Modellvorhaben Check-in Energieeffizienz

Wie Energieeffizienz in Hotels zum Stammgast wird – und was die dena damit zu tun hat

Hotels und Herbergen stehen im intensiven Wettbewerb. Wer sich abheben will, braucht Argumente. Immer mehr Hoteliers sehen in einer nachhaltigen Betriebsführung ihren Vorsprung zur Konkurrenz. Vier Musterbetriebe haben zusammen mit der dena daran gearbeitet, wie das ressourcenschonende Verhalten gegenüber Gästen kommuniziert werden kann.

„Das Modellvorhaben ‚Check-in Energieeffizienz‘ wird einen Multiplikatoreffekt bei vielen Kollegen auslösen.“

Christian Fuhrmann, Hotel Schwarzer Bock

Als Trainer Behram Salmassinia zum dritten Workshop der Reihe „Coaching zur Gästekommunikation“ begrüßt, ist es so gemütlich wie bei einem Klassentreffen. Hoteliers ganz unterschiedlichen Zuschnitts reisten quer durch die Republik zu Gastgeber Ben Förtsch ins Erlanger Creativhotel Luise und tauschten ihre Ideen aus.

Da ist der bodenständige Naturliebhaber Christian Fuhrmann, der zusammen mit seiner Frau im bayerischen Ansbach im Schwarzen Bock Tradition mit Moderne verbindet. Schlagfertig und zielgerichtet berichtet der passionierte Jäger über sein Verständnis von Nachhaltigkeit. Fuhrmann setzt auf intelligente Vernetzung aller Energiequellen und eine App-basierte Steuerung – bis zu 30 Prozent Energiekosten will er damit sparen. Fuhrmann: „Der Mystery-Check als Einstieg hat uns die Augen geöffnet. Jetzt bin ich überzeugt davon, dass das Modellvorhaben ‚Check-in Energieeffizienz‘ einen Multiplikatoreffekt bei vielen Kollegen auslösen wird. Nachhaltigkeit wird zum Thema unserer Branche.“

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Christian Fuhrmann vom Schwarzen Bock in Ansbach

Ihm zur Seite sitzt Hoteldirektor Harald Koch. Er machte gemeinsam mit einem niederländischen Investor aus einer ehemaligen Bundeswehrkaserne das Familien- und Kinderparadies Dorf Wangerland – keine zehn Kilometer von der Nordseeküste entfernt. Koch ist Spezialist für außergewöhnliche Orte: Auch aus dem nie aktiven Reaktor „Schneller Brüter“ in Kalkar machte er ein Hotel- und Freizeitzentrum. Der Kern von Dorf Wangerland sind acht Hotelgebäude mit 600 Betten in 230 Zimmern, Sport- und Eventanlagen sowie die überdachte 5.000 Quadratmeter große Nordsee-Spielstadt. Bei der ausladenden Dimension der Anlage wird Energieeffizienz zum Kostenfaktor. Harald Koch ist das aber zu kurz gedacht. Er will seine Gästezielgruppe, die Familien, mit Nachhaltigkeitsargumenten an das Freizeitdorf binden. Seinen  Mitarbeitern will er ökologisches Denken und Handeln vermitteln. Mittel der Wahl ist das Hausmaskottchen, der  Pirat „Käpt'n Wanga“: „Wir wollen die Kinder unter unseren Gästen als Botschafter gewinnen. Unser kleiner Pirat wird künftig die Energieräuber jagen.“

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Hoteldirektor Harald Koch (rechts) und Gästemanager Joachim Meyer vom Dorf Wangerland

„Mit dem Modellvorhaben wollen wir die Energiewende in Hotels lebendig machen.“

Heike Marcinek, dena-Projektleiterin

Doris und Detlef Schnaugst vom gleichnamigen Strand-gut-Hotel direkt hinterm Nordsee-Deich von Tossens betreiben ein familiäres Hotel mit 18 Zimmern und einem über die Grenzen des Ortes hinaus bekannten Fischrestaurant. Gäste sollen sich hier wie zu Hause fühlen, nach dem Spaziergang am Deich gibt es Ostfriesentee mit Sahne und Kandis zum Aufwärmen. Wohlfühlen sollen sich die Gäste auch mit Blick auf die Umweltbilanz ihres Aufenthalts. Das Ehepaar Schnaugst will Zeichen setzen in Sachen Nachhaltigkeit. Bis 2018 soll der Wärme- und Stromverbrauch ihres Hotels um gut die Hälfte reduziert werden.

Zum guten Schluss entert Gastgeber Ben Förtsch im Laufschritt den Seminarraum. Er gilt seinen Kollegen als Musterschüler, der im Erlanger Familienbetrieb vormacht, was geht. Öko-Standards sind hier Pflicht. Sei es die Stromtankstelle, die Bienenpatenschaft mit eigenem Bienenstock oder die „nachwachsenden Hotelzimmer“. Förtschs Konzept heißt Nachhaltigkeit ohne Verzicht. Deshalb bestechen seine aus Naturmaterialien und Bio-Baustoffen aufgebauten Zimmer auch in puncto Design. Förtsch hat viel Zeit und Geld in seine „nachwachsenden Hotelzimmer“ gesteckt. Seine Idee will er jetzt aktiv vermarkten. Damit seine 95 Zimmer im ersten klimapositiven Hotel Europas künftig auch am Wochenende bestens ausgelastet sind. Dabei helfen Auszeichnungen wie die Goldene Palme der Zeitschrift GEO oder der Tourismuspreis des ADAC Bayern.

Die Teilnehmer des Coachings zur Gästekommunikation

Coachingprogramm „Gästekommunikation“ – die Timeline

  • Herbst 2016: Auf Undercover-Mission! Das Coaching startet mit „Mystery-Checks“: Ohne sich zu erkennen zu geben, checken die Berater in den Hotels ein und nehmen sie genau unter die Lupe.
  • Januar 2017: Wofür sind Sie berühmt? Im ersten gemeinsamen Workshop geht es um Grundlagen und Methoden: Wie erreiche ich Menschen? Was ist Storytelling?
  • März 2017: Die Macht der Geschichten: Die Teilnehmer entwickeln spannende Geschichten rund um ihr Hotel.
  • Juni 2017: Von Piraten, Jedis und „Bocklets“: Alle Teilnehmer haben ein erstes konkretes Kommunikationsmittel umgesetzt… und können stolz sein auf ihre Ergebnisse!

Verschiedener können die Teilnehmer am dena-Coaching-Programm nicht sein. Da ist der Dialog zwischen kühlen Nordlichtern und bodenständigen Bayern, da ist die monumentale Freizeitanlage neben dem kleinen familiär betriebenen Strandhotel. Da sind die Fortgeschrittenen in Sachen Nachhaltigkeit und diejenigen, die das Thema gerade mit Begeisterung für sich und ihren Betrieb entdecken.

Für Kommunikationsberater Behram Salmassinia von 360plus Design und Hotelcoach Professor Burkhard von Freyberg ist diese Typenvielfalt ein gutes Abbild der deutschen Hotellandschaft. Experte von Freyberg: „Die 30 Hotels, die seit Ende 2014 am dena-Modellprojekt ‚Check-in Energieeffizienz‘ teilnehmen, investieren in kleine und große Maßnahmen, um ihren Betrieb energetisch zu optimieren. Dieses Engagement gilt es auch zu kommunizieren – nach innen wie nach außen.“ Energieeffizienz, meint Salmassinia, sei wie eine neue Währung, mit der die Hotelbranche lernen muss umzugehen.

Aus gutem Grund: Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) gehören hohe Energiekosten zu einem der Hauptprobleme von Hotelbetreibern. Dementsprechend groß ist das Einsparpotenzial. Aber wie vertragen sich einschneidende Änderungen im laufenden Betrieb? Wer die Einsparpotenziale seines Hauses kennt, kann oft schon mit kleinen Maßnahmen viel erreichen.

2015
Start des Modellvorhabens,
das bis 2018 läuft.
30
Teilnehmer aus ganz Deutschland
gehen ihren Weg zu mehr Energieeffizienz.
ca. 8920000
geplante Investitionen
in Gebäudehülle, Anlagentechnik und geringinvestive Maßnahmen.
ca. 34 %
Einsparung an Endenergie
von den Energieberatern berechnet.

Um die Herausforderung für Hotelbetreiber, Planer und Techniker besser zu verstehen, haben das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und die dena das Modellvorhaben „Check-in Energieeffizienz“ gestartet. Heike Marcinek, bei der dena für das Projekt verantwortlich: „Das Bewusstsein in der Hotelbranche für Energie- und Nachhaltigkeitsthemen ist gewachsen. Die dena ist als Fachakteurin für Energiethemen in der Hotelbranche sowie als Expertin für den Bereich der Nichtwohngebäude bekannt und anerkannt.“ Das Modellvorhaben soll systematisch Energieeinsparpotenziale im Beherbergungssektor aufzeigen und erschließen. Es läuft über vier Jahre und umfasst verschiedene Phasen: Energieberatung, Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen und Monitoring der Energieverbräuche.

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dena-Projektleiterin Heike Marcinek: Was ist das Modellvorhaben Check-in Energieeffizienz?

Energieeffiziente Hotels können Gäste und Beschäftigte auf den Geschmack bringen, indem sie die Vorteile einer energetischen Sanierung aufzeigen und den Wohlfühleffekt erlebbar machen. Das meint auch Kommunikationsprofi Salmassinia: „Im ausdifferenzierten Hotelmarkt lädt das Engagement für Nachhaltigkeit das Markenbild positiv auf. Es geht darum, den Gästen das Thema auch zu vermitteln und so den Ruf des Hauses zu stärken.“ Das sollte ankommen. Laut einer Studie von Booking.com können sich 65 Prozent der Reisenden in elf europäischen Ländern vorstellen, im Jahr 2017 mindestens einmal eine umweltfreundliche oder „grüne” Unterkunft zu buchen. Das ist eine deutliche Steigerung zum Vorjahr, als nur 34 Prozent sich das vorstellen konnten.

Das Coachingprogramm der dena rund um die Gästekommunikation hat das teilnehmende Quartett motiviert. Ob im tiefen Bayern oder an der Nordseeküste: Die Teilnehmer haben heute ein Kommunikationskonzept über viele Kanäle, um ihre Geschichte zu vermitteln. Davon sollen künftig alle Betriebe profitieren. Denn die Energiewende ist nicht zuletzt eine kommunikative Herausforderung – im Großen wie im Kleinen.

Die Kommunikationsprojekte der Hoteliers

Modellvorhaben „Check-in Energieeffizienz“: 30 Hotels und Herbergen aus ganz Deutschland optimieren ihre Energiebilanz. Die dena begleitet und unterstützt sie dabei, das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Projekt. Alle Teilnehmer haben eine Energieberatung abgeschlossen, setzen jetzt verschiedene Sanierungsmaßnahmen um und werden anschließend per Monitoring auswerten, wie viel Energie sie nach der Sanierung einsparen. 2018 endet das Modellvorhaben.

Die Hotels im dena-Modellvorhaben investieren nicht nur in Energieeffizienz und Klimaschutz. Sie können und sollten das auch kommunizieren – auf spannende Weise, die den Gast auch emotional berührt. Projektleiterin Heike Marcinek: „Wir haben vier ausgewählte Hotels aus unserem Modellvorhaben zu einer intensiven Kommunikationsberatung eingeladen, um die Gästeansprache in Sachen Nachhaltigkeit zu verbessern. Die durch das Coaching gesammelten Erfahrungen wollen wir in die Breite weitergeben.“ Ein Leitfaden der dena zum Thema Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und der damit verbundenen Gäste- und Mitarbeiterkommunikation ist in Arbeit. Die darin enthaltenen Fallbeispiele, Studienergebnisse und Kontakte sollen Hoteliers den Einstieg erleichtern.

 

 

Unsere Publikationen

Mehr zum Modellvorhaben „Check-in Energieeffizienz“

Mehr zu den teilnehmenden Hotels

Ansbach

Hotel Schwarzer Bock

Hinter der historischen Fassade des familiengeführten Hotel in Franken verbirgt sich hochmoderne Technik. Mehr lesen

Erlangen

Creativhotel Luise

Das Hotel in Franken ist bereits ein Leuchtturm in Sachen Nachhaltigkeit. Und der junge Geschäftsführer hat viele weitere Pläne. Mehr lesen

Wangerland

Dorf Wangerland

Das Hotel mit angrenzendem Badestrand bietet viel Unterhaltung für Groß und Klein. Die Ferienanlage soll nun umfassend energetisch saniert werden. Mehr lesen

Butjadingen-Tossens

Strand-gut-Hotel Schnaugst

Das kleine Hotel für Nordsee-Urlauber wurde lange nicht modernisiert. Die neuen Eigentümer möchten nun Fenster und Heizung erneuern. Mehr lesen

Optimieren

Efficiency First

Beim Stichwort Energiewende denken viele zuerst an den Ausbau erneuerbarer Energien. Mindestens genauso wichtig ist es, die Energieeffizienz zu steigern. Denn die sauberste Kilowattstunde ist die, die gar nicht erst erzeugt werden muss.

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