Die größte Snowboard-Fabrik der Welt wird mit Wärme und Kälte aus einem Fluss versorgt. Und was hat die dena damit zu tun?

Die Preisträger des Energy Efficiency Award der dena zeigen: Investitionen in Energieeffizienz zahlen sich aus. Mit moderner Technik oder innovativen Energiekonzepten können Unternehmen aus Industrie, Gewerbe und Handel überzeugende Renditen erzielen.

„Unser neues Werk ist branchenweit sicher das energieeffizienteste“

Michael Kollmann, CEO der CAPiTA MFG GmbH

„The Mothership“ nennt der Snowboard-Hersteller CAPiTA MFG GmbH sein neues Werk in Kärnten. Tatsächlich sieht die mit kühnem Schwung himmelwärts strebende Halle ein bisschen so aus, als wolle sie, einem startenden Raumschiff gleich, vom Erdboden abheben. Die vier Fußballfelder messende Fabrik in Feistritz ist die größte Produktionsstätte für Snowboards der Welt. Und sie kann noch einen zweiten Superlativ in Anspruch nehmen: „Unser neues Werk ist branchenweit sicher das energieeffizienteste“, sagt Firmenchef Michael Kollmann. Für die Umsetzung des innovativen Energiekonzepts seines „Mutterschiffs“ ist CAPiTA kürzlich beim Energy Efficiency Award 2016 der dena mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden.

Das Erfolgrezept des Snowboard-Herstellers aus Österreich: „Wir haben bei der Planung des Werks von Anfang an die Energieeffizienz in den Fokus genommen“, erklärt Kollmann. So war es möglich, schon in einem sehr frühen Stadium die Wechselwirkungen aller technischen Anlagen zu berücksichtigen – eine wichtige Voraussetzung, um Synergieeffekte zu erzielen.

1200000
Euro
Investition
294000
Euro
jährliche Energiekosten weniger
84 %
Energie
eingespart
24 %
Kapitalrendite
für CAPiTA

Um Snowboards zu fertigen, braucht man gleichermaßen Wärme und Kälte – Wärme unter anderem für das Pressen und Bedrucken der Boards, Kälte für das Kühlen von Pressen und Schleifmaschinen. CAPiTA hat sich daher entschieden, statt einer konventionellen Kältemaschine und einem Wärmeerzeuger ein System zu installieren, das beide Funktionen vereint: eine hocheffiziente, mit Ammoniak betriebene Kälteanlage, die zugleich Prozess- und Raumwärme liefert. Auf einen Heizkessel kann das Unternehmen damit verzichten. „Kälte und Wärme in einem einzigen System zu erzeugen, ist der einfachste und beste Weg, die hohen Effizienzziele zu erreichen“, sagt Franz Josef Schögl vom Beratungsunternehmen Sattler Energie Consulting, das das energetische Gesamtkonzept erstellt hat. Zum niedrigen Energiebedarf trägt auch bei, dass CAPiTA einen nahe dem Werk fließenden Fluss als Wärme- und Kälte-Reservoir für die Kälteanlage nutzt. Damit reduziert das Unternehmen den Stromverbrauch der Anlage deutlich.

Insgesamt 1,2 Millionen Euro hat CAPiTA in seine Effizienzmaßnahmen investiert. Die Summe macht sich schnell bezahlt: Verglichen mit der alten Produktionsstätte spart das Unternehmen 84 Prozent Energie ein. Das mindert die Energiekosten um 294.000 Euro im Jahr. So erzielt der Snowboard-Hersteller eine Kapitalrendite von 24 Prozent.

Effizienzmaßnahmen verbessern Wettbewerbsfähigkeit

Energy Efficiency Award: Initiiert von der dena im Rahmen der Initiative EnergieEffizienz, hat sich der jährlich stattfindende internationale Wettbewerb seit 2007 zum Schaufenster für innovatives Energiemanagement und effiziente Technologien entwickelt. Bis heute verzeichnet er 661 Bewerbungen aus 44 Ländern. Die Auswahl der Preisträger erfolgt durch eine Jury aus unabhängigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Fachmedien. Der Award ist mit einem Preisgeld in Höhe von insgesamt 30.000 Euro dotiert.

Wie auch die anderen Preisträger des Energy Efficiency Awards ist CAPiTA „Vorreiter für gelebte Innovation in der Energiewende“, betonte dena-Geschäftsführerin Kristina Haverkamp bei der Preisverleihung im vergangenen November. Der dena-Wettbewerb zielt auf Energieeffizienzprojekte in Unternehmen aus Industrie, Gewerbe und Handel, die sich durch einen besonders wirtschaftlichen Ansatz, messbare Erfolge und eine gute Übertragbarkeit auf andere Betriebe auszeichnen. „Mit diesen Vorzeigebeispielen wollen wir möglichst viele Unternehmen anregen, selbst aktiv zu werden“, sagt Haverkamp.

Die prämierten Projekte machen deutlich, wie Unternehmen mit einer Verbesserung ihrer Energieeffizienz nachhaltig Kosten senken, ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken und die Klimabilanz verbessern können. Nicht zuletzt demonstriert der Energy Efficiency Award, welch beachtliche Kapitalrendite Betriebe mit Effizienzmaßnahmen erzielen können.

Energieeffizienz mit digitalen Lösungen

Für den selbst entwickelten Stromsensor wurde Rauschert Heinersdorf - Pressig der „Anerkennungspreis Digitalisierung“ verliehen. Foto: Rauschert Heinersdorf - Pressig GmbH

Das gilt auch für die Rauschert Heinersdorf - Pressig GmbH, Hersteller von anspruchsvollen Bauteilen aus Keramik und Kunststoff. Energie gehört zu den größten Kostenblöcken des fränkischen Unternehmens. Daher hat es vor einigen Jahren beschlossen, ein Messsystem zu installieren, das eine Vielzahl von Energiedaten erfasst. Da keines der am Markt angebotenen Systeme die Anforderungen erfüllte, entwickelten die Experten des Betriebs zusammen mit Forschern des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen schließlich selber eine Lösung: einen Sensor, der über eine einzige Klemme Strom und Spannung pro Phase misst. „Damit sind die erhobenen Daten sehr genau“, sagt Michael Müller von Rauschert Heinersdorf - Pressig. Für die Entwicklung des Sensors ist das Unternehmen mit dem „Anerkennungspreis Digitalisierung“ ausgezeichnet worden.

„Wir profitieren stark von der Auszeichnung durch die dena.“

Michael Müller, Rauschert Heinersdorf - Pressig GmbH

Die Sensoren geben dem Unternehmen nun die Möglichkeit, ihre Anlagen energietechnisch zu bewerten – „ein großer Vorteil, wenn wir mit Lieferanten neuer Anlagen über deren Energieeffizienz sprechen“, sagt Müller. Zudem sei es nun möglich, die Fertigungsprozesse energetisch zu optimieren. „Das spart Energie, reduziert zugleich den Ausschuss und verbessert die Produktqualität.“ Um insgesamt 42 Prozent konnte der Mittelständler seinen Energieverbrauch reduzieren. Die Kapitalrendite der Einsparinvestitionen liegt bei 34 Prozent. Erfolge, die künftig auch andere Betriebe erzielen können: Rauschert Heinersdorf - Pressig GmbH verkauft seine Sensoren nun auch an andere Unternehmen. „Der dena-Award hilft dabei sehr“, sagt Müller. „Da wir im Elektronikbereich bislang noch keinen Namen haben, müssen wir hier erst noch ein Image aufbauen. Dabei profitieren wir stark von der Auszeichnung durch die dena.“

Systematischer Ansatz für die energetische Optimierung

Der Autoglas-Hersteller Pilkington hat in seinem Werk in Sachsen-Anhalt die Energiekosten um 405.000 Euro im Jahr gesenkt. Foto: Pilkington Automotive Deutschland GmbH

„Dank des integrierten Projektansatzes konnten wir auch Effizienz-Maßnahmen umsetzen, die eine lange Amortisationszeit haben.“

Marcel Devereaux, Manager bei der Pilkington Automotive Deutschland GmbH

Gleich mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen hat der Autoglas-Hersteller Pilkington Automotive Deutschland GmbH die Energieeffizienz in seinem Werk in Sachsen-Anhalt verbessert: etwa durch die Umstellung der gesamten Beleuchtung auf LEDs, den Ersatz der konventionellen Kälteanlage durch innovative Sorptionstechnik, die Optimierung des Rückkühlsystems für den Autoklavenprozess, die Installation eines BHKWs mit Nutzung der Abwärme für die Produktion oder die Rückgewinnung von Abwärme aus dem Schmutzwasser. Die Investitionssumme des Projekts lag bei insgesamt 2,9 Millionen Euro. Pilkington erzielt damit eine Rendite von 14 Prozent.

Den einzelnen Maßnahmen liegt ein ganzheitlicher Ansatz zugrunde, der sämtliche Energieverbraucher und auch die Erzeugungsanlagen des Unternehmens in den Blick nahm. Dabei wurde Pilkington von Experten der E.ON-Tochter für Energiedienstleistungen unterstützt. „Aufgrund des integrierten Projektansatzes konnten wir auch Maßnahmen umsetzen, die zwar einen hohen Energieeffizienzeffekt haben, jedoch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten – eine lange Amortisationszeit – singulär betrachtet nicht umgesetzt worden wären“, berichtet Pilkington-Manager Marcel Devereaux. Dieses systemische Vorgehen hat die Jury des dena-Awards mit dem zweiten Preis prämiert.

Effiziente Heiztechnik für Lager- und Werkshallen

Dritter Preis: Die Thelen-Gruppe hat in einer ihrer Industriehallen die Warmluftheizung durch innovative Infrarottechnik ersetzt. Foto: Thelen Holding GmbH

Lager- und Werkshallen lassen sich nur schwer beheizen: Das Raumvolumen ist groß, der Energiebedarf hoch – zumindest mit konventioneller Heiztechnik. Die Thelen-Gruppe, ein Immobilien-Unternehmen aus Essen, hat daher 2015 eine Halle in Neuss mit einer innovativen Infrarot-Heizung der Firma Kübler ausstatten lassen. Die Experten von Kübler haben dabei auch die Planung und Installation übernommen. Das Gebäude ist an vier Parteien vermietet, jede mit unterschiedlichem Wärmebedarf. Statt die Luft der gesamten Halle zu erwärmen, machen es die dezentralen Infrarot-Strahler nun möglich, individuelle Heizzonen zu schaffen. Das ist nicht nur komfortabel, sondern spart auch viel Energie. Denn geheizt wird jetzt nur noch dort, wo die Wärme auch tatsächlich benötigt wird. In der ersten Heizperiode sank der Energiebedarf um fast sechzig Prozent. Das führt zu einer Kapitalrendite von 43 Prozent.

„Wir konnten durch das neue Heizsystem die Wettbewerbsfähigkeit unserer Immobilie in Neuss deutlich erhöhen.“

Wolfgang Thelen, Geschäftsführer der Thelen-Gruppe

„Wir konnten durch das neue Heizsystem die Wettbewerbsfähigkeit unserer Immobilie in Neuss deutlich erhöhen. Vor allem wegen der stark reduzierten Verbrauchskosten, aber auch in punkto Wärme- und Bedienkomfort“, freut sich Geschäftsführer Wolfgang Thelen. Die Mieter seien daher hoch zufrieden mit der Technologie. Für den Umstieg auf die effiziente Heiztechnik ist der Thelen-Gruppe der dritte Preis verliehen worden. „Die Auszeichnung mit dem Energy Efficiency Award bestätigt noch einmal, wie gut und richtig unsere Entscheidung war“, erklärt Thelen.

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