Interview mit Nnaemeka Ikegwuonu vom Start-up ColdHubs

„Ich glaube an einfache Lösungen“

Die solarbetriebenen Kühlräume von ColdHubs bewahren nigerianische Bauern in abgeschiedenen Gebieten ohne Stromanschluss vor Ernteverlusten und sichern ihre Existenz. Gründer und Geschäftsführer Nnaemeka Ikegwuonu hat für seine Geschäftsidee den Special Prize „Start Up SDG7“ des „Start Up Energy Transition Award“ erhalten.

Porträtfoto von Nnaemeka Ikegwuonu sitzend in einer Bibliothek
Nnaemeka Ikegwuonu ist Landwirt und Radiomoderator. Er lebt in Owerri im Südosten Nigerias. 2015 hat der 34-Jährige ColdHubs Limited gegründet. Das Start-up mit derzeit 15 Mitarbeitern produziert ein modulares „Plug & Play“-Kühlsystem, das jenseits existierender Stromnetze mit Solarenergie betrieben werden kann.

Herr Ikegwuonu, warum haben Sie ColdHubs gegründet?

Die Idee für mein Start-up entstand bei einer Radioshow, dort arbeite ich auch als Moderator. In meiner Sendung informiere ich Farmer im Radio über neueste Entwicklungen in der Landwirtschaft. Daher verbringe ich auch viel Zeit auf den Feldern und spreche mit den Bauern – auch über die Schwierigkeiten, die sie haben.

Die Farmer leiden ziemlich unter Ernteverlusten, vor allem bei leicht verderblichen Früchten. Sie verlieren einen Großteil ihrer jährlichen Ernte, weil sie keine geeigneten Lagermöglichkeiten haben. Das liegt hauptsächlich daran, dass es in den abgelegenen Dörfern weder einen Stromanschluss noch Möglichkeiten zum Kühlen gibt. Die Kühlgeräte, die bereits auf dem Markt sind, sind sehr teuer und für unsere Bauern unerschwinglich.

Der Kühlraum von ColdHub steht im Freien in der Nähe eines Marktes. Über dem Kühlraum sind auf einem Dach Solarmodule installiert, die den Kühlraum mit Strom versorgen.
Mehr als 150 Landwirte nutzen die Kühlräume bereits, um ihre verderblichen Früchte zu lagern und zu konservieren.

Landwirte in Nigeria verdienen weniger als einen Dollar pro Tag. Um Verluste zu vermeiden, müssen sie ihre Ernte so schnell wie möglich verkaufen. In Nigeria stehen über 19 Millionen Bauern vor dieser Herausforderung. Vor drei Jahren hat die Rockefeller Foundation bestätigt, dass in Entwicklungsländern über 470 Millionen Landwirte von Ernteverlusten betroffen sind. Im Schnitt gehen über 45 Prozent ihrer Ernte verloren und damit ein Viertel ihres Jahreseinkommens. Ein großes Problem also – aber ich glaube an einfache Lösungen: Wenn die Landwirte keinen Strom zur Verfügung haben, müssen wir eben solarbetriebene Kühlräume zu ihnen bringen. Damit können Sie Ihre verderblichen Früchte lagern, bis sie diese verkaufen.

„Ich will dabei sein, wenn die erneuerbaren Energien die Energielandschaft von Nigeria komplett verändern.“

Nnaemeka Ikegwuonu

Sie haben auf dem Tech Festival in Berlin den Start Up Energy Transition Award erhalten. Konnten Sie dort auch interessante Kontakte knüpfen?

Ja, ich habe viele Kontakte für meine Firma geknüpft. Im Moment kann ich noch nicht beurteilen, ob sich daraus Kooperationen ergeben. Denn Geschäftsbeziehungen entwickeln sich langsam.  Nur so kann man das Vertrauen aufbauen, das man für gemeinsame Geschäfte benötigt.

Haben Sie Erfolgs-Tipps für andere Energie-Start-ups?

Als Unternehmer ist man einsam. Ich bin Unternehmensgründer und weiß, wie viele einsame Nächte und einsame Wege ich hinter mir habe. Aber du glaubst einfach an deine Idee. Du bist der Einzige, der daran glaubt. Wenn nicht du, wer dann? Du bist der Motor, der deine Idee voranbringt und verwirklichen kann. Du kannst als Start-up-Gründer nicht erwarten, dass du eines Tages aufwachst und plötzlich alles erreicht hast! Es ist unmöglich, sofort und alles zu erreichen.

Und wenn dich jemand fragt, wie man dir am besten helfen kann, musst du die Antwort jederzeit parat haben. Das macht einen Start-up-Gründer aus. Du musst alles bis ins Detail durchdacht haben. Wenn du in dem Moment nicht vorbereitet bist, verliert man das Vertrauen in dich. Dann hast du verloren.

Eine Frau sortiert im Inneren des Kühlraums Gemüse in Kisten
In Owerri hat ColdHubs Kühlräume auf drei Märkten und im Norden der Region auf zwei Farmen. Mit dem Preisgeld von 20.000 US-Dollar will Ikegwuonu sich den sechsten Kühlraum anschaffen.

Und haben Sie Tipps für Investoren, die Start-ups fördern wollen?

Sie sollten geduldig sein und sich mehr als Mentor sehen, nicht als Investor. So sollten sie dich schrittweise durch den Prozess führen und beim Aufbau deines Unternehmens helfen.

Investoren haben natürlich auch Druck, sie müssen schließlich ebenfalls Finanzberichte an ihre Kreditgeber abliefern. Sie sind immer in Eile und haben wenig Geduld. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass die Beziehung zwischen Investor und Start-up herzlich sein und auf Verständnis und Geduld basieren sollte.

Ist die Energiewende für Sie persönlich wichtig?

Auf jeden Fall. Mein Heimatland Nigeria ist ein Entwicklungsland. Wir sind 200 Millionen Menschen und produzieren gerade einmal 3000 Megawatt Strom. Jetzt sind wir mit der Energiewende konfrontiert und bewegen uns immer weiter raus aus dem Netz. Ich glaube fest daran, dass erneuerbare Energien in den kommenden zehn Jahren das große „Ding“ sein werden in Nigeria. Und ich will dabei sein, wenn die erneuerbaren Energien die Energielandschaft von Nigeria komplett verändern.

Außerdem glaube ich daran, dass Kühlen bald umweltfreundlich möglich sein wird. Umweltfreundliche Kühlmittel kombiniert mit energieeffizienten Anlagen und energiesparendem Verhalten werden die Umweltbelastung reduzieren. In weniger als zehn Jahren werden wir Kühlgeräte haben, die komplett nur noch mithilfe von kleinen Akkus betrieben werden. Ähnlich wie Smartphones.

Andreas Kuhlmann, Nnaemeka Ikegwuonu und Tanja Gönner stehen nebeneinande auf der Bühne bei der Preisverleihung des "Start Up Energy Transition Awards" an ColdHubs
Tanja Gönner, Vorstandssprecherin der GIZ, und Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, überreichen den „Special Prize: Sustainable Future For All: Startup SDG 7“. Dieser Sonderpreis zeichnet Projekte zum siebten Ziel für nachhaltige Entwicklung (SDG 7) der Vereinten Nationen aus, die zu einer bezahlbaren und sauberen Energie für alle beitragen.

Was sind die größten Herausforderungen für Start-ups in der Energiewende?

Es gibt so viele Herausforderungen. Für mich ist Clean Tech der schwierigste Bereich der Start-up-Branche. Man entwickelt ein Produkt, das vermutlich von vielen verschiedenen Menschen genutzt wird. Das ist nicht vergleichbar mit der Entwicklung einer Handy-App. Es ist ein handfestes Produkt und du willst, dass die Leute dafür bezahlen. Und sie bezahlen eine ganze Menge dafür. Es ist ziemlich schwierig, ein Clean-Tech-Unternehmen aufzubauen. Man benötigt viele Leute. Daher muss man jederzeit bereit sein, sein Wissen und seine Ideen zu teilen. Man muss immer auf Zack sein. Außerdem kann jedes Produkt auf der Welt kopiert werden. Deswegen sollte ein Energieunternehmen sein Produkt ständig weiterentwickeln.

Haben Sie noch eine persönliche Botschaft, die Ihnen am Herzen liegt?

Es war mir eine Ehre und ein Privileg, hier sein zu dürfen und den Preis zu gewinnen. Und es ist eine Anerkennung für unsere Arbeit in Nigeria – sie gibt mir den Mut und die nötige Kraft, um weiterzumachen. Ich glaube, wir tun das Richtige und wir werden dranbleiben.

Factsheet zum Start-up ColdHubs

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