Erdgas und Biomethan als Kraftstoffe der Zukunft im ÖPNV

Workshop-Teilnehmer diskutieren Alternativen zu Dieselbussen

Eröffnungsrede von Staatssekretär Tidow beim Workshop „Erdgas und Biomethan im ÖPNV“ am 23. Februar in Berlin Foto: Ralph Müller-Eberstein (dena)

Welche sauberen und realistischen Alternativen zu Dieselbussen gibt es im Stadtverkehr? Wie können Kommunen und Verkehrsbetriebe kurzfristig die strengen Grenzwertvorgaben fürStickoxide und Feinstaub einhalten, den Verkehrslärm mindern und die Klimaschutzziele erreichen? Und wie können sie angesichts knapper Kassen  günstige alternative Antriebe und Kraftstoffe im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen? Zu diesen Fragen gab der Workshop „Erdgas und Biomethan im ÖPNV“, ausgerichtet von der Deutschen Energie-Agentur (dena) und der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, am 23. Februar in Berlin Antworten.

„Berlin will ab 2020 keine Dieselbusse mehr anschaffen.“

Stefan Tidow, Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz in Berlin

Rund 50 Teilnehmer aus Kommunen und Verkehrsbetrieben tauschten sich dabei zu den Chancen und Herausforderungen aus, die Busflotten auf Erdgas und Biomethan umzustellen. Am Beispiel Berlin erläuterte Stefan Tidow, Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz, das Spannungsfeld, in dem Kommunen und Verkehrsbetriebe sich bewegen: Während die Verkehrsnachfrage im öffentlichen Nahverkehr wächst und das Angebot im Busverkehr ausgeweitet werden muss, sollen die Schadstoff-, Lärm- und Klimagas-Emissionen sinken. Hierzu werden immer schadstoffärmere und leisere Busse gebraucht. Daher will Berlin ab 2020 keine Dieselbusse mehr anschaffen und sucht eine zuverlässige und finanzierbare Alternative.

Gasbusse reduzieren die Stickoxid-Emissionen drastisch

Diskussion zum Vortrag über Kraftstoff-Belieferungsmodelle von Dr. Anis (BBH) Foto: : Ralph Müller-Eberstein (dena)

Professor  Ralph Pütz von der Hochschule Landshut stellte die Ergebnisse von Praxistests aus dem Jahr 2016 vor. Diese zeigen, dass die Gasbusse der Euro-VI-Abgasnorm im Praxisbetrieb um bis zu 90 Prozent, aber mindestens um 50 Prozent geringere Stickoxid-Emissionen als vergleichbare Dieselbusse produzierten. Das Potenzial, mit Erdgasbussen nahezu klimaneutral zu fahren, erläuterten auch Claus Sauter vom Biokraftstoffproduzenten Verbio AG, Klaus Röder (Stadtwerke Augsburg Verkehrs-GmbH) und Herr Emschermann (Verkehr und Wasser GmbH Oldenburg). Die Verkehrsbetriebe reduzieren ihre Schadstoff- und Klimagas-Emissionen durch den Einsatz von Biomethan aus Rest- und Abfallstoffen um 90 Prozent im Vergleich zu Dieselfahrzeugen.

Mit der heutigen Tankstellentechnik dauert die Betankung mit Erdgas (CNG) fünf bis sieben Minuten pro Fahrzeug und ist damit genauso schnell wie bei Diesel.

Minh-Thuy Truong vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) beim Vortrag über alternative Antriebe bei Bussen Foto: : Ralph Müller-Eberstein (dena)

Als bedeutenden Kosten- und Leistungsfaktor für den ÖPNV hob Jens Augst von der Bohlen & Doyen GmbH, einem Anlagenbauer für Energieinfrastruktur, hervor: Ein wettbewerbsfähiger ÖPNV braucht eine optimierte Infrastruktur, vor allem wenn es um Tankmöglichkeiten für Erdgas-Fahrzeuge geht.
In der abschließenden Diskussion hielten die Teilnehmer fest:

  • Der Druck der Kommunen, Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz durchzusetzen, steigt durch das EU-Vertragsverletzungsverfahren und anhängige Verwaltungsgerichtsklagen auf Einhaltung der Luftqualitätsgrenzwerte, vor allem bei Stickstoffdioxid, erheblich.
  • Gasbusse sind die verlässlichste und am schnellsten verfügbare Alternative, um Stickoxid-Emissionen im städtischen Verkehr sowie Klimagase substanziell zu senken.
  • Verkehrsbetriebe,  die Biomethan tanken, sind am beliebtesten  und haben überproportionale Fahrgastzuwächse.

Kommunen nutzen bislang kaum die Chance, saubere Antriebe und Kraftstoffe in ihren Nahverkehrsplänen und Ausschreibungen zu bevorzugen beziehungsweise zu fordern.

Staatssekretär Tidow im Gespräch mit Teilnehmern Foto: : Ralph Müller-Eberstein (dena)

Referenten wie Teilnehmer betonten, dass durch die 20-jährigen Praxiserfahrungen gesicherte Daten über Zuverlässigkeit und Kosten des Gasbusbetriebs vorlägen, aus dem geschlussfolgert werden kann:

  • Der Busbetrieb mit Erdgas und Biomethan im Zusammenspiel von Energieversorgern und Verkehrsbetrieben ist nicht teurer als mit Diesel.
  • Gasbusse haben unter Einsatz von Biomethan die beste systembezogene Umweltbilanz aller Busse.
  • Gasbusse sind aktuell die einzige verlässliche und wettbewerbsfähige Alternative, die komplette Dieselbusflotten ersetzen kann.

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