Modellvorhaben Deutsch-Ukrainische Effizienzhäuser

Finanzierung und Planung: wichtige Voraussetzungen für energetische Sanierungen

Bei einem Modellprojekt in der Ukraine unterstützt die dena 20 Mehrfamilienhäuser beim energetischen Sanieren. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, die organisatorischen, technischen und finanziellen Rahmenbedingungen für energetisches Sanieren in der Ukraine zu verbessern.

Für das Modellvorhaben wurden 20 typisch ukrainische Häuser ausgewählt. Sie bilden ein breites Spektrum unterschied-licher, aber typischer Gebäude in verschiedenen Klimazonen mit unterschiedlicher Eigentümerstruktur in großen und kleinen Städten ab – meist aus Bauserien der 1960er bis 1980er Jahre. Hier ein Beispiel in Kamjansk.

Nach einer Bestandsaufnahme und der Entwicklung von Sanierungskonzepten stehen nun die Finanzierung und Umsetzungsplanung für die 20 Vorhaben an. Beides große Herausforderungen: Denn umfassendes Sanieren ist in der Ukraine bisher nicht üblich – und das Bewusstsein, dass für gute Sanierungsergebnisse eine fachmännische Planung unerlässlich ist, kaum vorhanden. Es gibt weder erfahrene Planer und Energieberater, noch Qualitätssicherung oder Garantieleistungen. Derzeit werden Ausbildungsprogramme und Zertifizierungsprozedere erst erarbeitet. Auch die Finanzierungsinstrumente für energetische Sanierungen stehen noch ganz am Anfang.

Großer Nachholbedarf in Sachen Planung

„Werden einzelne Maßnahmen nicht aufeinander abgestimmt, bringt die beste Idee nichts“

Dr. Anja Sivakova-Kolb, dena-Teamleiterin

Zwar ist es in der Ukraine gesetzlich vorgeschrieben, dass größere Sanierungsmaßnahmen einer Planung bedürfen, in der Praxis wird dies jedoch häufig umgangen. Etwa indem kleine Vorhaben angekündigt und größere umgesetzt werden. Das führt mitunter zu schwerwiegenden Fehlern. Teamleiterin Dr. Anja Sivakova-Kolb berichtet: „Wir haben einen Fall, bei dem die Fassade ohne fachmännische Planung gedämmt wurde mit dem Ergebnis, dass Anschluss-punkte und Details fehlerhaft sind. Wird hier nicht nachgearbeitet, ist die Gefahr von Schimmelbildung und Schäden der Bausubstanz sehr groß.“ Bei einem anderen Gebäude wurde eine Temperaturautomatik installiert, ohne vorher Fassade und Fenster energetisch auf Vordermann zu bringen. Die Automatik hat nun nicht den gewünschten Effekt. „Werden einzelne Maßnahmen nicht aufeinander abgestimmt, bringt die beste Idee nichts,“ so Sivakova-Kolb. 

Ausschreibungen helfen beim Preis- und Leistungsvergleich

Viele typische Mehrfamilienhäuser in der Ukraine wirken von außen wie ein Flickenteppich: Manche Stellen sind gedämmt, hier und da ist ein Fenster erneuert, gestrichen oder ein Balkon verglast – und an den meisten Stellen wurde gar nichts getan.

Wichtige Aufgaben der dena in diesem Modellprojekt sind Know-how-Transfer und viel Überzeugungsarbeit. So hat die dena in der ersten Jahreshälfte ein Seminar zur Planung von energetischen Sanierungen in Kiew durchgeführt. Das Interesse war groß: Mehr als 50 ukrainische Fachleute informierten sich über deutsche Ansätze und die Möglichkeiten, sie auf die Ukraine zu übertragen. Deutsche Unternehmen präsentierten ihre Lösungen für den europäischen Sanierungsmarkt. Besonders interessierten sich die Fachleute für das Thema Ausschreibung.
Auch für die 20 Eigentümergemeinschaften der Modellhäuser ist das Thema neu: „In der Ukraine ist es üblich, egal um welche Handwerksarbeiten es geht, jemanden aus dem Bekanntenkreis oder auf Empfehlung zu beauftragen. Weder werden unterschiedliche Angebote eingeholt, noch Preise verglichen,“ sagt Sivakova-Kolb. Inzwischen sind die Ausschreibungsvorlagen für die Planungsleistungen der meisten Häuser mit Unterstützung der dena fertig gestellt, einige Häuser sind bereits in der Planung. Dennoch stehen viele Bewohner dem Prozess skeptisch gegenüber, der Nutzen einer fachmännischen Planung wird immer wieder angezweifelt.
Aktuell erarbeitet die dena daher eine umfassende Anleitung zum energetischen Sanieren speziell für potenzielle Planer in der Ukraine. Dieses Handbuch soll bisherige Erfahrungen zusammenfassen und Ratschläge für eine optimale Gestaltung geben.

Nach der Planung ist vor der Finanzierung

Der bauliche Zustand vieler Häuser in der Ukraine ist schlecht, eine Sanierung wäre ohnehin dringend erforderlich. Hier Fassadenschäden an einem teilnehmenden Haus.

Die Planung ist jedoch nicht nur für eine qualitativ hochwertige Ausführung wichtig, sondern auch um Fördergelder zu erhalten. In dieser Hinsicht ist bereits eine leichte Verbesserung der Rahmenbedingungen für umfassende energetische Sanierungen spürbar: Neue Fördermöglichkeiten entstehen, bestehende werden ausgeweitet oder entsprechend angepasst.
Ziel der dena ist es, alle 20 Häuser in einem der neuen Förderprogramme unterzubringen. Denn aus eigener finanzieller Kraft ist den 20 Eigentümergemeinschaften eine umfassende Sanierung ihrer Häuser nicht möglich. Dafür hat die dena in den letzten Monaten zahlreiche Gespräche mit potenziellen Geldgebern geführt. Beim lange geplanten Energieeffizienzfond der Ukraine hat die dena außerdem eine beratende Funktion übernommen. Demnächst soll er seine Arbeit aufnehmen. Durch die Vorarbeit des dena-Projekts können einige der 20 Sanierungsvorhaben unter den ersten Antragstellern sein. Für weitere Häuser kommen etwa das für Eigentümergemeinschaften ebenfalls neue Programm „IQ Energy“ der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) oder regionale Programme wie „70/30. Energieeffizienz“ infrage.
Im November fand eine weitere zentrale Veranstaltung der 20 Eigentümergemeinschaften gemeinsam mit Repräsentanten der Finanzierungsprogramme, beteiligten Planern, Vertreter mehrerer Stadtverwaltungen und dena-Experten statt. Hauptsächlich ging es um die konkreten Möglichkeiten, die Sanierungen durch den ukrainischen Energieeffizienzfond zu finanzieren.

Wie geht’s weiter?

Ansicht einer Fassade in Odessa.

Mehr als die Hälfte der Häuser hat die dena inzwischen den Verantwortlichen des Fonds als Demonstrationsobjekte für die Finanzierung vorgeschlagen. Die Bewerbungen werden derzeit geprüft. Bis zum Frühjahr will die dena weitere Bewerbungen vorantreiben. In der Zwischenzeit unterstützt sie die Eigentümergemeinschaften und die ukrainischen Planer weiterhin dabei, die Planungsprozesse abzuschließen.