren.

Besonders interessant im Hinblick auf die Fernwärmeversorgung in Russland war der Besuch im Quartier Bilker Höfe in Düsseldorf.  Auf dem ehemaligen Gelände eines Garnisonslazaretts sind mehr als 200 energieeffiziente Wohnungen mit vielen Grünflächen – sogar auf den Dächern - entstanden, die für ein gutes Mikroklima sorgen. Beheizt wird das Quartier mit regenerativer Fernwärme der Stadtwerke Düsseldorf. Das neue Wohnquartier wurde von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. mit Gold ausgezeichnet.

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