Workshop „Energiemanagement in Regionen und Kommunen“ in Astana

Energiemanagement „bottom-up“

Welche Rolle spielen Städte und Kommunen beim Erreichen von nationalen Klimazielen? Und wie kann ein Energiemanagement dabei helfen? Bei einem Workshop in der kasachischen Hauptstadt Astana tauschten sich Vertreter von Kommunen und Unternehmen aus Kasachstan, der Ukraine, Russland und Weißrussland sowie Deutschland über die Zukunft ihrer städtischen Energieinfrastruktur aus.

Teilnehmer des Workshops in Astana, Kasachstan

Im Workshop „Energiemanagement in Regionen und Kommunen“ ging es darum, Chancen und Herausforderungen für Kommunen in Osteuropa und Zentralasien bei der Modernisierung ihrer Energie- und Wärmeversorgung zu thematisieren. Sie sollten dabei von Erfahrungen anderer Länder bei der Gestaltung ihrer Effizienzpolitiken und bei der Einführung eines Energiemanagements profitieren. Außerdem wurden innovative Energieeffizienztechnologien und -projekte wie „Smart City“ vorgestellt.

Der Workshop fand am 26. Juni im Rahmen der länderübergreifenden Dialogplattform „Urbane Energieinfrastruktur in Osteuropa und Zentralasien“ statt. Mit dem Projekt möchte die dena ein internationales Expertennetzwerk aufbauen – zentral ist dabei der Erfahrungsaustausch.
Insgesamt nahmen 42 Regierungsvertreter, Energieexperten und Hersteller von Effizienztechnologien aus Deutschland und den Zielländern teil. Ein Großteil kam aus Städten und Kommunen – zum Beispiel aus Kiew, Lviv und Zhytomyr in der Ukraine und Novogrudok in Belarus.

Eingangs skizzierte Zhaksylyk Tokayev, Direktionsleiter für Energieeinsparung im kasachischen Entwicklungsministerium, die Situation in Kasachstan. Das Land habe im Bereich Energieeffizienz bereits einiges erreicht – die Energieintensität sei bis 2016 innerhalb von acht Jahren bereits um 18 Prozent gesunken. Doch gerade Kommunen müsste man nun mehr Aufmerksamkeit schenken. Sie stehen bei der Erreichung ihrer Energieeffizienzziele und der Modernisierung der Energieinfrastruktur vor besonderen Herausforderungen.

Energieeffizienz von kommunalen Gebäuden ist wesentlich

Das gemeinsame Erbe hinsichtlich der Energieinfrastruktur in den teilnehmenden Ländern und ihre unterschiedlichen Ansätze bei der Modernisierung des Energiebereichs bieten eine gute Grundlage für den internationalen Austausch.

Der stellvertretende Bürgermeister der kasachischen Karaganda-Region Anatoly Shkarupa erklärte, dass aus seiner Sicht Wohngebäude das größte Problem in seinem Land seien. Es gäbe keine Eigentümer, die sich darum kümmern würden, genauso wenig wie Förderangebote für Modernisierungen. Kommunen seien die Einsparpotenziale auch meist bewusst, sie könnten diese aber oft nicht realisieren. Es fehle an Geld oder Personal mit ausreichender Fachkenntnis.

Vira Radchenko, Abteilungsleiterin bei der Stadt Kiew, sowie Nursultan Kaldybayev, Leiter des kasachischen Zentrums für Entwicklung von innovativen Ökosystemen, thematisierten die Bedeutung der Energieverbrauchsmessung (Metering). Sie sei der erste Schritt zur Energieeffizienzsteigerung. Besonders in Kasachstan gäbe es noch viele Gebäude ohne Strom- und Gaszähler, so Kaldybayev. Viele Verbraucher wüssten daher nicht einmal, wie viel sie tatsächlich verbrauchen.

Für Sergey Poleshchuk, Generaldirektor des kasachischen Heizsystemherstellers TOO „Ergonomika“, sind die niedrigen Energiepreise das größte Hindernis für Effizienzsteigerungen in Kasachstan – nicht nur bei Gebäuden. Es gäbe Finanzierungsprogramme dafür, die aber nicht genutzt würden. Er unterstrich daher, dass es bei Energieeffizienz nicht nur ums Energiesparen ginge, sondern auch um Umwelt- und Klimaschutz.

Energiemanagement zieht Investitionen in Städte an

Über ihre konkreten Erfahrungen bei der Umsetzung eines regionalen Energiemanagements berichteten vor allem die Teilnehmer aus der Ukraine. Ziel dabei sei es, Einsparungen durch einen typischen Managementprozess zu erreichen. Dieser basiert auf einem systematischen und ganzheitlichen Ansatz und umfasst Gebäude, Abwasseranlagen, Straßenbeleuchtung und mehr.

Es herrschte Konsens darüber, dass Energiemanagement ein wichtiges Energieeffizienz- und Planungsinstrument für Kommunen sei. In besonders aktiven Kommunen könne es sogar Investitionen für Städte anziehen.

Unternehmen werden auf den Markteintritt im Ausland vorbereitet

Die Unternehmen Siemens und Viessmann gaben dabei wertvollen Input für andere deutsche Unternehmen, die den Markteintritt in Zentralasien oder Osteuropa planen. Sie stellten nicht nur ihre Technologien, Erfahrungen und Know-how vor. Vor allem berichteten sie über ihre konkreten Projekte vor Ort, wiesen auf mögliche regionale Hindernisse hin und machten Vorschläge, wie man die Rahmenbedingungen für die Entwicklung der jeweiligen Energieeffizienzmärkte verbessern könnte.
Alle Teilnehmer stimmten darin überein, dass der Erfahrungsaustausch in diesem Format sehr nützlich sei, um die besten und gebräuchlichsten Praktiken in den jeweiligen Regionen kennenzulernen und zu verstehen. Der Wunsch wurde geäußert, sich bei künftigen Workshops auch den Ausbau erneuerbarer Energien in Städten und Kommunen zu thematisieren.