Modellvorhaben Deutsch-Ukrainische Effizienzhäuser

Etappenziel bei Modernisierungsprojekt in der Ukraine erreicht

Die dena unterstützt 20 Mehrfamilienhäuser in der Ukraine bei der energetischen Sanierung. Vor welchen Herausforderungen standen die Experten bei der Bestandsaufnahme?

Haus mit individueller Fassadendämmung und nachgerüsteten Klimaanlagen

Das Modellvorhaben Energieeffiziente Gebäude in der Ukraine, bei dem 20 Mehrfamilienhäuser energetisch saniert werden sollen, hat ein wichtiges Etappenziel erreicht: Lokale Experten haben unter Anleitung der dena den Zustand der teilnehmenden Häuser unter die Lupe genommen und die relevanten Daten zur weiteren Nutzung aufbereitet.

Die Bestandsaufnahme erfolgte dabei unter erschwerten Bedingungen: Zwar liegen beispielsweise die Grundrisse der Gebäude in aller Regel vor, Pläne mit detaillierten Maßen oder  Fassadenzeichnungen sind jedoch nicht durchgehend vorhanden. Im Zuge der Privatisierung der ehemals staatlichen Gebäude  in den 90er Jahren wurde die Dokumentation teilweise nicht übergeben, so dass heute die Eigentümer eines Hauses in vielen Fällen nur über unvollständige Pläne der eigenen Immobilie verfügen.

Kommunikation mit Hauseigentümern spielt zentrale Rolle bei Sanierung

Hochhaus in der Ukraine mit individueller Fassadendämmung

Ein weiterer Stolperstein war das anfängliche Misstrauen in den Prozess: Trotz intensiver Vorabkommunikation standen die Hauseigentümer den Experten, die zur Bestandsaufnahme in die Gebäude kamen, zunächst teilweise skeptisch gegenüber. „Diese Erfahrungen zeigen, dass es vielerorts an Vertrauen in staatliche Institutionen, Bankkredite oder Fachberater  fehlt“, so Projektleiter Bastian Stenzel. „Der Kommunikation mit den Hauseigentümern kommt vor diesem Hintergrund eine zentrale Bedeutung zu“.

Die Erfahrung zeigt aber auch, dass die Hindernisse keinesfalls unüberwindbar sind: Die fehlenden Pläne konnten in vielen Fällen mithilfe der ebenfalls ins Projekt eingebundenen Kommunalvertreter beschafft werden, sodass sie nur in wenigen Fällen neu erstellt werden mussten. Auch das Interesse der Wohnungseigentümer wuchs mit sichtbaren Ergebnissen – das zeigte sich zum Beispiel an einem Luftdichtigkeitstest an einem Gebäude, der den konkreten Modernisierungsbedarf veranschaulichte.

Viele Häuser in der Ukraine wurden noch nie grundlegend saniert

Vor-Ort-Seminar mit deutschen Experten und ukrainischen Bestandsaufnehmern

Klar wurde,  wie hoch der Sanierungsbedarf bei Bestandsgebäuden ist. So wurden viele  der Häuser seit ihrer Erbauung niemals grundlegend saniert. Insbesondere das Gemeinschaftseigentum – Dach, Fassade, Keller, Hausanschlussstation, Verteilleitungen – ist  vielfach in einem schlechten und nicht zeitgemäßen Zustand. Der Mangel an Angeboten und Unterstützungsmaßnahmen für eine umfassende Sanierung der Häuser führte  vielerorts dazu, dass einzelne Wohneigentümer versuchen, ihre Wohnung energetisch zu „optimieren“ – durch den Austausch der Fenster in der Wohnung, die Dämmung der Fassade nur vor der eigenen Wohnung oder die Installation von dezentralen Heiz- oder Warmwasserlösungen.

Stenzel: „Diese Maßnahmen führen in der Regel nur zu einer geringfügigen Verbesserung der Situation für den Einzelnen und haben oft unerwünschte Nebeneffekte. Eine umfassende Sanierung verspricht ein viel höheres Einsparpotenzial und ist im Hinblick auf den Zustand der Bausubstanz oft ohnehin dringend notwendig.“ Ein weiteres Problem: Saniert man lediglich Teile des Gebäudes, stellt dies eine zusätzliche Herausforderungen bei der Sanierung des kompletten Hauses dar.

Das Modellvorhaben Deutsch-Ukrainische Effizienzhäuser

Thermografie eines Hauses in der Westukraine

Die Durchführung der Modellvorhaben in der Ukraine ist zentraler Bestandteil des durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekts „Deutsch-Ukrainische Effizienzhäuser“. Gemeinsam mit ihren Partnern, der Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa (IWO) e. V. und dem Kompetenzzentrum Großsiedlungen e. V. werden die Eigentümer von Mehrfamilienhäusern bei der Sanierung ihrer Gebäude intensiv beraten und begleitet.

Aufbauend auf den Ergebnissen der Bestandsaufnahme werden im nächsten Schritt mehrere Varianten für die Sanierung erarbeitet, von denen die ersten nach Abstimmung mit den Eigentümern 2017 in die Umsetzung gehen sollen. Die Durchführung der Modellvorhaben liefert dabei Erkenntnisse für die technische und organisatorische Umsetzung der Projekte, die in Empfehlungen für ein landesweites Sanierungsprogramm münden sollen.