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Garantiert sparen

Energiekosten senken, Klima schützen – und das mit wenig Investitionskapital: Energiespar-Contracting (ESC) ist ein attraktives Angebot für öffentliche Einrichtungen. Dennoch nutzen es bisher nur wenige. Die dena will das ändern.

„Wir tragen keinerlei Risiko, da unser Partner vertraglich garantiert, dass die Energiekosten um mindestens ein Drittel sinken.“

Raj Ullrich, Technischer Direktor Theater Chemnitz

Im Theater liefern allein die Künstler kreative Leistungen? Von wegen! Auch die Mitarbeiter aus Technik und Verwaltung müssen mitunter findig sein. Etwa wenn es darum geht, trotz knapper Kassen dringend erforderliche Sanierungsmaßnahmen zu verwirklichen. So ähnlich war es bei den städtischen Theatern in Chemnitz: Hohe Kosten für Strom und Wärme rissen Löcher in den Etat, dieses Geld fehlte für die Kunst. Denn die Gebäudetechnik der 1909 errichteten Oper und des benachbarten Schauspielhauses von 1980 waren völlig veraltet. Für eine energetische Modernisierung aber fehlten die Mittel.

Die Sachsen beschlossen, einen Partner ins Boot zu holen – sie übertrugen die Modernisierung samt anschließendem Betrieb und Wartung der Anlagen einem Energieeffizienz-Dienstleister. Der Clou: Der Dienstleister übernimmt auch die Finanzierung aller Maßnahmen. Im Gegenzug erhält das Unternehmen über die Vertragslaufzeit von elf Jahren eine jährliche Vergütung, die das Theater über Energieeinsparungen refinanziert. „Wir tragen keinerlei Risiko, da unser Partner vertraglich garantiert, dass die Energiekosten um mindestens ein Drittel sinken“, freut sich Raj Ullrich, Technischer Direktor des Theaters. Der Dienstleister hat unter anderem die Lüftungs- und Klimaanlagen sowie die Warmwasserbereitung erneuert, Anlagen zur Wärmerückgewinnung installiert und moderne Umwälzpumpen eingebaut. Außerdem bekamen die Gebäude neue Fenster, um die Wärmeverluste durch die Gebäudehülle zu verringern.

Erfolgreiches Energiespar-Contracting in der Praxis

Stadt Sehnde

  • Maßnahmen: Mehr als 60 Maßnahmen in elf kommunalen Gebäuden, u. a. Heizkesseltausch, energiesparende Beleuchtung, Geschossdeckendämmung und ein Blockheizkraftwerk (BHKW)
  • Einspargarantie: 130.000 Euro pro Jahr
  • CO2-Einsparung: 586 Tonnen pro Jahr

Rathaus Essen

  • Maßnahmen: u. a. Erneuerung der zentralen Klimaanlage sowie von 3.106 Raumklimageräten, LED-Leuchten, Optimierung der Gebäudeleittechnik
  • Einspargarantie: 1.000.000 Euro pro Jahr
  • CO2-Einsparung: 2.700 Tonnen pro Jahr

Muldentalkliniken Grimma und Wurzen

  • Maßnahmen: Blockheizkraftwerk (BHKW)
  • Einspargarantie: 515.000 Euro pro Jahr
  • CO2-Einsparung: 970 Tonnen pro Jahr

„Der Dienstleister übernimmt die nötigen Investitionen in die Energieeffizienz und gibt den Auftraggebern zugleich eine vertragliche Garantie, dass die vereinbarten Energiesparziele auch tatsächlich erreicht werden.“

Dr. Ronny Bischof, dena-Teamleiter Energieeffiziente Gebäude

Alle Effizienzpotenziale nutzen

Energiespar-Contracting, kurz ESC, heißt dieses Modell. Zielgruppe sind in der Regel größere private oder öffentliche Eigentümer von Gebäuden und Liegenschaften, die eine langfristige Partnerschaft mit einem spezialisierten Contracting-Dienstleister eingehen. „Der Dienstleister übernimmt die nötigen Investitionen in die Energieeffizienz und gibt den Auftraggebern zugleich eine vertragliche Garantie, dass die vereinbarten Energiesparziele auch tatsächlich erreicht werden“, erklärt dena-Teamleiter Ronny Bischof. Das sei eine klassische Win-Win-Situation. Contracting-Anbieter verfügten bei der Wärmeversorgung, der Gebäude- und Anlagentechnik oder der energetischen Sanierung über deutlich mehr Know-how als viele öffentliche Einrichtungen. „Es fällt ihnen leichter, das gesamte Einsparpotenzial einer Liegenschaft auszureizen“, sagt Bischof.

Ein Modell mit vielen Vorteilen also – dennoch setzen bislang nur vergleichsweise wenige Gebäudeeigentümer auf solche Contracting-Modelle. Warum ist das so? Trotz des hohen Sanierungsbedarfs in ihren Liegenschaften sind gerade Behörden und andere öffentliche Einrichtungen oft zurückhaltend. „In vielen Fällen fehlt schlichtweg die Erfahrung“, erklärt Bischof. Es gebe bisher nur wenige Praxisbeispiele in Ländern und Kommunen, die in der Öffentlichkeit als Vorbild bekannt seien.

Hinzu kommt: Die Suche nach einem Contracting-Partner erfordert spezialisierte Ausschreibungen. Verfahren und Steuerung setzen geeignete Ressourcen und ein gewisses Vorwissen voraus, über das längst nicht alle Einrichtungen verfügen. Dies betrifft etwa die Erfassung der Energieverbräuche aller relevanten Liegenschaften oder die Gestaltung der Verträge. An diesem Punkt setzt das Kompetenzzentrum Contracting der dena an. Es will öffentlichen Gebäudeeigentümern den Einstieg so leicht wie möglich machen – mit Leitfäden, Musterverträgen, Berechnungshilfen und weiteren Angeboten, die kostenlos online zur Verfügung stehen. Als zentrale Anlaufstelle vernetzt das Zentrum zudem Fachleute und Interessierte aus Bund, Ländern und Kommunen mit Contracting-Anbietern.

Kurz erklärt: Energiespar-Contracting

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Modellvorhaben Co2ntracting: Build the future!

Bis 2021 setzt die dena gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und zahlreichen regionalen und lokalen Unterstützern zehn hochwertige Energiespar-Contracting-Projekte in Bundesländern mit wenig Contracting-Erfahrung um. Während der dreijährigen Laufzeit des Modellvorhabens stellt die dena den Teilnehmern kostenfrei einen Projektentwickler zur Seite, der sie während des gesamten Prozesses unterstützt: von der Ausschreibung und Vergabe über die Umsetzung der Effizienzmaßnahmen bis hin zur Evaluierung. Insgesamt zwanzig Kommunen und Eigentümer von Landesliegenschaften erhalten im Zuge von Co2ntracting: build the future! eine umfassende Orientierungsberatung für konkrete Sanierungsvorhaben. Zehn von ihnen werden schließlich für das Modellvorhaben ausgewählt. Welche das sind, gibt die dena Anfang 2020 bekannt.

Mehr unter www.kompetenzzentrum-contracting.de

Regulatorische Hürden

Mitunter liegen die Probleme aber auch tiefer. „In manchen Bundesländern macht es der regulatorische Rahmen öffentlichen Verwaltungen sehr schwer, Contracting-Lösungen zu nutzen“, berichtet dena-Teamleiter Bischof. So stuften einige Länder ESC als kreditähnliches Geschäft ein. Das schrecke Kommunen ab, auf dieses Instrument zu setzen. Ursache für dieses restriktive Vorgehen sei häufig Unsicherheit, wie die landesspezifischen Vorgaben anzuwenden seien.

Die Genehmigungspraxis der Länder ist daher auch ein wichtiges Thema bei den jährlich stattfindenden Bund-Länder-Dialogen Energiespar-Contracting der dena. „Wir wollen den Erfahrungsaustausch fördern und setzen darauf, dass sich eine liberale Genehmigungspraxis auf Dauer durchsetzt“, erläutert Bischof. Als Folge der unterschiedlichen Rahmenbedingungen sind auch das Marktangebot und das Know-how in den Ländern sehr unterschiedlich. Um hier Abhilfe zu schaffen, vermittelt die dena Mentoring-Partnerschaften zwischen erfahrenen Experten von Landesenergieagenturen und Kollegen aus anderen Bundesländern.

Das nächste Ziel ist, gute ESC-Beispiele bekannter zu machen. „Viele Vertreter von Kommunen und Ländern haben Interesse an gelungenen Praxislösungen, von denen sie lernen können“, berichtet dena-Teamleiterin Cornelia Schuch. Im Rahmen eines dena-Modellvorhabens werden deshalb zehn Länder und Kommunen bei der Projekt-Umsetzung begleitet. „Wir wollen Leuchtturmprojekte schaffen, die zur Nachahmung anregen“, betont Schuch. Contracting eröffne insbesondere Kommunen mit geringen finanziellen Mitteln und personellen Kapazitäten die Möglichkeit, einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Quelle Headerbild: Nasser Hashemi, Szenenbild aus der Inszenierung „Fidelio“ am Theater Chemnitz (dena-Magazin transition 20)

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