„Getting started“ in Kasachstan

Kasachstan möchte seine Wirtschaft modernisieren und unabhängiger von fossilen Ressourcen werden. Für deutsche Unternehmen bietet sich ein interessanter Markt, insbesondere im Bereich Energieeffizienz in der Industrie. Beim Aufbau von Kooperationen steht die dena beratend zur Seite – demnächst auch beim „German Energy Dialogue“ im Rahmen der EXPO2017.

Die Skyline von Astana – Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs in Kasachstan. Quelle: shutterstock/alpinrage Foto: Shutterstock / alpinrage

Kasachstan gehört zu den Ländern mit den weltweit größten Vorkommen an Erdöl und -gas. Deshalb ist das zentralasiatische Binnenland stark abhängig von Preisbewegungen am Weltmarkt. Zudem wächst die dortige Wirtschaft – und damit auch der Energiebedarf. Durch energieintensive Branchen wie die Hüttenindustrie oder den Bergbau ist dieser ohnehin hoch: Die Energieintensität der kasachischen Industrie übersteigt die der deutschen aktuell um das Vierfache. Gut die Hälfte des gesamten Strom- (62 Prozent) und Wärmeverbrauchs (43 Prozent) gehen auf die Industrie zurück. Die Energiesparpotenziale sind hier immens.

Die größte Herausforderung für das Land besteht nun darin, sich langfristig von der Konzentration auf Rohstoffe zu lösen und sein Wirtschaftssystem zu diversifizieren und zu modernisieren. Präsident Nursultan Nasarbajew setzt für die Modernisierung der Wirtschaft bereits seit einigen Jahren auf eine Strategie der „Green Economy“. Energiesparende Technologien, eine Erhöhung der Energieeffizienz sowie der Ausbau der erneuerbarer Energien sind auf der politischen Agenda des Landes nach oben gerückt.

Dabei sieht Kasachstan eine große Chance in der internationalen Zusammenarbeit und hat sich für Investoren und Partner aus aller Welt geöffnet. Jüngstes Zeichen dafür ist die EXPO2017, die in der Hauptstadt Astana unter dem Motto „Future Energy – Energie der Zukunft“ stattfindet.

Hoher Bedarf an Fachkräften

„Kasachstan ist ein wichtiger Partner Deutschlands in Zentralasien, insbesondere im Energiesektor.“

Uwe Beckmeyer, Parlamentarischer Staatssekretär im BMWi

Eine der Hauptaufgaben im Land ist die Modernisierung von Industriebetrieben – vor allem in der Petrochemie und chemischen Industrie, bei Stromerzeugung und -verteilung sowie beim Bergbau. Viele Anlagen stammen noch aus Sowjetzeiten, die meisten wurden seit den 1980er Jahren nicht erneuert.

Die großen Potenziale zur Energieeinsparung in der Industrie sind auch für die dena der zentrale Anknüpfungspunkt für die Zusammenarbeit mit Kasachstan.

Der Grundstein ist bereits gelegt. Seit Ende 2011 verpflichtet zum Beispiel ein Gesetz größere Unternehmen dazu, Energieaudits durchzuführen. Die dena entwickelte dafür im Auftrag des Ministeriums für Industrie und Neue Technologien der Republik Kasachstan (MINT) Empfehlungen und Strategien.

In den nächsten Jahren steht zudem eine großflächige Sanierung von Gebäuden an. Beim Neubau wird Energieeffizienz ebenso eine zunehmend wichtige Rolle spielen.

Der „German Energy Dialogue“ findet am 11. und 12. Juli im Rahmen der EXPO2017 statt. Quelle: Hamburg Messe, insglück/gtp2/mac Foto: Hamburg Messe, insglück/gtp2/mac

Auch mit seinen Initiativen zur Förderung erneuerbarer Energien hat Kasachstan Neuland betreten. In nahezu allen Bereichen erneuerbarer Energien – Photovoltaik, Windenergie und Wasserkraft – besteht deshalb enormer Entwicklungs-, Beratungs-  und Investitionsbedarf. Für das dünn besiedelte Land ist daran besonders die Möglichkeit der dezentralen Energieversorgung attraktiv.

Was Kasachstan jetzt braucht, sind daher vor allem Fachkräfte für die Umsetzung. So sind besonders Unternehmen gefragt, die die Qualifikation lokaler Mitarbeiter in ihrem Portfolio haben.

Weiterbildungs- und Qualifizierungsprogramme sind ein Schwerpunkt des dena-Engagements. Zum Beispiel haben wir beim Aufbau eines Energieberatungszentrums unterstützt, bilden kasachische Trainer in Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen aus und haben ein Weiterbildungsprogramm zum Thema „Energieeffizienz in Industrie“ entwickelt. 2015 hat die dena zum ersten Mal das Deutsch-Kasachische Energieforum organsiert. Ziel war es, Institutionen und Unternehmen aus Deutschland und Kasachstan besser zu vernetzen und Erfahrungen sowie Technologien an kasachische Institutionen und Energieexperten weiterzugeben.

„Dass Kasachstan bei der EXPO 2017 die nachhaltige Energieversorgung der Zukunft in den Mittelpunkt stellt, unterstreicht das große Potenzial zur Ausweitung und Intensivierung unserer Energiekooperation. Deutschland hat hier viel zu bieten.“

Uwe Beckmeyer, Parlamentarischer Staatssekretär im BMWi

Nächster Schritt ist die EXPO 2017. Für deutsche Unternehmen ist sie eine wichtige Plattform für den Eintritt in zentralasiatische Märkte. Mit Unterstützung des BMWi und in Zusammenarbeit mit dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft sowie der AHK Zentralasien organisiert die dena den German Energy Dialogue am 11. und 12. Juli im Rahmen der Weltausstellung. „Wir wollen auf der EXPO Lösungen, Technologien und Know-how im Bereich Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Energiesysteme aus Deutschland vorstellen. Damit ermöglichen wir internationalen Stakeholdern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft einen breiten Austausch und unterstützen die Bildung neuer Netzwerke“, so Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung.

Deutsche Unternehmen können sich vor einem hochrangigen Publikum aus der deutschen und kasachischen Energiebranche präsentieren, Erfahrungen austauschen und mögliche Kooperationen ausloten. Die Bundesregierung unterstützt den Dialog, der unter der Schirmherrschaft des kasachischen Ministeriums für Investitionen und Entwicklung steht.

Die dena hat hervorragende Kontakte zu Entscheidern aus Politik und Wirtschaft in Kasachstan. Mit diesem Wirtschaftsforum möchten wir den bereits begonnenen Weg mit Kasachstan weiter beschreiten, neue Partnerunternehmen an Bord holen und gemeinsam innovative Kooperationsprojekte für die Energie der Zukunft entwickeln.

Erschienen in gekürzter oder veränderter Form in OstContact 5-2017